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Politische Vortrags- und Diskussionsreihe in Heusenstamm

Datum: 28. August 2017 - 16. Oktober 2017

Ab Ende August wird in Heusenstamm eine politische Vortrags- und Diskussionsreihe stattfinden, welche sich aktuellen politischen Themen im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben! - Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit", widment. Insgesamt fünf Referentinnen und Referenten werden auf verschiedene Themenkomplexe eingehen und diese darstellen - abschließend bietet sich die Möglichkeit Fragen an die Referent_innen zu richten oder generell über Inhaltliches zu diskutieren.

Die Veranstaltungen sind kostenlos, alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

Montag, 28. August 2017; 19:00 Uhr

Benjamin Böhm: "...wir sind die Guten"? - Antisemitismus nach Auschwitz in der (west-)deutschen außerparlamentarischen Linken unter besonderer Berücksichtigung der RAF

"Auch wenn Sie's nicht vermuten. Wir sind die Guten": So lautete ein beliebter Sponti-Spruch der Siebziger Jahre. Für den Großteil der linken Bewegung, der stets der Meinung war, das Gegenteil der nationalsozialistischen Ideologie zu vertreten, war und ist es unvorstellbar, dass  Antisemitismus in der Linken möglich sein könnte. Die neuere politikwissenschaftliche Forschung hat jedoch bereits in den Neunziger  Jahren herausgearbeitet, dass die Genese bestimmter Teile der Bewegung eine Gelegenheitsstruktur für einen ,Antisemitismus  nach Auschwitz' von Links geschaffen hat, der sich besonders in den sektenhaften Zerfallsprodukten der linken Bewegung nach 1968 nachweisen  lässt. Der Vortrag zeigt auf, auf welcher ideologischen Basis sich ein Antisemitismus nach 1945 entwickeln konnte und wie sich dieser insbesondere  in den westdeutschen K-Gruppen artikulierte.

Benjamin Böhm (Politologe/Soziologe M.A., Sozialarbeiter B.A.) forscht zu den Themen Antisemitismus, Antiziganismus, Stadtsoziologie und  Klassenanalyse, arbeitet als Sozialarbeiter und publiziert dann und wann journalistische Texte, z.B. unter http://www.bohemeben.wordpress.com

Montag, 04. September 2017; 19:00 Uhr

Beate Kremser: Politische Meinungsbildung im Internet: Fakt oder Fake? Glaube nicht alles was du liest!

Falschnachrichten gab es schon immer, sie sind kein neues Phänomen, allerdings bekommen sie eine neue Dimension im Kontext von Sozialen Medien. Vor allem im Internet verbreiten sich Falschmeldungen sehr schnell und werden oft unreflektiert geteilt und kommentiert. Der Kontext einer Meldung wird bewusst ausgeblendet oder Inhalte überspitzt. Fotos und Videos werden manipuliert oder aus dem eigentlichen Zusammenhang gerissen. Viele Jugendliche vertrauen den Medien und verlassen sich darauf das die Inhalte stimmen. Dies wird oftmals ausgenutzt um Meinungen zu manipulieren oder Stimmung gegen bestimmte Personen zu machen. Auch nerven im Alltag die vielfältigen Kettenbriefe mit falschen Informationen. In dem Vortrag werden praktische Handlungstipps zum Umgang mit FakeNews und Hasskommentaren gegeben. Wie kann ich eine Falschmeldung erkennen? Welche Schritte sind nötig um sicher zu sein, ob es sich um eine echte Meldung handelt. Was tue ich, wenn ich eine Nachricht als falsch enttarnt habe? Welche Maßnahmen kann ich ergreifen um eine Weiterverbreitung zu verhindern?

Beate Kremser ist Medienpädagogin im Infocafé der Stadt Neu-Isenburg und Mitgründerin des Projekts "digitale Helden", seit 2006 arbeitet Fr. Kremser als freie Referentin zu den Themenbereichen Facebook, exzessive Mediennutzung, Onlinemobbing, Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen, Einsatz von Medien im Unterricht und Computerspielen.

Montag, 18. September 2017; 18:30 Uhr

Christian Ernst Weißgerber: Die "Neue Rechte": Geschichte, Strategien, Zielsetzung

Das Bild vom Nazi-Skinhead mit Bomberjacke hat sich angesichts von Rechtspopulisten, Pegida und Identitärer Bewegung vollends als veraltetes Stereotyp offenbart. Zeitgenössische rassistische und nationalistische Politikformen haben andere Symbole, Argumentationsweisen und Vorbilder entwickelt. Doch hinter der Fassade des neuen Anstrichs verbirgt sich die Kunst, Ewiggestriges mit vermeintlich unverfänglichen Labels zu versehen und das immer Geliche mit neuen Namen anzurufen.

In der Abendveranstaltung berichtet Christian Ernst Weißgerber, aufbauend auf seinen Erfahrungen in der organisierten Neonazi-Szene der autonomen Nationalisten, über ideologische und personelle Überschneidungen mit der Neuen Rechten in Deutschland und Europa, analysiert deren Strategien und versucht gemeinsam mit dem Publikum Präventions- und Widerstandsstrategien zu skizzieren.

Montag, 09. Oktober 2017; 19:00 Uhr

Oliver Gottwald: Reichsbürger Reloaded - Zielsetzung, Gefährdungspotenzial und Gegenstrategien. Anaylse der Aktivitäten in Heusenstamm und Umgebung

Spätestens seit den tödlichen Schüssen von Georgensgmünd im Oktober 2016 sind die sogenannten „Reichsbürger“ in aller Munde. Und wenn über Reichsbürger in Hessen berichtet wird, wird regelmäßig Heusenstamm erwähnt. Wer sind die sogenannten Reichsbürger? Was glauben die - und warum glauben die das? Sind das alles Rechtsextremisten? Wie viele Reichsbürger gibt es in Deutschland, in Hessen - und in Heusenstamm? Ist Heusenstamm eine Hochburg der Reichsbürger? Welche Gefahren gehen von den Reichsbürgern aus - und was kann man gegen sie unternehmen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der Offenbacher Blogger und „Reichsbürger“-Experte Oliver Gottwald in seinem Vortrag.

Oliver Gottwald ist von Beruf Diplom-Rechtspfleger und beobachtet die Szene der reichsideologischen Verschwörungstheoretiker seit mehr als 10 Jahren. War dies für den ehemaligen Studenten der Politikwissenschaften zunächst ein Hobby, so ist daraus inzwischen ein Nebenberuf geworden. Gottwald bildet Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes im Umgang mit Reichsbürgern aus, hält Vorträge und berät Medien als Experte und unterstützt deren Recherche. Daneben betreibt er den Blog http://eisenfrass.wordpress.com, auf dem er sich seit 2013 kritisch mit Thesen und Protagonisten dieser „antideutschen Verschwörungstheorie“ auseinandersetzt.

Montag, 16. Oktober 2017; 19:00 Uhr

Alice Blum: Frauen in der extremen Rechten: unterschätzt und übersehen

Beim Wort „Rechtsextremismus“ sind es häufig die gleichen Bilder, die einem in den Sinn kommen: gewalttätige, martialisch auftretende Männer, die das Volk verteidigen wollen. Dieses Bild wird rechten Szenen nicht im Ansatz gerecht. Es gibt nicht nur die eine Form der extremen Rechten und auch nicht nur den einen „rechten Mann“, vielmehr stellt sich eine Vielzahl von Männlichkeiten dar, die es zu betrachten gilt. Auch Frauen sind aktiver Teil rechter Bestrebungen und nehmen hier sehr unterschiedliche Funktionen ein. Die Vorstellung des „Heimchens am Herd“ ist längst überholt und so mischen Frauen beispielsweise als Publizistinnen, Zeitzeuginnen der sogenannten “Erlebnisgeneration“ oder auch Straßenkämpferinnen in rechten Szenen mit. Der Beitrag will diese Rollen und Funktionen genauer beleuchten, um auch Fragen dahingehend zu diskutieren, wie bspw. Prävention gendersensibel geschehen kann.

Alice Blum ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Promovendin am Insitut für allgemeine Erziehungswissenschaft an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Neue und völkische Rechte, sowie Genderkonstruktionen innerhalb der extremen Rechten und deren Geschlechterpolitiken.

Veranstaltungsort

Alle Veranstaltungen finden statt im

Rathaus - Großer Sitzungssaal
Im Herrngarten 1
63150 Heusenstamm

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Partnerschaft für Demokratie der Stadt Heusenstamm statt und wird unter anderem gefördert aus Mitteln des Bundesprogramms „Demokratie leben!“.