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Glossar

Hooligans

Das englische Wort Hooligans bezeichnet allgemein gewaltbereite Personen, wird aber darüber hinaus auch speziell als Bezeichnung für gewalttätige Fußballfans benutzt, die Thema dieses Artikels sind.

Die Hooligan-Szene stammt ursprünglich aus England, wo es bereits Ende des 19. Jahrhunderts zu ersten gewalttätigen Vorfällen bei Fußballspielen kam. Seit den 1950er und 1960er Jahren intensivierte sich die Szene in England und trat auch bei gesellschaftlichen Veranstaltungen außerhalb des Sports, beispielsweise bei Tanzabenden, auf. In der Bundesrepublik gewannen die Hooligans seit den 1970er Jahren an Bedeutung. Waren ihre gewalttätigen Ausschreitungen zuvor meist zufällig ausgelöst worden, organisierte sich die Szene nun zunehmend. Vereine reagierten mit der Einrichtung von Fanprojekten, die die Gewalt aus den Stadien zurückdrängen sollten.

In der ersten Bundesliga werden heute dennoch in nahezu jedem Verein zwischen 200 und 400 gewaltbereite Hooligans gezählt. Die Polizei stuft sie in zwei Kategorien ein: gewaltbereit (Kategorie B) und gewaltsuchend (Kategorie C).

Hooligans werden in der Regel nur gegen andere Hooligangruppen gewalttätig, wobei systematische Verabredungen zur "Dritten Halbzeit" üblich sind. Immer wieder sind jedoch auch andere Personengruppen, insbesondere Polizisten und Sicherheitskräfte, von den Ausschreitungen betroffen. So lieferten sich Hooligans nach dem Fußballländerspiel Deutschland gegen Jugoslawien im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft 1998 in der nordfranzösischen Stadt Lens Straßenschlachten mit der Polizei. Dabei wurde ein Polizist von deutschen Hooligans so schwer verletzt, dass er seitdem schwerbehindert ist.

Gewalttätige Ausschreitungen in Fußballstadien haben allgemein seit der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland wieder zugenommen. Mitte Februar 2009 sagte der sächsische Fußballbund rund 60 Spielbegegnungen ab, um ein Zeichen gegen die andauernde Gewalt zu setzen und sich solidarisch mit der oft überforderten örtlichen Polizei zu zeigen. Im Oktober 2012 schloss der Deutsche Fußball Bund für ein Jahr Dynamo Dresden von der Teilnahme am DFB-Pokal aus, nachdem es durch Dresdener Hooligans 2011 und 2012 zu massiven Spielstörungen und Gewaltaktionen gekommen war.

Gewalt und Störungen in- und außerhalb von Fußballstadien gehen mitunter auch von einer anderen Fangruppe aus, den sogenannten Ultras. Dabei handelt es sich genuin um besonders fanatische, meist jüngere Fans, die u. a. gegen die Entfremdung von Spielern und Fans eintreten. Ähnlich der Hooligans zählt es zum Repertoire der Ultras, die Fans des gegnerischen Teams zu provozieren. In den Stadien findet dies insbesondere im Verbrennen von Fahnen und dem Gebrauch von Pyrotechnik seinen Ausdruck. Trotz der Gewaltbereitschaft einiger Anhänger sind die Ultras aber nicht pauschal der Hooliganszene zuzurechnen, denn für sie stehen im Gegensatz zu den Hooligans nicht die gewalttätige Auseinandersetzung mit den gegnerischen Fans, sondern der Sport und ihre Mannschaft im Vordergrund.

Die Einschätzungen, inwieweit Hooligans der rechtsextremen Szene zugeordnet werden können, gehen weit auseinander. Nach polizeilichen Schätzungen gehört nur ein kleiner Teil der Hooligans der rechtsextremen Szene an, aktiv in rechtsextremen Organisationen seien weniger als 6 Prozent. Die Grenzen zu rechtsextremen Milieus sind allerdings fließend. So lässt beispielsweise der Gebrauch rechtsextremer Parolen als "Schlachtrufe" in Fußballstadien eher auf eine hohe Zahl rechtsextrem und rassistisch eingestellter Hooligans schließen.

Verfasst von Holger Kulick im Auftrag der Amadeu Antonio Stiftung für das Glossar der Bundeszentrale für politische Bildung im Dossier Rechtsextremismus 2010.
Überarbeitet, ergänzt und aktualisiert von Holger Kulick für das Glossar von BIKnetz - Präventionsnetz gegen Rechtsextremismus [Stand Februar 2013]