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Glossar

Rechtsrock

Unter Rechtsrock versteht man Rockmusik mit gewaltverherrlichenden, sexistischen , rassistischen, antisemitischen und nationalistischen Texten, die meist von rechten Skinhead -Bands gespielt wird.

Das Spektrum reicht von Drei-Akkorde-Oi!-Musik bis Hatecore, einer rechten Spielart des Hardcore. Bekannte Bands sind Kraft durch Froide, Kraftschlag, Radikahl, Kroizfoier, Störkraft und Landser. Letztere produzierten und vertrieben ihre CDs illegal, um explizit rechtsextreme Inhalte verbreiten zu können. So handelte ein Text davon, das Trinkwasser im multikulturellen Berlin-Kreuzberg mit 100.000 Litern Strychnin zu vergiften, ein anderer propagiert, "im feldgrauen Ehrenkleide" in Polen einzumarschieren, um Deutschlands Osten heimzuholen. Im November 2001 konnte "Landser" nach über zehnjähriger konspirativer Produktionstätigkeit identifiziert und strafrechtlich verfolgt werden, was zu einer mehrjährigen Haftstrafe für den Sänger, Spitzname "Lunikoff", führte. Dieser gründete nach Auflösung von Landser die bis heute aktive Nachfolgeband Lunikoff Verschwörung.

Rechtsrock gilt als klassische "Einstiegsdroge", mit der die rechtsextreme Szene auch gezielt versucht, Jugendliche anzulocken. So verteilt die NPD kostenlose Musik-CDs an Schulen. Die rechtsextreme Musik auf den sogenannten Schulhof-CDs soll Jugendliche neugierig und empfänglich für weitergehende Kontaktversuche aus dem rechten Spektrum machen. Rechtsrock ist dafür gut geeignet, weil Musik und Erscheinungsform geschickt den anarchisch-proletarischen Kult vom Saufen und Raufen, von Party und Pogo, Randale und Rebellion mit rechtsextremen Inhalten vermischen. Gerade Jugendliche werden auch oft dadurch tiefer in die Szene gezogen, dass Rechtsrock-Konzerte meist heimlich organisiert stattfinden, zugänglich nur für den kleinen Kreis der Eingeweihten, um sie vor einer Auflösung durch die Polizei zu schützen. Der Reiz des Verbotenen spielt hierfür eine große Rolle.

Ideologiefeste rechtsextreme Kader verachten Rechtsrock und Skinhead-Musik einerseits oftmals als "undeutsche", disziplinlose "Sauf- und Grölkultur", schätzen Rechtsrock aber auch als besonders gut geeignetes Mittel zur Anlockung und Vernetzung von Jugendlichen.

Verfasst von Holger Kulick im Auftrag der Amadeu Antonio Stiftung für das Glossar der Bundeszentrale für politische Bildung im Dossier Rechtsextremismus 2010. Überarbeitet, ergänzt und aktualisiert von Holger Kulick für das Glossar von BIKnetz - Präventionsnetz gegen Rechtsextremismus [Stand Januar 2013]