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Glossar

Jugendhilfe

Als Kinder- und Jugendhilfe (KJH) wird ein sozialpädagogisches Praxisfeld bezeichnet, das außerhalb der Schule und zunehmend in Kooperation mit der Schule Angebote und Maßnahmen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 0-27 Jahren sowie zu Teilen ihre jeweiligen Personensorgeberechtigten, meistens die Eltern, umfasst.

Zu diesem Praxisfeld gehören für Familien mit jüngeren Kindern vor allem die vielfältigen Angebote zur Förderung der Erziehung in der Familie wie beispielsweise Angebote der Familienbildung sowie Angebote zur Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen und in Tagespflege wie Krippen und Kindergärten.

Zu nennen sind darüber hinaus sowohl das breite Spektrum der offenen und verbandlichen Jugendarbeit, der Jugendsozialarbeit und des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes, als auch die sogenannten Hilfen zur Erziehung, zu denen u. a. die Erziehungsberatung, Angebote der sozialen Gruppenarbeit, die sozialpädagogische Familienhilfe und die Heimerziehung gehören (vgl. z. B. Jordan/Maykus/Stuckstätte 2012; Gadow u. a. 2013). Rechtlich verankert sind die Arbeitsfelder und Aufgaben der KJH im Achten Buch des Sozialgesetzbuches (SGB VIII; vgl. hierzu Wiesner 2011; zur Übersicht über die Sozialgesetzbücher: BMAS 2013).

Die Prävention von Rechtsextremismus und seinen ideologischen Verwandten im Jugend- und jungen Erwachsenenalter ist nicht als eigens definierte Aufgabe im SGB VIII vorgesehen. Nichtsdestoweniger lassen sich in der Praxis zwei grundsätzliche Zugänge zu dem Thema erkennen: Auf der einen Seite betont der § 1 des SGB VIII das Recht eines jeden jungen Menschen "auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit". Diese Formulierung ist angelehnt an die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichtes, wo u. a. von der "eigenverantwortlichen Persönlichkeit innerhalb der sozialen Gemeinschaft, wie sie dem Menschenbild des Grundgesetzes entspricht", die Rede ist (zit. nach Wiesner 2011, S. 20).

In diesem Sinne sind prinzipiell alle Angebote und Maßnahmen der KJH als ein Beitrag zur Förderung des Aufwachsens in einer demokratischen Gesellschaft und zur Ausbildung entsprechender Kompetenzen und Orientierungen aufseiten der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu verstehen. Konkretisieren lässt sich dieses Selbstverständnis zunächst anhand zentraler fachlicher Prinzipien der KJH wie dem Prinzip der Freiwilligkeit und dem Standard, junge Menschen soweit als irgend möglich an den Strukturen und Prozessen zu beteiligen - sieht man einmal von den wenigen, ggf. notwendigen Intervention smaßnahmen in Fällen konkreter Fremd- bzw. Selbstgefährdung und den immer im Hintergrund wirksamen Kontrollaufgaben der KJH ab.

In Bezug auf die Praxisfelder erweisen sich vor allem die Jugendarbeit und die Angebote der politischen Bildung als unverzichtbare Orte, an denen Jugendliche und junge Erwachsene außerhalb der Schule und der Ausbildung bzw. des Studiums Grundprinzipien demokratischen Handelns nicht nur kennen lernen, sondern praktisch umsetzen und erfahren können. Die Strukturen der Jugendverbände mit ihren weitreichenden Beteiligungsmöglichkeiten sind dafür nur ein Beispiel. Diese Angebote, Strukturen und Verfahren lassen sich aufs Ganze gesehen als Beiträge der KJH zur Demokratieförderung begreifen.

Auf der anderen Seite lassen sich bei genauer Hinsicht auch eine Reihe von Angeboten ausmachen, die im engeren Sinne des Wortes als präventive Angebote der KJH gegen Rechtsextremismus im Jugend- und jungen Erwachsenenalter verstanden werden müssen. Zu nennen sind dabei zunächst die durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) im Rahmen des Programmes TOLERANZ FÖRDERN - KOMPETENZ STÄRKEN und seiner Vorgängerprogramme geförderten zahlreichen Projekte und Initiativen sowie die entsprechenden vereinzelten Initiativen der Länder und Kommunen.

Darüber hinaus gibt es ein breites Spektrum von (Informations?) Angeboten und Aktionen vor allem im Bereich der politischen Bildung, der Jugendarbeit und des Jugendschutzes, die sich explizit gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit , Antisemitismus , Islamfeindlichkeit und Rassismus wenden (vgl. u. a. Bundschuh/Drücker/Scholle 2012; die Arbeiten von jugendschutz.net).

Literatur:
Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) (2013): Übersicht über das Sozialrecht, 10. Auflage, Nürnberg. Bundschuh, Stephan/Drücker, Ansgar/Scholle, Thilo (2012): Wegweiser Jugendarbeit gegen Rechtsextremismus. Motive, Praxisbeispiele und Handlungsperspektiven,. Berlin. Gadow, Tina/Peucker, Christian/Pluto, Liane/Santen, Eric/Seckinger, Mike (2013): Wie geht's der Kinder- und Jugendhilfe? Empirische Befunde und Analysen, Weinheim/Basel. Jordan, Erwin/Maykus, Stephan/ Stuckstätte, Eva Christina (2012): Kinder- und Jugendhilfe: Einführung in Geschichte und Handlungsfelder, Organisationsformen und gesellschaftliche Problemlagen, 3. überarb. Auflage, Weinheim/Basel. Wiesner, Reinhard (2011): SGB VIII. Kinder- und Jugendhilfe. Ein Kommentar, 4. Auflage, München.
Verfasst von Dr. Christian Lüders , Leiter der Abteilung Jugend und Jugendhilfe am Deutschen Jugendinstitut in München, für das Glossar von BIKnetz - Präventionsnetz gegen Rechtsextremismus [Stand August 2013].