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Glossar

Kapitalismus

"Auch wenn die herrschenden Politiker und die Vertreter des großen Geldes den Menschen immer wieder das Gegenteil einreden wollen, kennen Kapitalismus und Globalisierung nur Verlierer in Scharen und Gewinner in kleinen Grüppchen." Wer dieses Zitat liest, vermutet sehr wahrscheinlich Urheber aus dem linken politischen Spektrum.

Auf den wahren ideologischen Hintergrund verweisen wohl erst die weiteren Ausführungen: "Die einzige wirksame sozialistische Waffe gegen das internationale Kapital ist das grenzensetzende, volk- und heimatbezogene bodenständige Gegenprinzip des Nationalismus. Gegen die kapitalistische Entwürdigung des Menschen kämpft der Nationalismus mit seiner sozialen Ordnungsidee der Volksgemeinschaft."

Die hier zitierten Stellen stammen aus einem neunseitigen Pamphlet mit dem Titel "Zukunft statt Globalisierung", einem Aufruf von deutschen Rechtsextremisten für die im Frühjahr 2006 ausgerufene gleichnamige "antikapitalistische und antiglobalistische" Kampagne (siehe auch Globalisierung/Globalismus ). Mit ihrer völkisch gewendeten Kapitalismuskritik versuchen rechtsextremistische Kader nicht zuletzt bei Zielgruppen anzudocken, die diese mit einer generellen Kritik am politischen System, an "Amerikanisierung" und kultureller und ethnischer "Überfremdung" verbinden.

Hier sieht u.a. die sich als "revolutionär" bezeichnende NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN) ihre Chance. In einer Presseerklärung der JN vom März 2006 wird sogar erklärt, dass zukünftig "die Lösung der sozialen Frage und die Auseinandersetzung mit dem Kapitalismus das Hauptbetätigungsfeld" sein muss.

Der Kapitalismusbegriff von Rechtsextremisten ist völkisch. Beklagt wird, dass "die Kapitalkonzentration bei einigen weltweit tätigen Multis" das "Dasein freier Völker" gefährde, wie es unter dem Begriff "Kapitalismus" im "Taschenkalender des nationalen Widerstands" des NPD-Verlags Deutsche Stimme heißt; in diesem Sinne ist Antikapitalismus die Verteidigung der Volksgemeinschaft vor den volkszersetzenden und internationalistischen "Multis". Vertreten wird ein "nationaler Sozialismus" , der den "Ausgleich zwischen Markt und Plan" sucht, wie man ebenda weiterlesen kann: "Nicht mit dem Ziel des Klassenkampfes, sondern der Klassenbeseitigung muß der Sozialismusbegriff aus nationalistischer Sicht wieder als annehmbarer Begriff besetzt werden".

Literatur:
Puls, Hendrik: Antikapitalismus von rechts? Wirtschafts- und sozialpolitische Positionen der NPD. Studien zur extremen Rechten, Band 1, Münster 2011. Stöss, Richard: Rechtsextremismus und Kapitalismuskritik, Arbeitshefte aus dem Otto-Stammer-Zentrum, Berlin 2008; online unter: http://www.fes-gegen-rechtsextremismus.de/pdf_08/Stoess-Kapitalismuskritik.pdf
Verfasst von Prof. Dr. Thomas Grumke für das Glossar der Bundesprogrammseite von kompetent. für Demokratie.
Überarbeitet und aktualisiert von Prof. Dr. Thomas Grumke für das Glossar von BIKnetz - Präventionsnetz gegen Rechtsextremismus [Stand Januar 2013]