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Aufhören oder Weitermachen?

Aus 180 Grad Wende „R“ entsteht das Projekt „Keepers"

Ein engagiertes Mitglied des Präventionsprojektes 180 Grad Wende, Bild: 180 Grad Wende / Jugendbildungs- und Sozialwerk Goethe e.V.

180 Grad Wende ist eine von jungen Menschen gegründete Initiative aus Köln, die Hilfe für junge Menschen in persönlichen Krisensituationen anbietet. Die bereits mit mehreren  Preisen ausgezeichnete Projektidee zur Radikalisierungsprävention fand von Beginn an sehr großen Zuspruch. Dieser Erfolg war zugleich die größte Herausforderung.

Angestoßen durch ein Pilotprojekt zur Konfliktbewältigung wurde 2012 die Initiative 180 Grad Wende „R“ gegründet, um verschiedene ehrenamtliche Hilfsangebote zu bündeln. Herzstück ist ein Netzwerk von jungen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, die Jugendliche durch den „peer to peer”-Ansatz erreichen und Zugang zu Hilfsangeboten von Behörden, Institutionen und Beratungsstellen vermitteln. Bereits in den ersten Jahren erreichte die Initiative sehr viele junge Erwachsene im Kölner Raum. Daraufhin wandten sich weitere Interessierte aus Kommunen, Schulen und Gemeinden aus ganz NRW an die Gründerinnen und Gründer mit dem Wunsch, 180 Grad Wende auch in anderen Städten und Gemeinden zu etablieren.

„Für die Akquise sind wir ins Auto gestiegen und in verschiedene Städte gefahren, um unsere Projektidee ‚Keepers‘ vorzustellen.“ (M. Berrisoun, Gründer 180 Grad Wende)


Um die hohe Nachfrage bewältigen zu können, haben die Initiatorinnen und Initiatoren ihre Angebote ausgebaut und erweitert. Schnell kamen dabei alle Beteiligten an ihre Belastungsgrenzen, denn es fehlten personelle Kapazitäten für die Umsetzung weiterer Vorhaben. Die Initiative stand vor einem Wendepunkt: aufhören oder die Arbeit unter anderen Voraussetzungen fortführen? Und wie könnte eine Fortsetzung des Projektes konkret aussehen? Ein Beratungsgespräch mit dem Deutschen Jugendinstitut (DJI) brachte die ausschlaggebende Idee, sogenannte Keepers auszubilden. Nach einer Art Franchising werden Personen als Keepers qualifiziert, die dann in ihrem jeweiligen Wohnort ein langfristiges Projekt initiieren und umsetzen.

Also besuchten die Gründerinnen und Gründer Arbeitskreise, Moscheen und Schulen vor Ort, um das Keepers-Projekt vorzustellen. Ziel war es, Interessierte zu qualifizieren, die wissen, welche Hilfsangebote vor Ort benötigt werden und selbst aktiv werden wollen. Bereits in Gelsenkirchen, Leverkusen, Dortmund/Lünen, Leichlingen sowie Düsseldorf wurden Keepers erfolgreich ausgebildet.

Eigendynamik lässt neue Projekte entstehen.

In Leverkusen initiierte ein Keeper aufgrund der wachsenden Jugendarbeitslosigkeit ein Angebot, das junge Menschen bei der Arbeitsmarktintegration unterstützt. So entstand der „Pluskurs“. Die Initiatorinnen und Initiatoren begleiteten den Keeper bei der Planung sowie praktischer Umsetzung und vernetzten ihn mit anderen Engagierten. Das Pluskurs-Angebot ist ein gutes Beispiel dafür, wie Projekte eine Eigendynamik entfalten und von selbst wachsen. Die Herausforderung dabei war und ist, einerseits die Dynamik einer zivilgesellschaftlichen Initiative zu bewahren und andererseits den Weg der Institutionalisierung zu gehen, um die größer werdende Community und die damit einhergehende Arbeit zu koordinieren.

„Dass wir heute eine eigene Beratungsstelle haben und Maßnahmen in Justizvollzugsanstalten und vieles mehr anbieten würden, hätten wir am Anfang nicht gedacht. Das sind Prozesse, die sich erst im Laufe der Arbeit entwickelt haben, als wir aus der Zielgruppe heraus den Bedarf feststellen konnten.“ (M. Berrisoun, Gründer 180 Grad Wende)


Die größte Herausforderung liegt aber darin, genügend Ressourcen für die Arbeit zu gewinnen und dauerhaft zu sichern. Einige Projekte mussten reduziert werden, weil schlicht und einfach die finanziellen Mittel fehlten. Manchmal besteht sie aber auch darin, die Balance zwischen Eigenmitteln und Kofinanzierung im Blick zu behalten. Für kleine Träger mit vielen verschiedenen Vorhaben ist dies nicht immer einfach. Die Förderung durch Bund und Land kann helfen, diese Arbeit aufrechtzuerhalten.
(Bild oben: Ein engagiertes Mitglied des Präventionsprojektes 180 Grad Wende, ©180 Grad Wende / Jugendbildungs- und Sozialwerk Goethe e. V.)

Was sind Keepers?

Keepers sind junge, ehrenamtlich Engagierte, die in ihren Vierteln soziale Veränderungen anstoßen möchten. Oftmals fehlen jedoch der Rahmen und die Erfahrung, um ein Projekt umzusetzen. Hier greift die langjährige Expertise des Projektes 180 Grad Wende. Die angehenden Keepers werden vom Projektteam der 180 Grad Wende ausgebildet und darauf vorbereitet, in ihrem Umfeld ein nachhaltiges Engagement zu realisieren. So können sie als Leitungsteams die Sache selbst in die Hand nehmen und ihrerseits ein Netzwerk von Engagierten aktivieren. Keepers werden zusätzlich durch Schlüsselpersonen aus der Gesellschaft unterstützt: Lehrerinnen und Lehrer, Jugendhelferinnen und -helfer, Unternehmerinnen und Unternehmer, Mütter, Väter oder Imame. Zusammen bilden sie ein starkes überregionales Netzwerk, das Projekte plant und Erfahrungen austauscht. Auf diese Weise können im jeweiligen Keepers-Standort Mitläufer der Szene und gefährdete Jugendliche erreicht und Alternativen aufgezeigt werden.

Weitere Informationen zum Projekt „Keepers"

Weitere Informationen zu 180 Grad Wende