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Glossar

Codes und Symbole

Zeichen und Symbole dienen der Kommunikation unter Gleichgesinnten und sind gleichzeitig ein Mittel, Andersdenkende visuell auszugrenzen. Können diese Zeichen nicht frühzeitig gedeutet werden, kann eine Auseinandersetzung mit der dahinter liegenden Einstellung nicht stattfinden.

In der rechtsextremistischen Szene gibt es neben der typischen Sprache auch Zeichen oder Symbole, Runen und Grußformen, die wichtige Erkennungsmerkmale darstellen und auf eine rechtsextremistische Orientierung hindeuten. Daneben sind besonders Fahnen in den Farben des Kaiserreichs - Schwarz-Weiß-Rot - beliebt. Symbole und Codes dienen verschiedenen Zwecken: einerseits der Selbstidentifikation und der internen Kommunikation, andererseits der Abgrenzung nach außen, insbesondere gegenüber dem politischen Gegner. Der sprachliche Einstieg in die Szene ist geglückt, wenn Jugendliche mit dem Jargon vertraut sind und wissen, wann sie die Terminologie anzuwenden haben.

Das gilt in besonderer Weise für die nachstehend aufgeführten Zahlenkürzel und Slogans.

18 und 88
Der Gebrauch von Zahlen spielt mittlerweile als Code für bestimmte Begriffe eine große Rolle für die Verständigung in der rechtsextremistischen Szene. Die Zahlen stehen häufig stellvertretend für die jeweiligen Buchstaben des Alphabetes. Hinter der Zahl 18 verbergen sich die Initialen Adolf Hitlers: AH. Mit der Zahl 88 beginnen oder enden häufig Briefe oder E-Mails von Neonazis. Die entsprechenden Buchstaben des Alphabetes, HH, stehen für den Hitler-Gruß 'Heil Hitler'.

Diese Codes sind in der Szene überall präsent. Versandhandelsfirmen für Neonazi-Devotionalien haben Telefonnummern, die häufig aus Zahlen wie 88 und 14 bestehen - das Jahresabonnement der rechtsextremistischen Musikzeitschrift RockNORD kostete zeitweise 88 Mark. Eine Kneipe in Neumünster nennt sich Club 88 und ist als Treff- und Koordinierungspunkt in der rechtsextremistischen Szene von Bedeutung.

28
Die Zahl 28 steht im Rechtsextremismus für die Buchstaben B und H. Diese wiederum dienen als Umschreibung für die seit September 2000 in Deutschland verbotene, international tätige Skinhead-Organisation Blood & Honour, die von dem englischen Skin-Musiker Ian Stuart Donaldson ins Leben gerufen wurde.

Sie vertritt eine deutlich am Nationalsozialismus orientierte Ideologie. In diesem Sinne taucht die 28 beispielsweise auf Ansteckern und T-Shirts auf.

14 bzw. 14 words
Die Zahl 14 bezieht sich auf die sogenannten 14 words, eine in der Szene überaus populäre Parole. Ursprünglich vom amerikanischen Rechtsterroristen David Lane geprägt, steht sie für folgenden Satz aus 14 Wörtern: "We must secure the existence of our people and a future for white children." (Wir müssen die Existenz unseres Volkes sichern und eine Zukunft für weiße Kinder.)

Der 2007 verstorbene Lane war Mitglied der amerikanischen rechtsterroristischen Gruppe The Order - Brüder Schweigen und saß u.a. wegen des geplanten Umsturzes der US-Regierung eine lebenslange Haftstrafe ab. Seine "14 Worte" haben mittlerweile den Status eines Glaubensbekenntnisses im Rechtsextremismus weltweit.

168:1
Dieser aus den USA stammende, aber auch in Deutschland sehr populäre Code bezieht sich auf den Bombenanschlag in Oklahoma City im April 1995.

Der Rechtsextremist Timothy McVeigh tötete bei diesem Anschlag 168 Menschen und wurde später dafür zum Tode verurteilt. In menschenverachtender Weise wird mit 168:1 wie bei einem Fußballspiel das "Ergebnis" dieses Anschlages als Erfolg gefeiert, da eben 168 Opfer des Anschlages einem toten Rechtsextremisten gegenüberstehen.

Literaturtipps:
Agentur für soziale Perspektiven (Hg.): Das Versteckspiel (ständig neue Aufl.); online unter: http://www.dasversteckspiel.de Pörksen, Bernhard: Die Konstruktion von Feindbildern. Zum Sprachgebrauch in neonazistischen Medien, Wiesbaden (Westdeutscher Verlag), 2000. Schuppener, Georg (Hg.): Sprache des Rechtsextremismus. Spezifik der Sprache rechtsextremistischer Publikationen und rechter Musik, Leipzig (Wissenschaftsverlag Hamouda), 2008.
Verfasst von Prof. Dr. Thomas Grumke für das Glossar der Bundesprogrammseite von kompetent. für Demokratie.
Überarbeitet und aktualisiert von Prof. Dr. Thomas Grumke für das Glossar von BIKnetz - Präventionsnetz gegen Rechtsextremismus [Stand Dezember 2012]