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Glossar

Kleidung, rechtsextreme

In punkto Kleidung lassen sich in Bezug auf die rechtsextreme Szene grundsätzlich zwei Varianten unterscheiden: Einerseits gibt es Kleidermarken, die zwar auffallend gerne von Rechtsextremen, aber auch von anderen Personen getragen werden und im allgemeinen Handel erhältlich sind. (Lonsdale gehört hier sicherlich dazu, umstritten ist der Sachverhalt bei der Marke Thor Steinar.)

Andererseits gibt es eindeutig rechtsextreme Kleidermarken, die für gewöhnlich ausschließlich über rechtsextreme Versandstrukturen erworben werden können. Dazu gehören die Marken Consdaple, Masterrace, Walhall Germany, Hatecrime Streetwear, Working Class Streetwear, Celtic Wear, Dobermann oder neuerdings Ansgar Aryan.

Jenseits der Markenfrage lassen sich typische Druckmotive für die rechtsextreme Szene ausmachen. Hierzu zählen Logos bzw. Schriftzüge rechtsextremer Musikprojekte, wie Landser, Skrewdriver, etc. Gern werden auch Motive mit Bezug zum Nationalsozialismus verwendet, wobei dieser sehr direkt sein kann (z. B. offene Rudolf Heß-Verehrung) oder auch kodiert (z. B. bei der Marke Consdaple, aus deren Wortmitte sich "NSDAP" herauslesen lässt, "88" (=HH) als Zahlencode für "Heil Hitler" oder "28" (=BH) für die verbotene "Blood & Honour"-Bewegung).

Daneben sind bei Neonaziversandhändlern aber auch zunehmend auf den ersten Blick gänzlich unpolitisch erscheinende, modisch anmutende Motive gefragt. Hinzu kommen anspielungsreiche Mischformen, vor allem in Form germanisch-mythologischer Anspielungen Motive und Orte, die auf eine angebliche Ahnengemeinschaft der Deutschen hindeuten und völkische Ideologiefragmente des deutschen Rechtsextremismus aufgreifen, beispielsweise "Walhalla", "Walküre", "Wotans Volk". Bedeutend sind weiterhin Aufdrucke mit Symbolen aus der germanischen Mystik , so die Triskele, die Schwarze Sonne und das Keltenkreuz. Solche Aufdrucke werden andererseits auch von Anhängern der germanischen Mystik getragen, die sich eher als unpolitisch definieren. Auch bei ihnen ist jedoch zumindest von einem punktuellen Kontakt zur rechtsextremen Szene auszugehen, da diese Bekleidung oft nur über rechtsextreme Vertriebsstrukturen erhältlich ist.

Bei den in der rechtsextremen Szene beliebten frei im Handel erhältlichen Kleidermarken geht es meist um Codes aus den Firmenlogos. Das "nsda" inmitten des Schriftzuges Lonsdale ist die bekannteste Variante einer solchen frei im Handel erhältlichen Kleidermarke. Inzwischen versucht sich die Firma von dem so erworbenen rechtsextremen Image zu befreien und unterstützt gelegentlich Projekte gegen Rechtsextremismus.

Ein weiteres Beispiel für solche rechtsextremen Kleidercodes mit frei verkäuflichen Marken sind Fred Perry-Hemden, die in der Szene wegen ihres Ährenkranzes beliebt sind, der dem rechtsextremen Selbstbild des Siegers entgegenkommt. Das Logo von Alpha-Jacken wiederum erinnert an das verbotene SA-Zivilabzeichen, das "N" auf den Schuhen der Marke New Balance gilt in der Szene als Symbol für "national" oder ähnelt der "Zündel-Rune" des kanadischen Holocaustleugners Ernst Zündel.

Obwohl auch diese Produktpalette nach wie vor auf NPD- Demonstrationen präsent ist, lassen diese freiverkäuflichen Marken keine eindeutige politische Zuordnung zu. Londsdale wird von Jugendlichen verschiedener oder gar keiner politischer Ausrichtung getragen, "New Balance" ist eine normale Sportschuhmarke, die auch bei den politischen Gegnern der Rechtsextremen sehr beliebt ist. Solche Marken können also auf einen rechtsextremen Hintergrund hindeuten, sie müssen es aber nicht.Kleidung ist allerdings nicht nur ein szeneinternes Erkennungszeichen, sie kann auch umgekehrt zum Problem für die rechtsextreme Szene werden.

Bei Demonstrationen der rechtsextremen Szene appellieren die Veranstalter inzwischen häufig an die Teilnehmer, keine potenziell strafbare Kleidung zu tragen, um nicht von vornherein bei Polizeikontrollen festgenommen zu werden. So treten sie immer häufiger in einfachen Jeans, ohne Stiefel und neutraler dunkler Oberbekleidung auf - zum Teil immer verwechselbarer mit den traditionell dunkel gekleideten Linksautonomen.

Diese Mimikry verfolgt zudem einen strategischen Zweck. In einer gleichförmigen dunklen Masse fühlen sich potenzielle Gewalttäter sicherer, denn es fällt Polizei und politischen Gegnern schwerer, sie auf Anhieb eindeutig wieder zu erkennen.

Verfasst von Holger Kulick im Auftrag der Amadeu Antonio Stiftung für das Glossar der Bundeszentrale für politische Bildung im Dossier Rechtsextremismus 2010.
Überarbeitet, ergänzt und aktualisiert von Holger Kulick für das Glossar von BIKnetz - Präventionsnetz gegen Rechtsextremismus [Stand Januar 2013]