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Glossar

Globalisierung/Globalismus

Globalisierung prägt und verändert nicht nur die Welt wie wir sie kennen, sondern auch diejenigen Bewegungen, die sich gegen sie stellen. Dies gilt auch für rechtsextremistische, also eindeutig nationalistische, Bestrebungen. Globalisierung ist gleichermaßen über alle nationalen Grenzen hinweg ein zentrales Kampf- und Agitationsthema für Rechtsextremisten.

Darüber hinaus werden mit der rechtsextremistischen Globalisierungskritik soziale und kulturelle Themen verquickt und wiederum ethnisiert. Der Gegenentwurf ist eine re-nationalisierte, völkische Ordnung - also nicht weniger als die Rekonstruktion einer ethnisch definierten Volksgemeinschaft. An dieser Stelle sollen Begriffsdefinitionen aus dem „Taschenkalender des nationalen Widerstands 2006“ des NPD -Verlags Deutsche Stimme beispielhaft herangezogen werden. Unter dem Eintrag „Globalisierung“ ist zu lesen: „Globalisierung ist das Bestreben des internationalen Kapitalismus, möglichst einheitliche, den Gewinn steigernde Rahmenbedingungen zur Heranschaffung von Arbeitskräften, Ausbeutung der Rohstoffe sowie zum monopolistischen Warenabsatz zu schaffen“. Diese Entwicklung habe „die Zerstörung eigenständiger regionaler und nationaler Lebens- und Wirtschaftsformen“ bewirkt. Der „Internationalismus“ wird wiederum als „Gegenstück des Nationalismus“ bezeichnet. Er sei der Versuch. „weltweit die Völker, ihre Wirtschaft und ihre überlieferten Lebensweisen zu beherrschen, umzuformen, und um des Gewinns willen auszubeuten“.

Globalisierung ist im rechtsextremistischen Verständnis also ein Herrschaftsinstrument derjenigen, die Nationen und deren Eigenständigkeit und Eigenarten im Namen des Profits einebnen und zerstören wollen. Eine erhebliche Gefahr geht hierbei vor allem von den USA aus, die als eine Art Globalisierungszentrale gesehen werden, denn: „Internationalismus und Globalisierung sowie der Imperialismus der ‘westlichen Wertegemeinschaft’ im Schlepptau der USA gefährden die Souveränität der Völker in hohem Maße“.

Insofern ist von dem Prozess der Globalisierung aus rechtsextremistischer Sicht nicht allein die nationale Ökonomie, sondern - noch wichtiger -, die nationale Kultur, Identität und Tradition auf das Ärgste bedroht. Gilt es doch für jede Generation, „sich auf das Neue mit der kulturellen Überlieferung ihres Volkes schöpferisch auseinander zu setzen“. MTV, McDonalds und sonstiger von Jugendlichen konsumierter „US-amerikanischer Einheitsbrei“ fungiert in der rechtsextremistischen Gedankenwelt als kulturzersetzende internationalistische Instrumente eines planvoll gesteuerten „Globalismus“. Dieser wiederum bildet das Gegenteil zu dem erwünschten Streben nach Autarkie.

Im zeitgenössischen Rechtsextremismus spielt der Begriff „Globalismus“ eine zentrale Rolle und steht vielfach im rechtsextremistischen Kontext für die Macht eines geschichts- und gesichtslosen Großkapitals, für „amerikanischen Kulturimperialismus“ und für einen „multirassischen Genozid“, der „von Washington, Wall Street und Hollywood“ angeblich angestrebt wird. Eine Art Monopolstellung liegt wie erwähnt bei den USA, insbesondere bei deren Ostküste (als Synonym für eine jüdische Vorherrschaft). In der Szene spricht man z.B. nicht von New York, sondern von „Jew York“.

Mit der von dort initiierten „Überfremdungspolitik“ solle Deutschland entscheidend geschwächt und mit dem ständigen Hinweis auf die Verbrechen der Vergangenheit demoralisiert und entwürdigt werden.Begrifflich und inhaltlich ist hier zu unterscheiden zwischen dem Prozess der Globalisierung und dem „Globalismus“. In den vom Nationaldemokratischen Hochschulbund , dem Studentenverband der NPD, erstellten und in der rechtsextremistischen Bewegung weitläufig kursierenden „12 Thesen zum Globalismus“ wird der Unterschied herausgearbeitet: „Globalisierung ist der Prozeß, dessen sich die Globalisten zur Durchsetzung ihrer Ziele bedienen.“ Im Einzelnen wird hier weiter ausgeführt: „Die von den Globalisten hervorgerufenen Migrationsströme führen ebenso wie die Uniformität der Märkte, ihrer Produkte und ihrer Kommunikation, zur Zerstörung gewachsener Sprachen und Kulturen.

Rechtsextremisten sehen also den Prozess der Globalisierung als willentlich gesteuerte Vernichtung von Kulturen, Traditionen und Werten (und letztlich von Nationen und Völkern) durch die oben beschriebenen mächtigen „Globalisten“. Im von Rechtsextremisten international verstandenen Code sind „Globalisten“ auch „Ostküste“, ist der „Globalismus“ auch „New World Order“ (NWO), und sind die in diesen „Globalisierungsplan“ verwickelten Regierungen und Eliten auch „Zionist Occupied Government“ (ZOG). Hinter den Buchstaben ZOG verbirgt sich der Glaube an eine jüdische Weltverschwörung, bei der alle demokratischen Regierungen sowie Banken, Medien und vieles mehr insgeheim von „Zionisten“ und deren Helfern kontrolliert werden und die unter allen Umständen bekämpft werden muss. Diese Idee geht zurück auf die „Protokolle der Weisen von Zion“, eine antisemitische Propagandaschrift von 1903, die vorgibt, einen Plan zur Errichtung der jüdischen Weltherrschaft zu enthüllen.

Ein weiteres Schreckensbild ist die „Eine Welt“ (oder „New World Order“), die im „Taschenkalender des nationalen Widerstands“ als „Wahnvorstellung“ bezeichnet wird, „gespeist durch den Glauben an eine homogene ‘Menschheit’ ohne Bindungen und Überlieferungen“. In diesem Zusammenhang werden gleich zwei weitere Feindbestimmungen vorgenommen, die Vereinten Nationen und die Menschenrechte: „Werkzeug des Imperialismus zur Schaffung der ‘Einen Welt’ sind die ‘Vereinten Nationen’. Die ideologische Leimrute zur weltweiten Durchsetzung der ‘westlichen Werte’ sind die ‘Menschenrechte’„

Das „Gebot der Stunde“, stellte Karl Richter, parlamentarischer Berater der NPD-Fraktion im sächsischen Landtag und stellv. Parteiversitzender, 2002 fest, „bleibt nachhaltiges und entschiedenes Opponieren gegen alles, was uns derzeit von den großen Brüdern angepriesen wird: Globalisierung, Menschenrechte, Multikulti, die Liberalisierung und Atomisierung aller Lebensbereiche“.

Verfasst von Prof. Dr. Thomas Grumke für das Glossar der Bundesprogrammseite von kompetent. für Demokratie.
Überarbeitet und aktualisiert von Prof. Dr. Thomas Grumke für das Glossar von BIKnetz - Präventionsnetz gegen Rechtsextremismus [Stand Januar 2013]