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Glossar

Empowerment

"Die Ressourcen der Klienten fördern", "personale Kompetenzen entwickeln", "die politische Selbstbestimmung stärken" - diese Stichworte verweisen auf ein neues Handlungskonzept in der Sozialen Arbeit , das Empowerment-Konzept. Der Begriff Empowerment (wörtlich übersetzt: "Selbstbefähigung"; "Selbstbemächtigung"; "Stärkung von Autonomie und Selbstverfügung") bezeichnet biografische Prozesse, in denen Men­schen ein Stück mehr Macht für sich gewinnen, sei es politische Gestaltungsmacht oder Kompetenz in der Bewälti­gung alltägli­cher Lebensbelastungen.

Ziel von Empo­wer­ment ist es, die Menschen zur Entdeckung der eigenen Stärken zu ermutigen, ihre Talente und Fä­hig­keiten zu kräfti­gen und Res­sourcen freizusetzen, mit deren Hilfe sie ihren Alltag und ihre Lebens­wege selbst­bestimmt gestalten kön­nen.

In der Literatur lassen sich zwei Lesarten von Empowerment un­terschei­den:


(1) Politisches Empowerment:
Projekte in diesem ersten Wortsinn betonen die aktive Aneignung von Ge­staltungsvermögen und politischer Teilhabe durch Menschen, die von Machtlosigkeit und erlernter Hilflosigkeit betroffen sind. Der Blick richtet sich hier auf die vielfältig bunten Formen des bürgerschaftlichen Engagements (Soziale Bewegungen; Bürgerrechtsbewegungen; Protestkampagnen gegen demokratiefeindliche Initiativen usw.).

Empowerment wird beschrieben als ein (durchaus konflikthafter und von Protest und Auseinandersetzung begleiteter) Prozess der Selbst-Be­mächtigung und der Selbst-Aneig­nung von politischer Gestaltungskraft durch die Betroffenen selbst - Empowerment verstanden also als ein selbstinitiierter und ei­genge­steuer­ter Pro­zess der (Wieder-)Her­stellung von politischer Selbstbestimmung (vgl. Herriger 2010, S. 21ff.)

(2) Psychologisches Empowerment:
Arbeitsprojekte, die der Tradition der psychosozialen Ar­beit ent­stammen, betonen hingegen die Aspekte der Unterstützung und der Förde­rung von Selbstbestimmung durch berufliche Helfer. Der Blick richtet sich hier also auf die Seite der Mitarbei­ter psy­chosozialer Dienste, die Pro­zesse der (Wieder-)Aneig­nung von Selbstgestal­tungskräf­ten anregen, för­dern und un­terstützen und Ressour­cen für Empower­ment-Pro­zesse be­reitstellen.

Em­po­werment ist in diesem Wortsinn das Kür­zel für eine psy­cho­soziale Praxis, deren Hand­lungsziel es ist, Men­schen bei der selbstbestimmten Bewältigung von Lebensaufgaben eine begleitende Unterstützung zu geben. Getragen wird eine solche ressourcenfördernde psychosoziale Arbeit durch das Vertrauen in die produktiven Ressourcen der Klienten sozialer Arbeit.

Sie werden - auch in Lebensetappen der Belastung und der Demoralisierung - in der Rolle von kompetenten Akteuren wahrgenommen, welche über das Vermögen verfügen, in produktiver Weise schmerzliche Lebensbelastungen zu verarbeiten, eigene Kräfte zu entwickeln und Lebenssouveränität zu gewinnen ("die Regie über das eigene Leben führen") (zum Menschenbild und zu den ressourcenfördernden Methoden der Empowerment-Arbeit vgl. Herriger 2010, S. 72 und 86ff.).

Die empirischen Befunde der Evaluationsforschung dokumentieren eindrücklich die stärkend-produktiven Effekte von ressourcenfördernden Arbeitsansätzen. Empowerment bestärkt zum einen die Selbstwirksamkeit und die soziale Identität der Klienten. Dort, wo Menschen die Erfahrung von eigener Stärke, Autonomie und Gestaltungskraft machen können, erweitern sich ihre psy­chi­schen Kräfte - sie stärken ihre personalen Ressourcen, sie schöpfen Selbstwert und gewinnen ein neues Vertrauen in die eigenen Bewältigungsfähigkeiten (Bewältigungsoptimismus).

Empowerment bestärkt die Menschen zum anderen aber auch in ihrer Rolle als politische Bürger - es stärkt das soziale und politische Engagement der Bürger, ihre Teilhabe an Prozes­sen der politischen Willens­bil­dung und ihre soli­dari­sche Gemeinschaft in sozialen Bewegungen und vermehrt auf diese Weise ihr produktives Kapital an zivilgesellschaftlicher Kompetenz.

Literatur:
Norbert Herriger (2010): Empowerment in der Sozialen Arbeit. Eine Einführung. 4. Auflage, Stuttgart: Kohlhammer.
Verfasst von Prof. Dr. Norbert Herriger , Professor für Soziologie, Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften, Fachhochschule Düsseldorf für das Glossar von BIKnetz - Präventionsnetz gegen Rechtsextremismus [Stand Mai 2013].