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Glossar

Kulturelle Hegemonie

Die Durchsetzung "kultureller Hegemonie" ist das Leitbild weiter Teile der Neuen Rechten als Voraussetzung für eine politische Machtübernahme. Das Konzept basiert auf einer instrumentell-strategischen Rezeption der Werke des italienischen Marxisten Antonio Gramsci v.a. in Frankreich und Deutschland.

Diese rechte Vereinnahmung von Gramscis politischer Kulturtheorie wurde von dem als "Chefideologen" der Neuen Rechten geltendem Franzosen Alain de Benoist angestoßen. In dem von ihm verfassten rechten Standardwerkes "Kulturrevolution von rechts" (Benoist 1985) bezieht er sich auf Gramscis Ausführungen - und spricht von Gramscismus von rechts.

Nach Gramsci wird Herrschaft in der bürgerlichen Gesellschaft durch die Staatsgewalt, aber auch durch den Konsens der Zivilgesellschaft geschaffen. Darum sei die Veränderung des vorherrschenden Konsenses der öffentlichen Meinungsbildung die Bedingung für die grundlegende Veränderung der Gesellschafts- und Staatsordnung. Intellektuelle besäßen eine zentrale Verantwortung für den Wandel der "kulturelle[n] Vorherrschaft im Sinne eines dominierenden Konsenses für bestimmte politische Einstellungen". Für Gramsci (1996) sind "alle Menschen Intellektuelle, [...] aber nicht alle Menschen haben in der Gesellschaft die Funktion von Intellektuellen." Diese sozialen Schlüsselrollen nähmen vor allem Publizisten, Schriftsteller, Wissenschaftler sowie Industrietechniker und Kulturschaffende aus der nicht-herrschenden Klasse ein. Sie trügen eine hervorgehobene Verantwortung, den Kampf um die kulturelle Hegemonie zu organisieren; von ihnen müsse die Vermittlung zwischen alltäglichem und kritischem Bewusstsein ausgehen, um die Politisierung der Massen voranzutreiben. Daran anschließend forderte Benoist eine "Kulturrevolution von rechts".

Als Stammautor der rechten Wochenzeitung "Junge Freiheit" nahm er so Einfluss auf die Ausrichtung der Neuen Rechten in Deutschland. Nach Pfahl-Traughber (2004: 74f.) ist die Strategie der "Kulturrevolution von rechts" verbunden mit der politischen Absicht, den demokratischen Verfassungsstaat zu delegimitieren. Zu den Methoden des Konzeptes gehört die - von den Rechten so benannte - "politische Mimikry": Politische Ziele werden nicht immer von vornherein offen genannt und verfolgt. Vielmehr soll "rechtsextremistisches Gedankengut möglichst verschleiert transportiert" werden (Puttkamer 2004: 212f.). Aufgegriffen und verbreitet wurde die Politik der kulturellen Hegemonie auch vom deutschen Vordenker der Neuen Rechten Armin Mohler.

Als institutionelle Wegbereiter der kulturellen Hegemonie der Neuen Rechten in Deutschland gilt neben der Jungen Freiheit vor allem das Institut für Staatspolitik und deren Zeitschrift "Sezession".

Literatur:
Benoist, Alain de (1985): Kulturrevolution von rechts. Gramsci und die Nouvelle Droite. Krefeld: Sinus-Verl. (Edition D, 6). Gramsci, Antonio (1996): Gefängnishefte. Heft 12. 1. Aufl. Hamburg: Argument-Verl. Pfahl-Traughber, Armin (2004): Die "Umwertung der Werte" als Bestandteil einer Strategie der "Kulturrevolution". Die Begriffsumdeutung von "Demokratie" durch rechtsextremistische Intellektuelle. In: Wolfgang Gessenharter und Thomas Pfeiffer (Hg.): Die neue Rechte, eine Gefahr für die Demokratie? Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 73-94. Puttkamer, Michael (2004): "Jedes Abo eine konservative Revolution". Strategie und Leitlinien der 'Jungen Freiheit'. In: Wolfgang Gessenharter und Thomas Pfeiffer (Hg.): Die neue Rechte, eine Gefahr für die Demokratie? Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 211-220.
Verfasst von Matthias Quent , KomRex an der Universität Jena, für das Glossar von BIKnetz - Präventionsnetz gegen Rechtsextremismus [Stand Oktober 2013].