Zum Inhalt springen Zum Hauptmenü springen Zum Servicemenü springen

Glossar

Freie Kameradschaften

In vielen Städten oder Regionen im Westen und Osten Deutschlands bestehen sogenannte Freie Kameradschaften als eine besondere Bündnisform.

Eine Kameradschaft bildet sich aus zirka 10 bis 20 Mitgliedern, gelegentlich auch mehr. In der Regel handelt es sich hierbei um Gruppierungen aus dem Neonazi-Bereich, die nur selten personell offen bzw. direkt politisch in Erscheinung treten. Sie gehen aus rechtsextremen Cliquen hervor, sind lose organisiert und existieren in einer Art Zwielicht, das sie für die Ausbreitung ihres Einflusses nutzen.

Mehr als 150 regional und überregional verankerte Freie Kameradschaften werden in Deutschland gezählt, sie entstanden Mitte der 1990er Jahre als Reaktion auf Verbote einer Reihe rechtsextremer Organisationen. Juristisch betrachtet sind Freie Kameradschaften „rechtlich nichtrechtsfähige Vereine“ und können daher nur schwer aufgelöst werden. Ihr Vernetzungsgrad miteinander ist hoch.

Freie Kameradschaften demonstrieren ihre Macht bevorzugt im vorpolitischen Raum, sei es im Klassenzimmer, im ländlichen Raum an Bushaltestellen, Skaterbahnen oder in der Disco. Ihr Auftreten wirkt in manchen Kommunen lähmend auf das demokratische Klima, zumal oft Gewalt oder zumindest ihre Androhung im Spiel ist. Ein Ziel Freier Kameradschaften ist es, sogenannte National befreite Zonen oder No-Go-Areas zu schaffen. „Befreit“ meint hier: frei von Ausländern, frei von Andersdenkenden, frei von jeder Form von Demokratie.

Mit Gewalt oder zumindest ihrer Androhung sollen Sozialräume erobert werden, wie Jugendclubs oder Wohnbezirke, um dort die alleinige Macht auszuüben, Gegner zu bestrafen und Verbündete zu unterstützen. Mehr noch: Freie Kameradschaften streben damit eine ideologisch-kulturelle Vorherrschaft, eine kulturelle Hegemonie an. Denn in einer National befreiten Zone soll die rechtsextremistische Subkultur zur dominanten Alltagskultur werden, die politischen Gegnern keinen Raum mehr lässt. Für sie werden die von Rechtsextremen dominierten Orte so zu „Angstzonen“.

Organisatorisch werden einige Freie Kameradschaften in rechtsextreme Parteien wie die NPD integriert, ein anderer Teil organisiert sich in „Freien Netzen“ oder zählt sich zu den Autonomen Nationalisten .

Verfasst von Holger Kulick im Auftrag der Amadeu Antonio Stiftung für das Glossar der Bundeszentrale für politische Bildung im Dossier Rechtsextremismus 2010.
Überarbeitet und aktualisiert von Holger Kulick für das Glossar von BIKnetz - Präventionsnetz gegen Rechtsextremismus [Stand Januar 2013]