Zum Inhalt springen Zum Hauptmenü springen Zum Servicemenü springen

Glossar

Neue Rechte

Der Begriff Neue Rechte ist eine Sammelbezeichnung, die je nach Land und je nach wissenschaftlicher Disziplin für unterschiedliche politische Strömungen verwendet wird. Zudem kursiert er immer wieder auch als Selbstbezeichnung für bestimmte politische Gruppen.

In Deutschland wird darunter erstens eine Strömung des Rechtsextremismus verstanden, die sich in den 1960er Jahren herausbildete und dem rechtsextremen Denken ein neues Erscheinungsbild jenseits des "Ewig-Gestrigen", also des Festhaltens an der NS-Ideologie, geben wollte. Stattdessen setzte sie auf gesellschaftlich anschlussfähigere Parolen. Vertreter dieser Neuen Rechten verpacken ihre politischen Inhalte subtiler und damit konsensfähiger als die Alte Rechte, so wird etwa die Parole "Ausländer raus!" zu "Alle Menschen sollen in den Ländern leben, in denen sie per Abstammung und Tradition zu Hause sind."

Diese Strömung des Rechtextremismus wird heute oft als Rechtspopulismus bezeichnet. Eine zweite, in Deutschland übliche Definition der Neuen Rechten bezeichnet sie als intellektuelle Strömung, die - je nach Interpretation - entweder zwar noch nicht selbst dem rechtsextremen Lager zuzuschlagen ist, der extremen Rechten aber die entsprechenden intellektuellen Argumente für ihre Propaganda liefert, oder innerhalb des Rechtsextremismus dafür zuständig ist, mithilfe pseudowissenschaftlicher Unterfütterung rechtsextreme Ordnungsvorstellungen als ernstzunehmende politische Alternativmodelle zu präsentieren.

Folgt man der Verortung der Neuen Rechten im Rechtsextremismus, so geht es ihren Akteuren einerseits um die Annäherung an die demokratische Gesellschaft, besonders an das wertkonservative Spektrum, und andererseits darum, als intellektuelle Spitze ideologiebildend auf die gesamte rechtsextreme Bewegung zu wirken. Ideologisches Kernelement ist der Ethnopluralismus, der zwar jedem Volk ein Recht auf "nationale Identität" zugesteht - dies aber mit der Verbindung verknüpft, eine solche dürfe nur allein im jeweiligen Heimatland ausgelebt werden.

Die Neue Rechte ist nicht formell organisiert, sondern formiert sich vorwiegend im Umfeld publizistischer Projekte und in Diskussionsrunden. Ihre wichtigste Zeitschrift in Deutschland ist die "Junge Freiheit". In deren Umfeld gehört auch das im Jahr 2000 gegründete Institut für Staatspolitik. Diskussionszirkel sind etwa das Thule-Seminar und die 1972 entstandene Deutsch-Europäische Studiengesellschaft (DESG), die Tagungen veranstaltet und Publikationen erstellt. Dazu kommen mehrere Foren im Netz. Die so definierte Neue Rechte ist auch europaweit präsent und vernetzt. Als ein wichtiger theoretischer Vordenker gilt der 1943 geborene französische Publizist Alain de Benoist "Die alte Rechte ist tot - Sie hat es wohl verdient", lautet ein Zitat von ihm.

Neben diesen beiden Definitionen kursiert noch eine weitere Definition der Neuen Rechten in Deutschland. In den 1970er Jahren bezeichnete der Verfassungsschutz die sogenannte nationalrevolutionäre Strömung des Rechtsextremismus als Neue Rechte. Diese vertrat eine Mischung aus radikal nationalistischem und sozialrevolutionärem Denken und griff auch die gleichen Feindbilder wie einige politisch linke Strömungen auf (Imperialismus, Antiamerikanismus). Obwohl die Strömung inzwischen nicht mehr als dominant gilt, finden sich nationalrevolutionäre Ideen auch heute noch im Rechtsextremismus.

Verfasst von Holger Kulick im Auftrag der Amadeu Antonio Stiftung für das Glossar der Bundeszentrale für politische Bildung im Dossier Rechtsextremismus 2010. Überarbeitet, ergänzt und aktualisiert von Holger Kulick für das Glossar von BIKnetz - Präventionsnetz gegen Rechtsextremismus [Stand Januar 2013]