Zum Inhalt springen Zum Hauptmenü springen Zum Servicemenü springen

Glossar

Chauvinismus

Chauvinismus meint umgangssprachlich die übertriebene männliche Selbstdarstellung, eine Begriffsverwendung, die durch die militante US-amerikanische Frauenbewegung geprägt wurde und sich polemisch gegen den Überlegenheitsanspruch des Mannes in der Gesellschaft richtet. Ursprünglich bezeichnet der Begriff jedoch einen übersteigerten Nationalismus , bei dem sich Angehörige einer Nation allein aufgrund dieser Zugehörigkeit anderen Nationen gegenüber überlegen fühlen.

Chauvinismus ist oft mit Hass und Verachtung gegenüber anderen Völkern oder Nationen verbunden. Er basiert auf einer Ideologie der Ungleichwertigkeit, nach der z. B. die eigene Überlegenheit gegenüber einer bezüglich Wohlstand, Bildung oder Abstammung als minderwertig empfundenen "niedriger" stehenden Gruppe proklamiert wird. Ein anderes Phänomen ist die übertriebene Inszenierung moralischer Überlegenheit gegenüber einer als arrogant oder dekadent empfundenen "höher" stehenden Gruppe. Diese Überlegenheit muss nicht real zutreffen.

Das Wort Chauvinismus leitet sich vom Namen des Rekruten Nicolas Chauvin ab, der in der Armee von Napoléon Bonaparte diente, 17-mal verwundet wurde, und dessen übersteigerter Idealismus und Patriotismus Vorbild für eine gleichnamige Komödienfigur im französischen Lustspiel "La cocarde tricolore" von 1831 wurde. Chauvinismus ist oft Merkmal von Nationen, bei denen zwischen der Entwicklung der Idee einer Nation und der Bildung des Nationalstaats ein größerer Zeitraum liegt (z. B. das Deutsche Reich). Das führt dazu, dass die Idee der Nation häufig sehr radikal, emotionalisiert und idealisiert, und durch Propaganda übersteigert wird und die Minderwertigkeitsgefühle eines Kollektivs so kompensiert werden.

Chauvinismus äußert sich u. a. in der Auffassung, dass die eigenen Interessen gegenüber anderen Gruppen stärker durchgesetzt werden sollten. In politischem Handeln drückt sich das z. B. in einer aggressiven Außenpolitik aus, die vorrangig die eigenen Interessen und Ziele verfolgt. Innerhalb einer Gesellschaft spricht man zudem von sozialem Chauvinismus, wenn eine Gruppe die eigene Überlegenheit gegenüber anderen Teilen der Gesellschaft beansprucht.

Das äußert sich z. B. in der Ansicht, dass zuerst Deutsche in Deutschland Arbeitsplätze haben sollten, und dann die anderen. Andere Formen von Chauvinismus finden sich u. a. in Bezug auf Religion oder Sprache.

Literatur:
Decker, Oliver/Brähler, Elmar: Vom Rand zur Mitte. Rechtsextreme Einstellungen und ihre Einflussfaktoren in Deutschland, Berlin 2006. Schubert, Klaus/Martina Klein: Das Politiklexikon. 4., aktual. Aufl., Bonn 2006.
Verfasst von Romy Wöhlert für das Glossar der Bundesprogrammseite von kompetent. für Demokratie.
Durchgesehen von Romy Wöhlert für das Glossar von BIKnetz - Präventionsnetz gegen Rechtsextremismus [Stand Dezember 2012].