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Glossar

Fanzine

Fanzine ist ein aus den Begriffen "Fan" und "Magazin" zusammengesetztes Kunstwort. Bei Fanzines handelt es sich um Publikationen, die innerhalb einer Szene für die eigenen Zwecke erstellt werden.

Fast immer werden sie in Eigenregie produziert, daher auch mit einem unterschiedlichen Grad an Professionalität. Formal nach ihrer Publikationsart lassen sich Printzines (gedruckte Versionen) und Webzines (digitale Versionen) unterscheiden.

Fanzines haben mehrere Funktionen. Vor allem sollen sie die jeweilige Szene informieren, mobilisieren und vernetzen, meist dienen sie aber auch (in unterschiedlichem Ausmaß) der Veranstaltungs-Werbung und Unterhaltung. Das Berliner Archiv der Jugendkulturen, das sich intensiv mit Fanzines beschäftigt, bezeichnet sie als die "authentischsten Sprachrohre ihrer Szenen."Ursprünglich entstammen sie der Science-Fiction-Szene, doch gibt es Fanzines mittlerweile in den unterschiedlichsten Szenen, wie beispielsweise der Fußball-, der Musik- oder Rollenspielszene.

Auch in politisch interessierten Kreisen haben Fanzines längst Fuß gefasst, so zum Beispiel in der Punk-Szene, ebenso aber auch unter rechtsextremistischen Skinheads.Besonders oft finden sich bei letzteren Publikationen, die versuchen, die Hooligan- mit der Skinheadszene zu vernetzen. Beispiele hierfür sind "Doitsche Offensive", "Der Feldzug", "Tabula Rasa", "Moonstomp" oder "United Skins". Wenn sie aus der Skinheadszene stammen, tauchen Fanzines gelegentlich, auch unter dem Namen "Skinzines" auf. Deren Anzahl wird in Deutschland auf 60 geschätzt, mit einer Auflage im überwiegend unteren dreistelligen Bereich.

Bundesweit bekannt sind Titel wie "Panzerfaust", "Der Patriot", "Endsieg" oder " Eisenschädel". Beliebte Inhalte sind dabei Interviews, Konzert- oder Spielberichte, Nachrichten, Grüße oder Kleinanzeigen, Rezensionen - und: Hitlerverherrlichung.Als Kommunikationsorgane haben Fanzines auch in der Neonazi szene eine nicht zu unterschätzende Bedeutung. Es gibt Titel wie: "Unsere Welt", "Zentralorgan", "Indiziert", "Stahlhelm", "Schwarze Fahne" oder "Whitesupremacy".

Beschrieben werden überwiegend Auftritte neonazistischer Bands, für deren CDs auch geworben wird. Artikel über Aufmärsche, Wehrmachtsgeschichte, Esoterisches oder germanischen Artglauben ergänzen das Spektrum. Diese Mischung aus Abenteuer, Lifestyle, Fantasy und Politik pflegen viele Jugendszenen.

Anders als spröde ideologische Publikationen sind die Inhalte von Fanzines daher auch eher geeignet, Sympathisanten zu ködern. Erscheinen Fanzines nicht mehr in gedruckter oder kopierter Form, sondern ausschließlich im Internet, spricht man von E-Zines oder Webzines.

Verfasst von Holger Kulick im Auftrag der Amadeu Antonio Stiftung für das Glossar der Bundeszentrale für politische Bildung im Dossier Rechtsextremismus 2010.
Überarbeitet und aktualisiert von Holger Kulick für das Glossar von BIKnetz - Präventionsnetz gegen Rechtsextremismus [Stand Dezember 2012]