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Glossar

Rassismus

Der Begriff Rassismus beschreibt ein gesellschaftliches Verhältnis, in dem kategorisiert wird, welche Personengruppen nicht zur Gruppe der Eigenen („Eigengruppe“) gehören und damit nur eingeschränkten Zugang zu Ressourcen erhalten.

Die Konstruktion einer Gruppe wie beispielsweise der deutschen Nation geschieht entlang spezifischer Merkmale wie Abstammung, Sprache, Kultur, Religion und Hautfarbe. Sie hat den Effekt, dass Personen an Hand dieser Merkmale als Teil der "Eigengruppe" eingeschlossen und andere Personen als "Fremdgruppe" ausgeschlossen werden. Letztere werden in ihren Handlungsmöglichkeiten eingeschränkt und diskriminiert. Soziale Praxis, die als nicht-deutsch definiert wird, wird anderen Kulturen zugewiesen. Im Laufe der Zeit haben sich die Grenzziehungen zwischen "uns" und "den Anderen" bzw. "dem Fremden" verschoben, aktualisiert oder blieben weiterhin bestehen. Auch die Formen und Orte der Rassialisierung haben sich teilweise von bisherigen unterschieden, sind gleich geblieben, wurden institutionalisiert, zeigen sich subtiler oder auch offener.

Zur Markierung als Andere werden äußere Erkennungsmerkmale mit kulturellen Bedeutungen und sozialen Verhaltensweisen verknüpft. So werden aus Personen Gruppen und aus sozialer Praxis Kulturen konstruiert, die in sich homogen seien („alle gleich“), d. h. Personen und Praxis glichen sich in wesentlichen Aspekten, so dass es gerechtfertigt erscheint, von einer Gruppe und/oder einer Kultur zu sprechen, die essentialistisch seien („weil ihre Natur/Religion/Kultur so ist“), d. h. die Natur von Menschen(gruppen) ziehe bestimmte kulturelle Eigenschaften und Verhaltensweisen nach sich und die Kultur dieser Gruppen sei in sich geschlossen und weitgehend statisch und funktioniere damit wie eine Natur und die dichotom der eigenen Gruppe bzw. Kultur gegenüberstehe ("wir und die Anderen", "das Eigene und das Fremde"), d. h. Gruppen und Kulturen unterschieden sich grundsätzlich von der eigenen (konstruierten) Gruppe bzw. Kultur.

Zur rassistischen Markierung und Diskriminierung wird dieser Konstruktionsprozess erst, wenn er aus einer Position der Macht heraus geschieht und den Effekt hat, das Machtverhältnis zu stabilisieren.Die rassistische Konstruktion dient der Konstruktion der Eigengruppe sowie der Rechtfertigung von Privilegien. Die Markierung als Andere ist also ein Mittel, um die eigene (nationale, kulturelle, religiöse, biologische, soziale, gesellschaftliche) Dominanz zu legitimieren. Dies ist notwendig, wenn dem eigenen (aufgeklärten, universalistischen) Anspruch zufolge gerecht gehandelt werde und keine Unterschiede auf Grund der genannten Merkmale gemacht würden. Um die faktischen Privilegien ökonomischer, politischer, kultureller, sozialer Art zu legitimieren, werden sie als Privilegien unsichtbar gemacht und der individuellen, kulturellen, politischen, religiösen oder nationalen eigenen Leistung zugeschrieben. Denjenigen, die von den Privilegien ausgeschlossen werden oder als nicht (vollständig) dazugehörig marginalisiert werden bzw. auf deren Kosten die eigene Privilegierung geht, wird dagegen die Verantwortung für ihre Situation mit Hinweis auf ihre Natur, Religion oder Kultur zugeschrieben.

Rassismusforschung fokussiert entsprechend die Interrelation zwischen dem, was als eigen und dem, was als fremd konstruiert wird. Antirassistische Praxis zielt auf das Aufweichen der Grenzen zwischen den Gruppen und Kulturen, setzt sich für die gleichberechtigte Partizipation aller Personen ein und stärkt ausgeschlossene und marginalisierte Positionen und Praxen.

Literatur: Attia, Iman: "Institutionelle Diskriminierung und struktureller Rassismus in modernen Gesellschaften". In: Opferperspektive e. V. (Hg.): Rassistische Diskriminierung und rechte Gewalt, Münster 2013, S. 139-152; Rommelspacher, Birgit: "Was ist eigentlich Rassismus?". In: Melter, Claus/Mecheril, Paul (Hg.): Rassismuskritik. Band 1: Rassismustheorien und -forschung, Schwalbach/Ts. 2009, S. 25-38, Terkessidis, Mark: Die Banalität des Rassismus, Bielefeld 2004. Verfasst von Prof. Dr. Iman Attia , Professorin für Diversity Studies/Rassismus und Migration, Alice Salomon Hochschule Berlin, für das Glossar von BIKnetz - Präventionsnetz gegen Rechtsextremismus [Stand Dezember 2013].