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Glossar

Gewaltprävention

Gewalt bereits im Vorfeld zu reduzieren und zu verhindern, ist Ziel der Gewaltprävention. Eine einheitliche Definition des Begriffs gibt es bislang nicht. Dies liegt zum einen an der Vielschichtigkeit des Gewaltbegriffes. Zum anderen zeigt sich in der Praxis eine große Bandbreite an Zuordnungen von Angeboten zu dem Terminus, durch welche auch dessen Unschärfen deutlich werden (Stichwort: Entgrenzung des Präventionsbegriffes).

In den letzten 20 Jahren fand in Deutschland seitens privater wie öffentlicher Akteure ein breiter Ausbau an zeitlich befristeten Programmen und Projekten aber auch an Regelangeboten zur Gewaltprävention statt. Zentrale Akteure der Durchführung sind insbesondere Polizei, Justiz, Schule, Jugendhilfe und Jugendmedienschutz. Hilfe- und Unterstützungsangebote können Teil der Angebotsstruktur der benannten Akteure, wie der Jugendhilfe (u. a. Offene Jugendarbeit, Jugendhilfe im Strafverfahren, Hilfen zur Erziehung (auch in Verbindung mit dem Jugendgerichtsgesetz, JGG)) sein oder auf gelegenheitsreduzierende Maß­nahmen fokussieren (z. B. städtebauliche Maß­nahmen, Überwachungskameras, Jugendschutzkontrollen, Internetbarrieren).

Mit Blick auf die Vielschichtigkeit der Gewaltprävention basiert ein be­deutender Teil der Ansätze auf kooperativ angelegten Strukturen, in denen die ver­schiedenen beteiligten Institutionen zusammenarbeiten. Eine gelingende Gewaltprävention wird als gesamt­gesellschaftliche Aufgabe begriffen. Ein Schwerpunkt der Gewaltprävention liegt auf der Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen. Als Problembereiche werden physische Gewalt und psychische Gewalt in den Blick genommen.

In beiden Fällen können Kinder und Jugendliche selbst betroffen sein und/oder diese Gewalt ausüben. Am Beispiel von (Cyber-)Mobbing/Bullying wird dies deutlich. Ansätze, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, sind zumeist pädagogisch geprägt. Notwendigerweise variieren sie je nach Zielgruppe und Zeitpunkt des Eingreifens. Dies zeigt sich in der begrifflichen Unterscheidung zwischen Prävention , die vor dem eigentlichen Problem ansetzt, und Intervention, die bei einem bereits bestehenden Problem eingreift, auch um weitere Gewalt zu verhindern. Entsprechend wird auch in Bezugnahme auf die Zielgruppe unterschieden.

Während sich universelle Prävention an eine größere Gruppe (zumeist im Klassenverband) ohne konkreten Problemzusammenhang richtet, fokussiert selektive Prävention einzelne gefährdete Personen und/oder Gruppen. Indizierte Prävention schließlich konzentriert sich auf bereits gewaltauffällige oder von Gewalt betroffene Kinder und Jugendliche. Im Vordergrund der auf Kinder und Jugendliche ausgerichteten Gewaltpräventionsansätze stehen die Stärkung der Selbstwirksamkeit, des Reflexionsvermögens (des Selbstbildes, von Geschlechterrollen oder eigenem Konfliktverhalten) sowie der Erwerb sozialer Kompetenzen.

Literatur:
Arbeitsstelle Kinder- und Jugendkriminalitätsprävention (Hrsg.) (2007)
Strategien der Ge­waltprävention im Kindes- und Jugendalter. Eine Zwischenbilanz in sechs Handlungs­feldern. Reihe 11. München: DJI. Hafen, Martin (2013)
Grundlagen der systemischen Prävention. Ein Theoriebuch für Lehre und Praxis. Heidelberg: Carl-Auer-Verlag. Holthusen, Bernd/Hoops, Sabrina/Lüders, Christian/Ziegleder, Diana (2011)
Über die Notwendigkeit einer fachgerechten und reflektierten Prävention. Kritische An­merkungen zum Diskurs. In: DJI-Impulse. Das Bulletin aus dem Deutschen Jugendinstitut 2/2011, S. 22-25. Gugel, Günther (2008)
Handbuch Gewaltprävention. Für die Grundschule und die Arbeit mit Kindern. Grundlagen - Lernfelder - Handlungsmöglichkeiten. Tübingen: Institut für Friedenspädagogik. Gugel, Günther (2010)
Handbuch Gewaltprävention II. Für die Sekundarstufen und die Arbeit mit Jugendlichen. Grundlagen - Lernfelder - Handlungsmöglichkeiten. Tübingen: Institut für Friedenspädagogik. Wahl, Klaus (2013)
Aggression und Gewalt. Ein biologischer, psychologischer und sozial­wissenschaftlicher Überblick. Heidelberg: Spektrum Akademischer Verlag.
Verfasst von Dr. Diana Willems, Arbeitsstelle Kinder- und Jugendkriminalitätsprävention des Deutschen Jugendinstituts e.V., München für das Glossar von BIKnetz - Präventionsnetz gegen Rechtsextremismus [Stand April 2014]