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Glossar

Soziale Arbeit

Begriffliche Einordnung

Auf der Grundlage der Armenfürsorge des Mittelalters und der Neuzeit sowie der Erweiterung pädagogischer Traditionen um soziale Belange wird der Beginn professioneller beruflicher Sozialer Arbeit in der Regel auf das späte 19. Jahrhundert datiert.

Soziale Arbeit war Teil der Bemühungen, eine Antwort auf die soziale Frage zu finden, also den sozialen Auswirkungen der Industrialisierung in einer sich verändernden Gesellschaft zu begegnen. Erste Ausbildungsstätten wurden um die Jahrhundertwende vom 19. auf das 20. Jahrhundert gegründet.

Soziale Arbeit fungiert heute als Oberbegriff für die historischen Traditionslinien der Sozialarbeit, der Sozialpädagogik, des Sozialwesens und der Fürsorgewissenschaft. Häufig wird darunter aber neben den professionellen Tätigkeiten auch ehrenamtliches Engagement im sozialen Bereich zusammengefasst.

Seit Beginn der 1970er Jahre wird Soziale Arbeit als Profession an Fachhochschulen gelehrt und ist damit vollständig akademisiert. Soziale Arbeit wird in der Regel im Rahmen von freien und öffentlichen Trägern organisiert.

Ein Beispiel für die Arbeit bei einem öffentlichen Träger wäre die Arbeit im Jugendamt einer Kommune. Anerkannte freie Träger, die durch das Subsidiaritätsprinzip viele gesetzlich vorgeschriebene Aufgaben des gesamten sozialen Bereichs übernehmen sind der Caritasverband, das Diakonische Werk, der Paritätische Wohlfahrtsverband, die Arbeiterwohlfahrt, das Deutsche Rote Kreuz und die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland.

Soziale Arbeit und Rechtsextremismus

In Bezug auf Rechtsextremismus kann zum einen das Verhältnis Sozialer Arbeit als Profession (bzw. ihrer Mitarbeitenden und Organisationen) zum Rechtsextremismus betrachtet werden, zum anderen der Umgang Sozialer Arbeit mit rechtsextremen Klient/-innen.

Das Verhältnis Sozialer Arbeit zum Rechtsextremismus wurde zunächst vor dem Hintergrund der erst Ende der 1980er Jahre erfolgten Auseinandersetzung mit dem Erbe der sogenannten "Volkspflege" im Nationalsozialismus diskutiert, die aktiv an den Verbrechen im Dritten Reich beteiligt war.

Gegenwärtig wird im begrenzten Umfang diskutiert, ob nationalistische Ideologiefragmente und rechtsextreme Organisationen in der Jugendarbeit an Einfluss gewinnen und sich damit so etwas wie eine "Soziale Arbeit von rechts" etabliert. Dies stünde im eklatanten Widerspruch zu den kollektiv geteilten Werten der Sozialen Arbeit, die sich an Menschenrechten und sozialer Gerechtigkeit orientieren.

Der Umgang mit rechtsextremen Orientierungen von Klient/-innen der Sozialen Arbeit wird bislang hauptsächlich in Bezug auf 'herkunftsdeutsche' Jugendliche behandelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren dabei zunächst verschiedene Formen der Bildungsarbeit das zentrale Instrument der Sozialen Arbeit.

Zu Beginn der 1990er Jahre wurden dann intensiv Ansätze der akzeptierenden Jugendarbeit mit rechtsextremen sowie rechtsextrem orientierten Jugendlichen diskutiert, die sich u.a. aufgrund der Förderung durch ein Aktionsprogramm der Bundesregierung (Aktionsprogramm gegen Aggression und Gewalt, AgAG) stark verbreiteten.

Seit dem letzten Jahrzehnt liegt der Schwerpunkt Sozialer Arbeit dagegen wieder eher auf Projekten, die versuchen, präventiv zivilgesellschaftliche Akteure und demokratische Strukturen zu stärken.

Literatur:
Borrmann, Stefan (2006): Soziale Arbeit mit rechten Jugendcliquen. Grundlagen der Konzeptentwicklung, 2. Auflage, Wiesbaden
Kreft, Dieter u. Mielenz, Ingrid (2013): Wörterbuch der Sozialen Arbeit, 7. Auflage, Weinheim und München
Otto, H.-U./Sünker, H. (Hg.) (1989): Soziale Arbeit und Faschismus, Frankfurt a.M.

Verfasst von Stefan Borrmann für das Glossar von BIKnetz - Präventionsnetz gegen Rechtsextremismus [Stand August 2013].