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Glossar

Rechtsextremistische Einstellungen

Rechtsextremistische Einstellungen sind politische Einstellungen, die sich gegen die Ordnung des demokratischen Verfassungsstaates stellen und gesellschaftliche Vielfalt fundamental ablehnen. Sie basieren auf Intoleranz und Vorurteilen (z. B. gegenüber Ausländern und Minderheiten), fördern autoritäres Verhalten, und verherrlichen Macht und Gewalt.

Rechtsextremistische Einstellungen bilden zumeist die Argumentationsgrundlage und Motivationsbasis für rechtsextremistische Handlungen (Gewalt gegen Ausländer, Schändung jüdischer Friedhöfe). Rechtsextremistischen Einstellungen liegt ein rechtsextremistisches Weltbild zugrunde, das u. a. von nationalistischen und nationalsozialistischen Ideologien und chauvinistischen Einstellungen geprägt ist, und von einer Ungleichwertigkeit verschiedener gesellschaftlicher Gruppen ausgeht. Rechtsextremistische Ideologien führen häufig alle aktuellen politischen, ökonomischen und sozialen Probleme auf eine einzige Ursache zurück und setzen diesen ein autoritäres, menschenverachtendes Weltbild gegenüber, dessen Fundament meist ein aggressiver, expansionistischer Staat ist.

Die Muster rechtsextremistischer Einstellungen sind mehrdimensional: sie sind z. B. von der Angst vor Fremden und von Vorurteilen gegenüber anderen gesellschaftlichen Gruppen (z. B. Juden, Muslimen, Behinderten; siehe Antisemitismus ; Islamophobie ; Diskriminierung ) geprägt. Zugleich werden chauvinistische Meinungen vertreten, wie z. B., dass man die Interessen Deutschlands gegenüber denen anderer Länder stärker durchsetzen muss. Es wird ein Sozialdarwinismus unterstützt, der das Recht des Stärkeren fordert, wobei hier die eigene Gruppe (z. B. die Deutschen) gegenüber anderen Völkern in ihrer Entwicklung von Natur aus (physisch und geistig) als überlegen angesehen wird. Schließlich wird zwischen wertvollem und unwertem Leben (Behinderte) unterschieden. Politisch wird meist eine diktatorische Regierungsform mit einem starken Führer befürwortet oder gefordert. Klassisch ist zudem die positive Bewertung des Nationalsozialismus als Gesellschaftsmodell und, damit verbundenen, die Verharmlosung, Leugnung oder Rechtfertigung von Fakten und Aspekten des Dritten Reiches (= Geschichtsrevisionismus ).

Literatur: Decker, Oliver/Brähler, Elmar: Vom Rand zur Mitte. Rechtsextreme Einstellungen und ihre Einflussfaktoren in Deutschland, Berlin 2006. Heitmeyer, Wilhelm: Rechtsextreme Orientierungen bei Jugendlichen. Empirische Ergebnisse und Erklärungsmuster einer Untersuchung zur politischen Sozialisation, Weinheim 1987. Schubert, Klaus/Martina Klein: Das Politiklexikon, 4., aktual. Aufl., Bonn 2006. Stöss, Richard: Rechtsextremismus im Wandel, Berlin 2005. Download unter: library.fes.de/pdf-files/ostdeutschland/02930.pdf. Zick, Andreas/Hövermann, Andreas: Einstellungen zum Rechtsextremismus - von aktiver Akzeptanz und passiver Ignoranz, in: Grau, A.; Heitmeyer, Wilhelm (Hrsg.), Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit im sozialen Raum, Wiesbaden 2012. Verfasst von Romy Wöhlert für das Glossar der Bundesprogrammseite von kompetent. für Demokratie. Durchgesehen von Romy Wöhlert für das Glossar von BIKnetz - Präventionsnetz gegen Rechtsextremismus [Stand Januar 2013].