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„Zu sehen, wie sich junge Menschen engagieren, gibt Hoffnung.“

Mirko Petrick, Fach- und Koordinierungsstelle der Partnerschaft für Demokratie Stadt Halle (Saale)

Im Gespräch gab uns Mirko Petrick Auskunft über seinen Werdegang, seine bisherigen Projekte und seine Pläne für die Partnerschaft für Demokratie Stadt Halle (Saale).


Mikro Petrick beim HALLIANZ Spendenlauf, Bildnachweis: Privat
Mikro Petrick beim HALLIANZ Spendenlauf, Bildnachweis: Privat

Bitte stellen Sie sich kurz vor und beschreiben Sie Ihre Funktion/Rolle in der Partnerschaft für Demokratie Halle (Saale)?

Mein Name ist Mirko Petrick, ich bin 44 Jahre alt, bin im Havelland geboren und aufgewachsen und lebe seit 1989 in der Stadt Halle (Saale).

 

Die Partnerschaft für Demokratie der Stadt Halle (Saale), welche den Eigennamen HALLIANZ für Vielfalt trägt, gestalte ich seit 2007 inhaltlich mit. Seit 2011 bin ich als interne Koordinierungsstelle unabhängig vom federführenden Amt und mit Unterstützung einer externen Fachstelle gesamtkoordinierend für die HALLIANZ für Vielfalt zuständig.

Wie sind Sie zu ihrer Tätigkeit gekommen? Waren Sie bereits vorher im Themenfeld aktiv? Gab es für Sie ein prägendes Ereignis?

In meinen ersten Berufsjahren habe ich als Streetworker u. a. mit rechtsorientierten und rechtsextremen Jugendlichen gearbeitet. Diese Arbeit hat mich dahingehend bestärkt, dass in diesem Themenfeld sehr viel zu tun ist und dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hierbei große Unterstützung benötigen. Die Erfahrungen in diesem Arbeitsbereich zeigten mir, dass demokratiefördernde Prävention unabdingbar ist, und dass junge Menschen, die in rechten Szenen gefangen scheinen, punktuell aus den Szenen herausgeholt werden können.

 

Auch wenn es eine sehr feinfühlige Gratwanderung ist, ist es grundlegend immer sinnvoll, Menschen mit verlässlichen Alternativangeboten und starken Bindungen bzw. Beziehungen einen Ausstieg aus rechten Szenen zu ermöglichen. Für mich war es persönlich extrem motivierend, zu erleben, wie sich ein junger Mensch peu à peu dem extremen und sehr gewalttätigen Milieu entzieht.

Welche Pläne haben Sie für 2017 in der Partnerschaft für Demokratie in Halle (Saale)? Wo wollen Sie die Schwerpunkte setzen?

Pläne für das Jahr 2017 gibt es zahlreiche, wobei die nachhaltige Verankerung sowohl in kommunale Entwicklungskonzepte bzw. kommunale Strukturen als auch die stetige Steigerung der öffentlichen Wahrnehmung im Vordergrund stehen. Schwerpunkte im laufenden Jahr sind dabei die Etablierung einer neu gegründeten Jugendjury, die auch die lokale Demokratiekonferenz (HALLIANZ Forum) gemeinsam mit der Koordinierungs- und Fachstelle vorbereitet, eine mit allen Beteiligten gemeinsam entwickelte Strategie zur Öffentlichkeitsarbeit sowie die Weiterentwicklung und Etablierung der Bildungswochen gegen Rassismus als gemeinsames strategisches Projekt vom Bündnis Halle gegen Rechts und der HALLIANZ für Vielfalt.

Was treibt Sie persönlich in Ihrer Arbeit an? Was motiviert Sie an Ihrer Tätigkeit besonders? Hatten Sie bei Ihrer Tätigkeit besondere Erfolgserlebnisse?

Insbesondere die Arbeit mit jungen Menschen erlebe ich immer wieder als antreibend, motivierend und vor allem als sehr erfrischend. Zu sehen, wie sich junge Menschen engagieren und in demokratische Prozesse sowie in die vielfältigen Projekte einbringen, gibt Hoffnung und Zuversicht zugleich.

 

Wenn ich etwas als besonders hervorheben kann, ohne dabei die zahlreichen Projekte als weniger besonders bezeichnen zu wollen, dann ist es die Organisation unseres jährlichen HALLIANZ Spendenlaufes, bei dem sich seit 5 Jahren immer wieder hunderte Läuferinnen und Läufer für Demokratie, Weltoffenheit und Toleranz einsetzen und persönlich Gesicht für eine weltoffene Stadt und gegen Rassismus zeigen.

Worin sehen Sie persönlich die größte Herausforderung bei Ihrer Tätigkeit?

Die größte Herausforderung bleibt wohl der lange Atem, den wir benötigen, um das demokratische Miteinander positiv zu befördern und ein Abdriften der Gesellschaft in extreme bzw. diktatorische Tendenzen zu vermeiden.

Die Stadt Halle (Saale) war auch schon in den Vorgängerprogrammen „Vielfalt tut gut“ und TOLERANZ FÖRDERN – KOMPETENZ STÄRKEN beteiligt. Welche Zwischenbilanz kann man nach 10 Jahren Arbeit für Vielfalt, Demokratie und Toleranz in der Stadt ziehen?

Durch die Bundesförderung aus den verschiedenen Programmen konnten in der Stadt Halle (Saale) einerseits lokale Entwicklungslinien zur präventiven Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus fortgesetzt werden, andererseits aber auch neue Akzente bei der Förderung von Demokratie, Toleranz, Bürgerengagement und gesellschaftlicher Teilhabe gesetzt werden.

 

Die HALLIANZ für Vielfalt konnte seit 2007 eine Vielzahl von Projekten und Veranstaltungen umsetzen, dadurch einen lokalen Bekanntheitsgrad erlangen und vor allem die Kooperation bzw. Vernetzung der verschiedenen Akteure weiter stärken. Die Umsetzung sowohl von strategischen Projekten als auch von Mikroprojekten ermöglichte einerseits die Entwicklung und Umsetzung nachhaltiger Strategien, andererseits auch die erfolgreiche Aktivierung neuer Akteure sowie die Erprobung neuer Methoden im Themenfeld wie z. B. die Förderung des Kinder- und Jugendrates als städtisches Beteiligungsgremium oder Aufbau und Verstetigung einer Youthbank für Jugendinitativen im präventiven Freizeitbereich.

Wenn Sie aus Ihren Erfahrungen in der Partnerschaft für Demokratie in Halle (Saale) schöpfen – welche Tipps würden Sie anderen Partnerschaften für Demokratie für deren Arbeit mit auf den Weg geben?

Tipps zu geben, ist nicht immer so leicht, letztendlich bedarf es stets lokal angepasster Entwicklungen und Vereinbarungen. Die Gebietskörperschaften sind meines Erachtens nicht 1 zu 1 vergleichbar. Die für uns wichtigste Erfahrung in all den Jahren ist die, dass Demokratieförderung über Projekte sowie eine verlässliche Vernetzungsarbeit unseres Erachtens nicht ohne eine strukturelle Basis funktionieren.

 

Es benötigt dauerhaft verankerte Strukturen (sowohl personell als auch sachlich), um möglichst viele Menschen an strategischen Prozessen zu beteiligen sowie in ihrem Engagement für eine weltoffene Stadt zu unterstützen. Wenn dies gegeben ist, dann finden sich auch viele Menschen, die sich mit hohem Engagement und leidenschaftlicher Begeisterung am demokratischen Miteinander beteiligen.