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Islam- und Muslimfeindlichkeit im Jugendalter

Handlungsempfehlungen für die Präventionsarbeit gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen erschienen


14. Mai 2020

Islam- und muslimfeindliche Einstellungen sind ein weitverbreitetes gesellschaftliches Phänomen und lassen sich – nach neueren Erhebungen – auch unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen finden. Um der homogenisierenden Darstellung und Abwertung von Menschen muslimischen Glaubens entgegenzuwirken, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein Präventionskonzept erstellt, das pädagogischen Fachkräften in Schulen und außerschulischer Jugendarbeit in ihrer präventiv-pädagogischen Arbeit unterstützen soll. Eine Vielzahl der vorgeschlagenen Methoden und Lehrmaterialien sind in den letzten Jahren von Projektträgern des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ entwickelt worden und werden nun erstmals in einem Präventionsansatz zusammengeführt.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen und dem Institut für interdisziplinäre Konfliktforschung (IKG) an der Universität Bielefeld haben sich im Rahmen des von der Mercator-Stiftung geförderten Projekts „Islamfeindlichkeit im Jugendalter“ (2017-2020) sich zum Ziel gesetzt, das Phänomen der Islamfeindlichkeit unter Jugendlichen systematisch zu erfassen. Welche (sozialen) Bedingungen fördern die Entstehung und Verbreitung von Islamfeindlichkeit unter Jugendlichen? Welche Schlussfolgerung für die pädagogische Praxis können gewonnen werden? Die Befragung von Schülerinnen und Schülern aus Nordrhein-Westfalen zeigt, dass Wissen über den Islam als Glaubenslehre nicht zu weniger islamfeindlichen Einstellungen führt. Vielmehr verringern soziale Kontakte mit Musliminnen und Muslimen (Freunde, Nachbarn) und die dadurch gewonnen Einblicke in die Lebensrealität von in Deutschland lebenden Menschen muslimischen Glaubens die Zustimmungsraten zu islamfeindlichen Aussagen.

Aufbauend auf den Studienergebnissen entstand ein „Präventionszirkel gegen antimuslimischen Rassismus und Islamfeindlichkeit“ als konzeptionelles Angebot für die Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Dieser ist insbesondere auf die schulische und außerschulische Jugendarbeit ausgerichtet und schlägt eine intensive Beschäftigung mit Ungleichheitsideologien und Herrschaftsverhältnissen, mit dem Islam und muslimischem Leben, mit der Repräsentation des Islams sowie mit Prozessen vor, in denen Menschen muslimischen Glaubens zu Anderen und Fremden gemacht werden.

Der Präventionszirkel baut auf bestehenden Ansätzen der rassismuskritischen Bildungsarbeit auf und macht Vorschläge, wie das Thema mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen bearbeitet werden könnte. Detaillierte Beschreibungen der einzelnen Module, des Standes der wissenschaftlichen Forschung, der zugrundeliegenden pädagogischen Idee sowie eine Sammlung ausgewählter Materialien unterschiedlicher Institutionen finden sich außerdem in einem ergänzenden Transferkonzept. Eine Vielzahl der angeführten Methoden und Lernmaterialien sind in den letzten Jahren von Projektträgern des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ entwickelt worden.

Einen umfangreichen Überblick über Bildungsmaterialien, die im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ entstanden sind, bietet auch die Vielfalt-Mediathek.