Muster aus blauen Kreisen

Dazugehören – nicht immer einfach

Die Publikation "Zugehörigkeit in der Migrationsgesellschaft" gibt Ideen und Anregungen, um sich mit den Widersprüchen und Paradoxien von Zugehörigkeit auseinanderzusetzen.

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Was heißt eigentlich dazugehören? Der Begriff Zugehörigkeit birgt durch seine Mehrdeutigkeit viele Spannungen. "Für uns ist Zugehörigkeit eine ganz zentrale, emotionale Größe für Partizipation, Teilhabe und Engagement in einer Gesellschaft", führt Hassan Asfour, Geschäftsführer von "Dialog macht Schule" aus. Das Sozialunternehmen setzt sich für eine zukunftsorientierte politische Bildung ein, die einen Beitrag zum Umgang mit den Chancen und den Konflikten in der deutschen Migrationsgesellschaft leisten kann. Unter anderem arbeitet "Dialog macht Schule" dazu im Kompetenznetzwerk "Schulische und außerschulische Bildung im Jugendalter".

Auch in der aktuellen Publikation "Zugehörigkeit in der Migrationsgesellschaft" geht es um das Thema Zugehörigkeit in schulischen und außerschulischen Kontexten. "Wenn man sich zu einer Gesellschaft, zu einer Gruppe nicht zugehörig fühlt, dann engagiert man sich auch nicht dafür. Da ist die Frage: Wie können wir positive Zugehörigkeitsgefühle fördern?"

Mehrere Autorinnen und Autoren beleuchten in der Publikation die Mehrdeutigkeit des Begriffs, setzen sich dabei mit einhergehenden Widersprüchen und Paradoxien in einer modernen Migrationsgesellschaft auseinander. Das Ziel sind Anregungen und Mut für den strittigen Diskurs über Migration und Rassismus. In den Interviews und Praxisberichten werden Impulse für die Demokratiebildung gesetzt, wobei ein nüchterner Blick auf den Begriff Zugehörigkeit und in andere Länder geworfen wird. Der Umgang mit Stereotypen und Diskriminierung wird neu gedacht.

Zugehörigkeit: Erkenntnisse und Impulse

"Es ist eine Sehnsucht nach der Herkunftsidentität zu beobachten, die dem Zugehörigkeitsgefühl zu Deutschland nicht förderlich ist. Wie kann eine positive Zugehörigkeit zur hiesigen Gesellschaft gefördert werden? Deswegen haben wir die Publikation herausgegeben, um Überlegungen und ganz praktische Hinweise weiterzugeben", sagt Hassan Asfour. Damit sei eine Art Transferprodukt zur aktuellen Förderphase von "Demokratie leben!" entstanden, welches ein vielstimmiges Plädoyer für neue Ansätze in der Demokratiebildung in Krisenzeiten zeichnet.

Außerdem sind im diesjährigen "Online-Campus" die Autorinnen und Autoren dabei, um ihre ersten Impulse aufzugreifen und über Zugehörigkeit in der Migrationsgesellschaft sowie Fragen für die Demokratiebildung zu sprechen. Mit den Webinaren im Frühling führt das Team von "Dialog macht Schule" tiefer ins Thema.

Dialog macht Schule Campus

Der Online-Campus ist eine Bildungs- und Denkwerkstatt, die sich aktuell mit Zugehörigkeit beschäftigt.

Mehr über die Webinare erfahren

Logo Dialog macht Schule gGmbH

Weitere Angebote mit dem Schwerpunkt Demokratiebildung

"Dialog macht Schule" startete 2013 und qualifizierte junge Menschen, die in migrantisch geprägten Ballungsräumen lebten, zu Dialogmoderatorinnen und -moderatoren. Durch die Ausbildung konnten sie ihre demokratischen Kompetenzen ausbauen und gleichzeitig weitergeben. "Wir haben Demokratiebildung mit Schülerinnen und Schülern, die als schwer erreichbar gelten, gemacht", so Hassan Asfour. "Da haben wir aus der Arbeit heraus gemerkt: Was braucht es speziell an Angeboten der politischen Bildung, um Kinder und Jugendliche zu erreichen?" Mittlerweile versteht sich das Unternehmen als Bildungs- und Denkwerkstatt an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Bildungspraxis und Politik und führt die Arbeit mit Jugendlichen beispielsweise über Mentoring-Programme im Deutschen Bundestag fort. Anfang 2022 wurden dann Online-Fachtage über identitätspolitische Strömungen durchgeführt, "weil wir gesehen haben, dass man mit dem Thema Identität konstruktiv und differenziert umgehen muss."

Um Demokratiebildung geht es auch im zweiten Schwerpunkt des Sozialunternehmens, hierbei richten sich die Angebote an Fach- und Führungskräfte, die sich im Feld professionalisieren wollen. Es gibt neben den Online-Veranstaltungen Beratungsstipendien für Organisationen mit einem Demokratiebildungsauftrag sowie für Modellprojekte im Bundesprogramm. "Wir gucken dabei prozessorientiert, wo wir beratend unterstützen können, das kann ein einmaliges Beratungsgespräch oder eine längerfristige Begleitung sein", sagt Hassan Asfour. Denn Wissen zu teilen, ist eine der Voraussetzungen, um gemeinsam an einer zukunftsorientierten politischen Bildung in einer komplexer werdenden Gesellschaft zu arbeiten.


Veröffentlicht im April 2024