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Glossar

Holocaust

Das Wort Holocaust wird heute zur Bezeichnung der nationalsozialistischen Verbrechen an den europäischen Juden, insbesondere der systematischen millionenfachen Ermordung von Juden während des Zweiten Weltkriegs verwendet. In dieser Bedeutung wurde das Wort im deutschen Sprachraum popularisiert durch den Fernsehfilm "Holocaust: Die Geschichte der Familie Weiß", der 1979 ausgestrahlt wurde.

Zu der ideologischen Programmatik der NSDAP gehörte seit ihrem Parteiprogramm von 1920 die rassistisch begründete Feindschaft gegen die Juden. Die Juden wurden primär als eigene Abstammungsgemeinschaft, nicht als Religionsgemeinschaft betrachtet. In den Augen der nationalsozialistischen Antisemiten waren die Juden eine "andersartige", "minderwertige" und "zerstörerische" Rasse, die die "Arier", also die gleichfalls rassenlogisch definierten Deutschen als "Gegenrasse" bereits durch ihre bloße Existenz bedrohten. Als "Volksfeinde" mussten sie deshalb aus Deutschland verschwinden.

Die Verfolgung und Vertreibung der Juden begann mit dem Machtantritt der Nazis 1933. Die Boykottierung von Geschäften jüdischer Inhaber, der Ausschluss von der Teilnahme am öffentlichen Leben, das gesetzliche Verbot der Verbindungen mit "arischen" Personen und organisierte gewalttätige Übergriffe wie die sogenannte "Reichskristallnacht" (9.11.1938) prägten die Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg. Von den etwa 500.000 deutschen Juden flohen bis zum Emigrationsverbot im Herbst 1941 270.000 bis 300.000 ins Ausland. Mit dem Zweiten Weltkrieg wurde die Verfolgung der Juden auch auf die eroberten Gebiete ausgedehnt; in die in Osteuropa errichteten Ghettos und Arbeitslager wurden Juden aus ganze Europa deportiert.

Mit dem Überfall auf die UdSSR begann die dritte Phase, in der die Juden durch Massenerschießungen und durch Giftgas systematisch ermordet wurden. Symbolisch für diese Vernichtungspolitik im Dritten Reich steht der Name des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Insgesamt fielen diesem Jahrhundertverbrechen mindestens 5,29 Millionen Juden zum Opfer.

Literatur:
Ulrich Wyrwa: "Holocaust". Notizen zur Begriffsgeschichte, in: Jahrbuch für Antisemitismusforschung 8 (1999), S. 300-311. Dieter Pohl: Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933-1945 (3. Aufl.), Darmstadt 2011 Avraham Milgram?/ Robert ?Rozett, (Hg.): Der Holocaust. FAQs - Häufig gestellte Fragen. Deutsch/ Englisch (2011), Bonn 2012
Verfasst von Dr. Michael Kohlstruck für das Glossar der Bundesprogrammseite von kompetent. für Demokratie.
Überarbeitet und aktualisiert von Dr. Michael Kohlstruck für das Glossar von BIKnetz - Präventionsnetz gegen Rechtsextremismus [Stand April 2013]