Schulunterricht

Kindgerechte Bildung gegen Antisemitismus

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© KiBA | Bildung in Widerspruch e. V.

Im Grundschulunterricht über jüdisches Leben, Antisemitismus und den Nahostkonflikt zu sprechen, kann sowohl für Lehrkräfte als auch die Schülerschaft herausfordernd sein. Denn pädagogische Fachkräfte müssen sich nicht nur kindgerecht mit Vorurteilen und Diskriminierungen auseinandersetzen, sondern auch die eigenen Vorstellungen zum Thema reflektieren. Schülerinnen und Schüler steigen dabei in komplexe Themen ein. Hilfreich für ein pädagogisches Konzept über Antisemitismus können dann die multimedialen Materialien des Projekts "KiBA – Kindgerechte Bildung gegen Antisemitismus" sein.

"Antisemitismus und kritische Bildungsarbeit mit Kindern im Grundschulalter findet wenig Beachtung. Sicherlich trägt auch die Vorstellung dazu bei, dass Antisemitismus keinen Bezug zur Lebensrealität von Kindern hat", sagt Geschichtsdidaktikerin Caterina Zwilling aus dem Projektteam. Kinder beobachten aber ihre Umwelt genau und übernehmen dadurch eben auch Vorurteilsstrukturen von Erwachsenen. Das Projektziel ist daher eine antisemitismuskritische Bildungsarbeit für Grundschulkinder im Alter von 8 bis 10 Jahren, die die Funktionsmechanismen hinter Antisemitismus in einfacher Form verständlich macht.

Bildungsmodule – vom Animationsfilm bis zum Hörspiel

Mit fünf Bildungsmodulen für Kinder erhalten pädagogische Fachkräfte sowie Multiplikatorinnen und Multiplikatoren ausgearbeitete Unterrichtskonzepte, die einen Ablaufplan, Arbeits­blätter und Materialien zum Download enthalten. Das erste Modul über Vorurteile und Diskrimi­nierung ist bereits verfügbar, hinzu kommen noch Module über die Vielfalt jüdischen Lebens, die Judenfeindschaft im Mittelalter, über Antisemitismus heute sowie den Nahostkonflikt. "Das sind erzählende Formate, die sollen Spaß machen, sind aber ebenso gut geeignet für Empathie und einen Perspektivenwechsel", sagt Zwilling. Das Projektteam arbeitet mit Schulkindern zusammen, um die Produkte noch im Entstehungsprozess zu besprechen. Was gefällt den Kindern? Was ist für sie spannend? Oder auch: Wie könnten die Figuren in den einzelnen Formaten heißen?

Figur in einem Hand-Puppenfilm
Der 10-minütige Puppenfilm "Der Schubladen­meister“ greift das Thema Schubladen­denken und Vorurteile auf. © Bildung in Widerspruch e. V.

Das Projektteam hat grundlegend darauf geachtet, so wenig wie möglich mit der Reproduktion von Vorurteilen zu arbeiten und an fiktiven Beispielen die Funktion von Vorurteilen erklärt. "Wir versuchen das den Kindern am Beispiel der Selbstaufwertung deutlich zu machen", führt Zwilling aus. "In dem ich mich über andere stelle, andere Menschen heruntermache, fühle ich mich groß und stark." Es gibt bereits einen Puppenfilm über Vorurteile und Diskrimi­nierung, der einen Einstieg ins Thema ermöglicht, wobei Antisemitismus noch nicht als Schwerpunkt aufgegriffen wird. Der Film zeigt als Lernimpuls beispielsweise solidarische Handlungsoptionen für Kinder, um sich in diskriminierenden Situationen nicht macht- und hilflos zu fühlen.

Über die Bagatellisierung von Worten

Weiter geplant sind auch ein Hörspiel, ein digitales Kinderbuch sowie ein kurzer Animationsfilm. Das Angebot wird im Laufe der Projektzeit durch Hintergrundinformationen und Fortbildungen für Lehrkräfte ergänzt. Auch wenn Zeitkapazitäten und Ressourcen hier eine wichtige Rolle einnehmen, so sollen Lehrkräfte die Möglichkeit haben, eigene Verhaltensweisen zu reflektieren. "Allein, ob schon der antisemitische Gehalt von einer Aussage wahrgenommen oder als bloßer Streit abgetan wird, hängt davon ab, inwieweit Lehrkräfte sensibilisiert sind", so Zwilling. Häufig komme es vor, dass antisemitische Vorfälle an Grundschulen improvisiert bearbeitet werden, da es keine verbindlichen Verfahren, keine Zuständigkeiten oder Leitlinien gäbe. Dazu kommt häufig eine Bagatellisierung: "Gerade aufgrund des Alters heißt es dann, Kinder wissen nicht was sie sagen, meinen es nicht so. Das mag ja mitunter zutreffen, aber wenn antisemitische Äußerungen unwidersprochen bleiben, führt das zu einer Normalisierung."

Diskriminierungserfahrung von Kindern

In der Grundschule Themen wie Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung pädagogisch aufzuarbeiten, birgt immer Herausforderungen wie zum Beispiel eine Manifestation von Vorurteilen und Antisemitismus. Und auch wenn die Arbeit mit den einzelnen Bildungsmodulen sofort starten kann, betont Projektmitarbeiterin Catarina Zwilling, wie wichtig es ist, dass sich Lehrkräfte mit Diskriminierung allgemein und ganz spezifisch mit Antisemitismus auch auf einer professionellen Ebene auseinandersetzen. Entscheidend für die vertrauensvolle Atmosphäre ist es zudem, auf Kinder im Raum zu achten, die von Diskriminierung betroffen sind. "Es gibt Kinder mit ganz realen Diskriminierungserfahrungen, da kann eine zweite pädagogische Fachkraft im Raum sinnvoll sein, auch um vielleicht die Möglichkeit zu geben, den Raum zu verlassen", rät Zwilling. "Und dann sollte man bei solchen Themen immer darauf vorbereitet sein, dass es diskriminierende Äußerungen geben kann, oder dass Ausdrücke benutzt werden, die einfach problematisch sind. Da muss man sich vorher überlegen, wie man damit umgeht und reagiert."

Das umfangreiche Fortbildungsprogramm und ein Blended-Learning-Format starten zwar erst nach der Veröffentlichung aller fünf Bildungsmodule, aber kleinere Fortbildungen zu einzelnen Modulen gibt es bereits. Das Projektteam konzentriert sich nun auf die Konzeption des Hörspiels zu jüdischem Leben, danach wird der Themenbereich zu den Hintergrundinformationen für Lehrkräfte veröffentlicht. "Es reicht nicht, nur gute Materialien zu haben, sondern im konkreten Unterrichtsgeschehen ist es wichtig, situativpädagogisch sinnvoll zu reagieren können, und dazu braucht es eben auch die Selbstreflexion hinsichtlich eigener Bezüge zum Thema und inhaltlichen Kenntnissen." Hierbei können dann die Angebote von "KiBA – Kindgerechte Bildung gegen Antisemitismus" unterstützen.

Bildung in Widerspruch

Der Bildung in Widerspruch e. V. setzt sich seit 2016 mit Antisemitismus, Rassismus und weiteren Phänomenen Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit auseinander. Dabei werden im Projekt "KiBA – Kindgerechte Bildung gegen Antisemitismus" Ansätze für die Bildungsarbeit mit Kindern im Alter von 8 bis 10 Jahren entwickelt. 

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Veröffentlicht im April 2026

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