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Glossar

Skinheadszene

Skinhead bezeichnet dem Namen nach jemanden, dessen Haut (englisch: skin) dank sehr kurz geschnittener Haare darunter sichtbar ist. Solche Frisuren sind eins der Erkennungsmerkmale der Skinheadszene, einer jugendkulturellen Bewegung, die ursprünglich in Großbritannien entstand.

In Deutschland werden Skinheads meist pauschal mit Neonazis und anderen gewaltbereiten rechtsextremen Gruppierungen gleichgesetzt, dies trägt aber weder den Ursprüngen der Szene, noch ihrer Vielgestaltigkeit Rechnung. Die Skinheadszene manifestierte sich erstmals im Londoner Arbeiterviertel Eastend. Jugendliche aus der Arbeiterklasse zelebrierten ihre Herkunft aus einfachen Verhältnissen und erhoben diese gegen die etablierte Mittelschicht und als reaktionär empfundene (Spieß)Bürgerlichkeit zum Kult.

Optisch wurde zunächst gepflegte elegante Kleidung bevorzugt, in Abgrenzung von anderen Subkulturen, insbesondere den Hippies und sogenannten Mods, etablierten sich nach und nach jedoch die heute bekannten Outfits mit als typisch empfundenen Arbeiterkleidungsattributen (Dr. Martens-Schuhe oder Boots, Bomber- oder Donkeyjacken etc.).

Klassisches Feindbild der Skinheadszene ist die bürgerliche Gesellschaft, die mit gewalttätigem Verhalten, Trinkgelagen, Grölmusik, Tattoos und militantem Auftreten provoziert werden soll. Gewalt ist ein prägendes Element der Skinheadszene, Schlägereien mit anderen Gruppen, aber auch Angriffe auf Einzelpersonen gehören seit jeher zum üblichen Aktionsrepertoire. In den 1960er Jahren war in der englischen Skinheadszene beispielweise das sogenannte "Paki-Bashing" (das systematische Zusammenschlagen von pakistanischen Einwanderern) populär, ebenso gab es regelmäßige Schlägereien mit Hippies oder auch anderen Skinheadgruppen.

Gerade auch über Fankrawalle am Rande von Fußballspielen oder im Stadion wurde und wird bis heute Gewalt ausgelebt.Früh bildeten sich verschiedene Skinheadszenen mit unterschiedlichen Zielen, und Erscheinungsformen heraus. Oi!-Skins, benannt nach dem in den 1980er Jahren populären Punkrock-Musikstil, verschreiben sich dem "echten" Lebensgefühl der Arbeiterklasse und setzten stärker auf "proletarische" Ausdrucksformen. Heute wird der Begriff auch gerne von Skinheadgruppen verwendet, die sich bewusst unpolitisch geben.

Daneben entwickelten sich linke Skinheadgruppen, wie RASH und Redskins, und rechtsextreme Gruppen, wie die Hammerskins und Blood & Honour .In Deutschland prägen rechtsextreme Skinheadgruppen bis heute die Wahrnehmung der ganzen Skinheadszene, obwohl es auch hier unterschiedliche, politische wie unpolitische Gruppen gibt. Das gewalttätige Gebaren und der Männlichkeitskult waren ebenso wie das militante Auftreten der Skinheads klassische Anknüpfungspunkte für die rechtsextreme Szene und medial setzte sich schnell das Bild vom Glatzkopf in Springerstiefeln als Sinnbild des Skinheads durch.

Verfasst von Holger Kulick im Auftrag der Amadeu Antonio Stiftung für das Glossar der Bundeszentrale für politische Bildung im Dossier Rechtsextremismus 2010.
Überarbeitet, ergänzt und aktualisiert von Holger Kulick für das Glossar von BIKnetz - Präventionsnetz gegen Rechtsextremismus [Stand Januar 2013]