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Glossar

Resilienz

In der Pädagogik begegnen wir immer wieder Kindern und Jugendlichen, die sich trotz aller belastenden Lebensumstände erstaunlich positiv und kompetent entwickeln. Was macht diese jungen Menschen derart "robust" und "widerstandsfähig", dass sie Lebensbelastungen wie Armut, Gewalterfahrungen, ideologische Verführungen erfolgreich meistern können? Und wie können wir sie darin unterstützen, solche Bewältigungskompetenzen zu entwickeln? Antworten auf diese Fragen gibt die Resilienzforschung.

Definition Resilienz (engl.: "resilience") bezeichnet nach einer anerkannten wissenschaftlichen Definition "die psychische Widerstandsfähigkeit gegenüber biologischen, psychologischen und psychosozialen Entwicklungsrisiken" (Wustmann 2005, S. 192). Anders formuliert: Unter Resilienz versteht man allgemein die Fähigkeit, erfolgreich mit belastenden Lebensumständen (z. B. Misserfolgen, Beziehungsbrüchen, traumatischen Erfahrungen u. a. m.) umzugehen. Resilienz umfasst so die Fähigkeit (1) Entwicklungsaufgaben und akute Belastungen zu bewältigen, (2) anhaltende belastende Lebensumstände ohne erkennbare Beeinträchtigungen zu überstehen sowie (3) die negativen Folgen früherer Belastungen und traumatischer Erlebnisse gelingend zu verarbeiten.

Resilienz ist dabei kein festes und zeitstabiles Persönlichkeitsmerkmal, sondern eine dynamische Anpassungsfähigkeit (die Balance zwischen Umweltanforderungen und subjektiven Bewältigungsressourcen), die in lebensgeschichtlichen Lernprozessen erworben wird und angesichts der Herausforderungen der Biografie immer wieder neu hergestellt werden muss. Personale und soziale Ressourcen Das Forschungskonzept Resilienz richtet seinen Blick auf die Ressourcen der Krisenbewältigung ("Schutzfaktoren"; "protektive Faktoren"). Was aber sind diese Ressourcen? Wie können wir sie konkret benennen? Die Forschung unterscheidet "personale (persönlichkeitsgebundene) Ressourcen" und "soziale (umweltgebundene) Ressourcen" (zur ausführlichen Darstellung und Diskussion siehe Wustmann 2005). Zu den personalen Ressourcen zählen dabei:

- sicheres Bindungsverhalten (Explorationslust; offener Kontakt; soziale Zugewandtheit),

- hohe Sozialkompetenz: Empathie; Kontakt-, Kooperations- und Konfliktfähigkeit; Verantwortungsübernahme; Talente),

- optimistische und zuversichtliche Lebenseinstellung ("Urvertrauen in die Welt"),

- Fähigkeit zur emotionalen Selbstregulation,positives Selbstkonzept; hohes Selbstwertgefühl,

- Vertrauen in die eigene Gestaltungskraft undaktives und flexibles Bewältigungshandeln (z. B. die Fähigkeit, soziale Unterstützung zu mobilisieren).

Zu den sozialen Ressourcen in Familie und Freundschaftsgruppe gehören:- sichere emotionale Familienbindungen; mindestens eine stabile Bezugsperson, die dem Kind dauerhaft liebend zugewandt ist und (Selbst-)Vertrauen und Autonomie fördert, - ein emotional unterstützendes Erziehungsverhalten, zugleich eine die Umwelt strukturierende und Grenzen setzende Erziehung, - Zusammenhalt (Kohäsion), Stabilität, Verlässlichkeit und konstruktive Kommunikation in der Familie; ein demokratischer Umgang der Eltern mit dem Kind und die Achtung seiner subjektiven Situationsdeutungen, Absichten und Interessen, - enge Geschwisterbindungen und ein unterstützendes verwandtschaftliches Netzwerk sowie - die positiv erfahrene Einbindung in die Gleichaltrigengruppe; soziale Anerkennung und wechselseitige Vertrautheit in "face-to-face"-Beziehungen mit Freunden.

Präventionsangebote Präventive Projekte, die die pädagogische Förderung von Resilienz zum Ziel haben, setzen auf drei Ebenen an:

(1) Resilienzförderung auf der individuellen Ebene: Trainingsprogramme (z. B. das Curriculum "Faustlos") vermitteln sozial verträgliche Problemlösefertigkeiten, sie stärken Selbstwertgefühl und die Erfahrung der Selbstwirksamkeit;
(2) Resilienzförderung auf der Beziehungsebene: Elterntrainings (z. B. der Elternkurs "Starke Eltern - Starke Kinder") fördern eine hohe binnenfamiliäre Kommunikations-, Erziehungs- und Konfliktlösungsqualität und stärken so sichernde emotionale Bindungen;
(3) Resilienzförderung auf der sozialräumlichen (Stadtteil-)Ebene: die Stärkung und die Ausgestaltung der kindbezogenen lokalen Infrastruktur, die Förderung anregungsreicher kindlicher Erfahrungswelten und das Anstiften von generationenübergreifende Gemeinschaften (z. B. das Projekt "Stadtteil-(Groß)-Mütter") fördern die sozialräumliche Einbindung und "Beheimatung" junger Menschen. Obwohl es weiterer empirischer Forschung bedarf, geht die Wissenschaft davon aus, dass diese hier skizzierten Programme eine generalpräventive Wirkung haben, d. h. sie sind "Gegenrezepte" gegen vielfältige und verschiedenartige Risiken und Gefährdungen, so u. a. auch gegen die Verführungen demokratiefeindlicher Ideologien, wie Rechtsextremismus .

Literatur: Fröhlich-Gildhoff, K:/Rönnau-Böse, M. (2011): Resilienz. 2. Auflage, München: E. Reinhardt-Verlag; Herriger, N. (2010): Empowerment in der Sozialen Arbeit. Eine Einführung. 4. Auflage, Stuttgart: Kohlhammer; Wustmann, C. (2005): Die Blickrichtung der neueren Resilienzforschung. In: Zeitschrift für Pädagogik, Heft 2/2005, S 192-206. Verfasst von Prof. Dr. Norbert Herriger, Professor für Soziologie, Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften, Fachhochschule Düsseldorf für das Glossar von BIKnetz - Präventionsnetz gegen Rechtsextremismus [Stand Mai 2013].