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Glossar

Nationalsozialismus

Nach der Erfahrung des Staatssozialismus in Mittel- und Osteuropa und der dort dominierenden Selbstdarstellung wird "Sozialismus" heute meist mit Internationalismus assoziiert.

In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg war dies anders: Viele Gruppierungen setzten auf die Verwirklichung von egalitären Ideen (Sozialismus) unter nationalen und nationalistischen Vorzeichen. "Nationaler Sozialismus" und "Nationalsozialismus" waren in den 1920er Jahren weder eine paradoxe Zusammenfügung von unvereinbaren Elementen noch das spezifische Kennzeichen der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), der Nazipartei unter Adolf Hitler.

Heute wird mit Nationalsozialismus (NS) im Allgemeinen die nationalsozialistische Bewegung, die NSDAP (seit 1920) oder das NS-Regime (1933-1945) gemeint. Der NS zeichnete sich ideologisch durch Antimarxismus, Antiliberalismus, Antiparlamentarismus, Antisemitismus und eine auf "Reinheit" und ethnische Homogenität abzielende Rassenideologie aus. Folge dieses radikalen Rassismus war der systematische Mord an den europäischen Juden ( Holocaust ). Außenpolitisch verfolgte der NS imperialistische Ziele. Hitler war seit 1921 Vorsitzender der NSDAP; während der Weimarer Republik versuchte die NSDAP zunächst 1923 durch einen Putsch an die Macht zu kommen. Nach dessen Scheitern wurde eine gesetzeskonforme Taktik verfolgt. Damit einher gingen gewalttätige Übergriffe auf die politischen Gegner, also Kommunisten und Sozialdemokraten. Erhebliche Unterstützung verzeichnete die Partei bei den Wahlen zum Reichstag in den Jahren 1930 (rd. 18 %), im Juli 1932 (rd. 37 %) und im November 1932 (rd. 33 %). Im Januar 1933 wurde Hitler zum Reichskanzler ernannt. Unmittelbar danach wurden alle anderen Parteien verboten, die NSDAP wurde Staatspartei. Mit der Terrorisierung der politischen Gegner und der Einrichtung von Konzentrationslagern begann die Diktatur. Sie endete durch die militärische Kapitulation im Mai 1945, nachdem der vom nationalsozialistischen Deutschland begonnene Zweite Weltkrieg auf seinem europäischen Schauplatz unter Soldaten und Zivilisten über 39 Millionen Todesopfer gefordert hatte.

Heute bezeichnen sich nicht wenige Rechtsextremisten selbst als "nationale Sozialisten" und versuchen soziale Fragen im völkischen Sinne zu beantworten.

Literatur: Wolfgang Benz/ Herman Graml/ Hermann Weiß (Hrsg.): Enzyklopädie des Nationalsozialismus (5. Aufl.), München 2007. Michael Wildt: Geschichte des Nationalsozialismus, Göttingen 2008 Verfasst von Dr. Michael Kohlstruck für das Glossar der Bundesprogrammseite von kompetent. für Demokratie. Überarbeitet und aktualisiert von Dr. Michael Kohlstruck für das Glossar von BIKnetz - Präventionsnetz gegen Rechtsextremismus [Stand April 2013]