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Wie Hass im Netz die freie Meinungsäußerung beeinträchtigt

Welche Erfahrungen haben Bürgerinnen und Bürger mit Hate Speech und wie sind ihre Einstellungen zu Hassrede im Internet? Um das zu erfassen, wurde im Auftrag von Campact e. V. im April und Mai 2019 die bisher größte deutsche repräsentative Online-Befragung mit 7.349 Teilnehmenden im Alter zwischen 18 und 95 Jahren realisiert.

Durchgeführt wurde die Studie vom Meinungsforschungsinstitut YouGov und ausgewertet vom Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ).

Unter Hate Speech verstehen die Studienautoren „aggressive oder allgemein abwertende Aussagen gegenüber Personen, die bestimmten Gruppen zugeordnet werden“, also vor allem eine „vorurteilsgeleitete, abwertende Sprache“.

Hassrede - Folgen für Debattenkultur und Demokratie

Hassrede beeinträchtigt freie Meinungsäußerung im Netz. Das ist eines der zentralen Ergebnisse dieser Online-Befragung, die unter dem Namen „Hass im Netz: Der schleichende Angriff auf unsere Demokratie“ veröffentlicht wurde.

Etwa die Hälfte der Internetnutzerinnen und -nutzer gibt an, sich in Reaktion auf Hassrede im Internet seltener zu ihrer politischen Meinung zu bekennen (54 %) und sich seltener an Diskussionen im Netz zu beteiligen (47 %).

„Das bedeutet, dass Menschen durch Hassbotschaften systematisch aus Onlinediskussionen vertrieben werden und sich vertreiben lassen, auch wenn sie (noch) nicht persönlich durch Hate Speech angegriffen wurden, sondern diese nur beobachtet haben. Darunter leiden die betroffenen Personen, der Meinungspluralismus im Netz und somit letztlich die demokratische (Diskurs-)Kultur,“ heißt es in dem Forschungsbericht. Hasskommentare führten so zu einer verzerrten Wahrnehmung der Realität: „Wenn die Haterinnen und Hater in Kommentarspalten dominieren, entsteht der Anschein, sie seien auch gesellschaftlich in der Mehrheit."

Die Befürchtung, dass Hasskommentare sich auch außerhalb des Internets auswirken können, findet sich auch in den Ergebnissen der Befragung wieder. 72 Prozent seien besorgt, dass durch Aggressionen im Internet die Gewalt im Alltag zunehme.

Aus der Sicht der Befragten unternehmen deutsche Institutionen nicht genug gegen den Hass im Netz. Die Forderung „Der Staat sollte die bestehenden Gesetze gegen Beleidigungen, Hassrede und Verleumdung auch im Internet konsequent durchsetzen“ findet eine Zustimmung von 75 %.