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Ich liebe, wie ich will!

Das Projekt „All included!“ engagiert sich für die Wertschätzung vielfältiger Lebensweisen

Spielen Geschlechterrollen eine Rolle? Was bedeutet Familie für mich? Warum ist es so schwer, als lesbisches oder schwules Paar, ein Kind zu adoptieren? Kinder und Jugendliche haben viele Fragen zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt, aber sie haben noch mehr Antworten. Das wurde auf der Kinder- und Jugendkonferenz „All included!“ Anfang August im Berlin-Schöneberger Jugend Museum ganz deutlich.

Es war ein ganz besonderer Bilanzauftakt des fünfjährigen Modellprojektes „All Included“: Kinder und junge Erwachsene zwischen 12 und 21 Jahren organisierten die Konferenz für Gleichaltrige. In verschiedenen Workshops setzten sie sich sehr ernsthaft und reflektiert mit den selbst gewählten Themen auseinander: wie Gesellschaft und Medien Geschlechterrollen festschreiben, wie tabu gleichgeschlechtliche Liebe immer noch in der Familie ist oder warum eine Namensänderung für Transmenschen so lange dauert.

Herzstück des Modellprojektes „All Included - Museum und Schule gemeinsam für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt“ sind Geschlechterrollen, Identitäten und die Frage, wie vielfältig Liebe gelebt werden kann. Dafür entwickelt und erprobt das Jugend Museum in Berlin-Schöneberg seit fünf Jahren gemeinsam mit Schulen, Universitäten und Museen verschiedene Bildungsangebote  für Schülerinnen und Schüler ab der 5. Klasse.

 „Wir machen keine Wunder. Man kommt hier nicht rein als homosexuellenfeindlicher Mensch und geht raus und begrüßt alle, die irgendwie queer leben, aber es wird zumindest etwas ausgelöst.“


Ellen Roters, Projektleiterin „ALL INCLUDED“

Tara wünscht sich eine tolerantere Gesellschaft

Ziel des Projektes ist es auch, unter dem Aspekt der Antidiskriminierungsarbeit denjenigen Jugendlichen eine Stimme zu geben, die gleichgeschlechtlich lieben. So wie die sechzehnjährige Tara, die die Konferenz als Moderatorin begleitete. Über ihre Schul-AG "kreuz und queer" hat sie das Projekt kennengelernt. Am besten gefällt ihr an „All included“, mit Gleichaltrigen in den Austausch zu gehen und anderen Schülerinnen und Schülern davon zu erzählen, die sich damit bisher nicht auseinandergesetzt haben. Sie hofft, wenn sie in dem kleinen Umfeld Schule dafür sensibilisieren kann, dass auch die Toleranz gegenüber sexueller und geschlechtlicher Vielfalt in der Gesellschaft wächst.

Auch Erwachsene wissen noch viel zu wenig über sexuelle Vielfalt

In kurzen Theaterstücken, einer Talkshow oder als nicht enden wollende Checkliste auf Papier – auf kreative Weise präsentierten die Kinder und Jugendlichen ihre Forderungen an die Erwachsenen: mehr Diversität von Familien in Büchern und anderen Kindermedien oder frühe Aufklärung in Kindergärten und Schule über die Vielfalt sexueller Lebensweisen. Zur Präsentation der Ergebnisse kamen viele Vertreterinnen und Vertreter aus dem Berliner Senat, der Forschung, dem Bundesprogramm "Demokratie leben!" und der Bildungsarbeit. Die Erwachsenen wollten schließlich wissen, was Kinder und Jugendliche zu sagen haben.

Auch kritisierten viele Schülerinnen und Schüler, dass die Thematik an Schulen noch oft ignoriert wird, Lehrerinnen und Lehrer nicht genug sensibilisiert sind oder darüber zu wenig wüssten. Sie wünschten sich mehr Fortbildungen von Personen in pädagogischen Bereichen. Daher entwickelte das Projekt-Team spezielle Toolkits oder das All Included mobil. So können Lehrkräfte und Multiplikatorinnen gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen einen spielerischen Zugang zum Thema sexuelle und geschlechtliche Vielfalt im Unterricht erproben.

Sei Teil von divers: Partizipation als Prinzip

Die Idee einer Kinder- und Jugendkonferenz spiegelt den innovativen Ansatz dieses Projekts wider: Nämlich interaktiv mit der Zielgruppe zu arbeiten und sie selbst zu Wort kommen zu lassen. Neben Bildungsmaterialien sind Werkschauen und die Anfang 2019 eröffnete Ausstellung „diversCITY!“ im Schöneberger Jugend Museum ein Teil von „All included!“. Mit einem Blick in die Stadt- und Kulturgeschichte des für seine vielfältige Lebensweise bekannten Berliner Bezirkes Schöneberg wird den Kindern und Jugendlichen spielerisch und interaktiv historisches Wissen vermittelt. Dadurch lernen sie, die Diversität des eigenen unmittelbaren Lebensraums wertzuschätzen und setzen sich gleichzeitig mit eigenen Vorurteilen auseinander.

 „Das sind Ergebnisse aus Workshops, die mit Kindern und Jugendlichen erfolgt sind. Und dies ist (...) ein partizipativer Ansatz – sehr bemerkenswert und das zweite ist, das dieses Partizipative (...) auch auf das Publikum übertragen wird.“


Dr. Tobias Nettke von der HTW Berlin über die erste interaktive Werkschau

Ein Projekt an der Schnittstelle von Bildung und Kultur

Geschichts- und Lernwerkstätten, kreative Workshops, öffentliche Werkschauen und die interaktive Ausstellung „diversCITY!“: Alle diese Einzelprojekte laden das Publikum ein selbst mitzumachen und eigene Erkenntnisse und Erlebnisse miteinzubringen. Auf kreative Weise wird der eigene Blickwinkel hinterfragt und die Vielfältigkeit sexueller und geschlechtlicher Lebensweisen sichtbar. Schließlich geht es in „All included“ darum, Vorurteile abzubauen und Homosexuellen- und Transfeindlichkeit entgegenzuwirken.