Fünf Personen bewegen sich auf einer Bühne.

Auf der Bühne Antiziganismus entgegenwirken

Das Forumtheater ermöglicht Gruppen einen Einstieg in das Thema Antiziganismus und regt die Diskussion darüber an. Als Teil dieser interaktiven Theatermethode wird das Publikum auf die Bühne gebeten.

Pinselstrich

Dass Romnja und Roma, Sintizze und Sinti ihre Identität in Deutschland verstecken müssen, um nicht ausgeschlossen zu werden oder um sich in der Schule beziehungsweise bei der Arbeit sicher zu fühlen, ist ein Problem. Nicht nur für die Personen selbst, sondern vor allem für eine demokratische Gesellschaft, die von Vielfalt und Beteiligung aller lebt. Dieser Situation stellt sich das Modellprojekt "WIR SIND HIER! Bildungsprogramm gegen Antiziganismus" entgegen. "Damit muss endlich Schluss sein!" sind die klaren Worte des Projekt-Teams. Seit 2020 entwickelt es Methoden im Bereich der schulischen und außerschulischen Bildung, um gegen Antiziganismus einzutreten. Zudem möchte es so neue gesellschaftliche Räume für die Stimmen von Sintizze, Sinti, Romnja und Roma schaffen. Dazu zählen Workshops, Fachtagungen und verschiedene Bildungstools, darunter die Methode des Forumtheaters.

"Wir möchten mit 'WIR SIND HIER!' vor allem Jugendliche und Erwachsene aus der Mehrheitsgesellschaft erreichen und für Antiziganismus sensibilisieren. Zudem möchten wir auch junge Sintizze und Sinti sowie Romnja und Roma ansprechen, für die es empowernd wirkt, wenn ihre Themen endlich Beachtung finden", sagen Estera Sara Stan und David Paraschiv vom Projekt "WIR SIND HIER!".

Die Idee zum Forumtheater

Als beide anfingen im Rahmen des Projekts Workshops zum Thema Antiziganismus zu geben, begaben sie sich auf die Suche nach geeigneten Methoden, um mit neuen Gruppen leichter ins Gespräch zu kommen. Die Idee, zum Einstieg in das Thema eine Theaterszene zu zeigen, erwies sich als erfolgreich und wurde daher weiterentwickelt. "Estera schlug vor, dass wir ein Forumtheaterstück aufführen sollten. Da sie bereits Erfahrung mit dieser Methode hatte und Menschen kannte, die uns dabei helfen konnten, ging dies recht schnell."

"Wir möchten mit unserem Stück neue Verbündete im Kampf gegen Antiziganismus finden und unsere Geschichten erzählen, weil diese sonst vergessen werden."

Estera Sara Stan und David Paraschiv, Mitwirkende im Projekt "WIR SIND HIER!"

Portraitaufnahme eines jungen Mannes neben einer jungen Frau

Das Forumtheater, das auch "Theater der Unterdrückten" genannt wird, ist eine Methode des Empowerments. Durch sie soll eine benachteiligte Gruppe dazu befähigt werden, die eigenen Interessen und Ziele zu artikulieren und für diese einzutreten. Sie wurde während der brasilianischen Militärdiktatur durch den Theaterpädagogen Augusto Boal entwickelt, der damit die Sensibilisierung für soziale Konflikte und die Erarbeitung von Lösungsansätzen anstrebte. Dem Gedanken Boals folgen die Mitwirkenden des Projekts: "Wir möchten mit unserem Stück neue Verbündete im Kampf gegen Antiziganismus finden und unsere Geschichten erzählen, weil diese sonst vergessen werden."

Das Besondere an der Methode

Beim Forumtheater wird die Grenze zwischen der Bühne und dem Publikum aufgehoben. Zunächst zeigen die Schauspielerinnen und Schauspieler von "WIR SIND HIER!" ein Stück, das die Kontinuitäten des Antiziganismus und dessen strukturelle Probleme aufzeigt. "Am Ende des Stücks fragen wir das Publikum, was sie konkret machen können, um – in unserem Fall – Rassismus gegen Sintizze und Sinti sowie Romnja und Roma zu erkennen und zu bekämpfen. In Kleingruppen diskutiert dann das Publikum mögliche Lösungs- beziehungsweise Veränderungsszenarien", führen Stan und Paraschiv aus. Die Schauspielenden unterstützen die Kleingruppen bei diesem Prozess. Die alternativen Lösungsszenarien werden anschließend jeweils auf der Bühne präsentiert. "Dadurch ist jede Aufführung anders und lebt durch kreative Ideen."

Sechs junge Personen stehen vor einer Holzwand und lächeln dem Betrachter zu.
Theatergruppe von "WIR SIND HIER!", Bild: Ali Rönisch

Das Forumtheater wird, so erläutern die beiden Projekt-Mitwirkenden, außerdem stets von einer moderierenden Person begleitet, welche zu Beginn das Publikum begrüßt, und später die Kleingruppen moderiert. Dazu gehört es zum Beispiel, die Ideen des Publikums und deren Wirkungen zu analysieren. Vor jedem Stück führt die moderierende Person zudem eine Aufwärmung mit dem Publikum durch, um alle auf die Veranstaltung einzustimmen.

Was mit dem Forumtheater erreicht werden soll

Das Projekt erhält auf das Forumtheater sehr positive Rückmeldungen vom Publikum. Dieses soll durch die Methode dazu angeregt werden, über individuelle Vorschläge nachzudenken, wie es die Projektgruppe bei ihrem Engagement gegen Antiziganismus unterstützen kann. Das Forumtheater schafft so die Möglichkeit für eine aktive Auseinandersetzung mit der Diskriminierung von Sintizze und Sinti, Romnja und Roma, um Antworten auf die Frage zu finden, wie alle in unserer Gesellschaft angstfrei leben können.


Veröffentlicht im März 2024

Dieser Beitrag ist Bestandteil des Themenmonats "Perspektivwechsel".

Veranstaltung

Die Fachtagung "Wir wollen's wissen!" anlässlich des Romadays wird am 10. April stattfinden. Hier kommt das Forumtheater wieder zum Einsatz.