Das Projekt "Wilde Wasser – Linksextremismusprävention in Brandenburg" aus Frankfurt (Oder) konzipiert und erprobt Bildungsangebote für junge Menschen und pädagogische Fachkräfte. Diese befähigen sie, linksextremistische Tendenzen zu erkennen, einzuordnen und sich kritisch damit auseinanderzusetzen. Für Jugendliche bietet es zum Beispiel ein interaktives Rollenspiel, einen mobilen Escape Room und ein erlebnispädagogisches Sommercamp. Dieses umfasst kreative Workshops zu Demokratie, Identität und Gewaltfreier Kommunikation, Kajakfahrten und Abende am Lagerfeuer zum Austausch. Multiplikatorinnen und Multiplikatoren schult das Projektteam, linksextremistische Phänomene oder linksextreme Radikalisierungsprozesse zu erkennen und Handlungssicherheit im Umgang mit Radikalisierungstendenzen bei jungen Menschen zu erlangen.
Linksextremismus sichtbar machen
"Die Idee hinter dem Projekt 'Wilde Wasser' ist es, ein Phänomen sichtbar zu machen, das insbesondere im ländlichen Raum häufig unterschätzt wird: Linksextremismus wird im Vergleich zu anderen Erscheinungsformen oft weniger wahrgenommen und bagatellisiert, obwohl auch hier demokratiefeindliche Einstellungen und Gewaltpotenziale bestehen können", sagt Martin Hampel, Projektmitarbeiter bei "Wilde Wasser". "Vor diesem Hintergrund verfolgt das Projekt einen präventiven Ansatz, der auf Sensibilisierung, Aufklärung und Reflexion abzielt."
Ein zentraler Ansatzpunkt ist dabei die Auseinandersetzung mit Anschlussfähigkeiten extremistischer Ideologien. "So zeigen sich beispielsweise im Kontext ökologischer oder sozialpolitischer Themen Schnittstellen, über die extremistische Narrative an gesellschaftlich breit akzeptierte Diskurse anknüpfen können. Ebenso ist im Bereich des linken Antisemitismus eine verstärkte Dynamik zu beobachten, die auch junge Menschen erreicht."
Rollenspiel "Jugendgerichtsverhandlung"
Um diesen Entwicklungen zu begegnen, verfolgt das Projektteam an Schulen und anderen Jugendeinrichtungen einen besonderen Präventionsansatz: Mit einem interaktiven Rollenspiel zur Simulation einer Jugendgerichtsverhandlung ermöglicht es Jugendlichen im Rahmen eines Workshops einen praxisnahen Einblick in die Abläufe der Justiz. Bei dem Rollenspiel werden (jugendtypische) Straftaten aus dem Bereich des Linksextremismus dargestellt, verhandelt und alternative Handlungsoptionen ausgearbeitet. Ein zentraler Bestandteil des Workshops ist es, dass alle Rollenteilnehmenden gemeinsam ein Fallbeispiel auswählen und sich darauf vorbereiten, den Gerichtsprozess nachzuspielen. Die Inhalte der Verhandlung entwickelt das Projektteam dabei gemeinsam mit den Teilnehmenden und passt sie an die Lebensrealitäten der Jugendlichen an. Die Jugendlichen erleben so, wie Regeln und Gesetze entstehen, wie sie angewendet werden und welche Funktion sie für das Zusammenleben haben.
"Dieses Format ermöglicht jungen Menschen, den Rechtsstaat praktisch zu erleben, indem sie verschiedene Rollen innerhalb eines Gerichtsprozesses übernehmen – etwa als Richterin oder Richter, Staatsanwaltschaft, Verteidigung oder auf der Anklagebank. Auf diese Weise setzen sie sich intensiv mit Perspektiven, Argumentationen und gesellschaftlichen Normen auseinander", sagt Martin Hampel. "Dabei steht insbesondere das Verständnis im Fokus, dass gesellschaftliche Normen notwendig sind, um die Rechte aller zu schützen und durchsetzbar zu machen." Ziel ist es zudem, das Bewusstsein für strafbare Handlungen zu schärfen und die Unterschiede in der Bewertung von Straftaten zwischen Jugendlichen und Erwachsenen zu verdeutlichen.
Projektansatz: Sensibilisierung, Aufklärung und Reflexion
Das Rollenspiel setzt das Projektteam als vertiefendes Element innerhalb der Workshops ein, um abstrakte Inhalte greifbar zu machen und Perspektivwechsel zu fördern. Durch die aktive Beteiligung und die emotionale Einbindung entsteht ein nachhaltiger Lernprozess, der zur kritischen Reflexion eigener Einstellungen und Handlungsweisen anregt. "Ziel unseres breiten Spektrums interaktiver und erlebnispädagogischer Methoden ist es stets, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern Reflexion, Perspektivwechsel und eigenständiges Denken anzuregen."
Das Projektteam hat für das Rollenspiel einen Methodenkoffer entwickelt. Dieser wurde gezielt so konzipiert, dass er in den jeweiligen Einrichtungen verbleibt, die den Workshop durchgeführt haben, und dort nachhaltig weiter genutzt werden kann. Voraussetzung ist dabei, dass eine pädagogische Fachkraft aus der Einrichtung aktiv am Workshop teilgenommen hat, um das Format anschließend eigenständig umsetzen zu können.
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Veröffentlicht im Juni 2026
Thema
Linksextremismus
Rubrik
Extremismusprävention