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„Wir Demokratinnen und Demokraten sind immer noch die Mehrheit“

Rebecca Weis, Geschäftsführerin und Vorstandsmitglied von Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland e. V.

Im Gespräch gab uns Rebecca Weis Auskunft über ihren Werdegang, ihre bisherigen Projekte und die Zukunftspläne von Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland e. V.


Portrait Rebecca Weis, Bildnachweis: Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland e. V.
Portrait Rebecca Weis, Bildnachweis: Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland e. V.

Bitte stellen Sie sich kurz vor und beschreiben Sie Ihre Funktion/Rolle bei Gesicht Zeigen!

Mein Name ist Rebecca Weis, ich arbeite in einem Zweierteam als Geschäftsführerin bei Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland. Der Verein wurde im Jahr 2000 gegründet und ich bin von Anfang an dabei.

Wie sind Sie zu Ihrer Tätigkeit gekommen? Waren Sie bereits vorher im Themenfeld aktiv? Gab es für Sie ein prägendes Ereignis?

Ich bin eher zufällig zu Gesicht Zeigen! gestoßen. Der Verein war gerade gegründet, da sprach mich meine heutige Kollegin an, ob ich mitmachen wolle. Ich war immer schon politisch interessiert und engagiert, besonders wenn es um Ungerechtigkeiten oder Ausgrenzung geht.

Außerdem war ich als Jugendliche einmal von Neonazis überfallen worden – auf offener Straße. Die Brutalität, mit der die auftraten, und die Gleichgültigkeit, mit der sie dann die Ermittlungen und den Prozess an sich abprallen ließen, hat mich nachhaltig erschüttert.

Was treibt Sie persönlich in Ihrer Arbeit an? Was motiviert Sie an Ihrer Tätigkeit besonders? Hatten Sie bei Ihrer Tätigkeit besondere Erfolgserlebnisse?

Natürlich möchte ich mich an der Gestaltung meiner Gesellschaft beteiligen, das ist doch selbstverständlich. Ich bin zutiefst überzeugt, dass jeder und jede etwas beitragen kann und soll – sonst wird das nichts mit einem friedlichen Zusammenleben.

 

Und immer wieder lerne ich bei unseren vielen verschiedenen Projekten tolle und engagierte Menschen kennen, das beflügelt mich und gibt mir Hoffnung. Ich brenne für unser Thema und es ist immer wieder toll, wenn wir es schaffen, dass andere sich mit uns engagieren und an unserer Seite sind.

Worin sehen Sie persönlich die größte Herausforderung bei Ihrer Tätigkeit?

Wir brauchen einen sehr langen Atem. Und die größte Herausforderung ist es, die kleinen Erfolge zu sehen und zu würdigen. Niemals hätten wir gedacht, dass Bewegungen wie Pegida und Aussagen, die jetzt von anderen politischen Akteurinnen und Akteuren kommen, so anschlussfähig sind für viele Menschen.

 

Aber wir Demokratinnen und Demokraten sind immer noch die Mehrheit, wir müssen lauter werden. Die größte Herausforderung ist, die schweigende Mehrheit zu aktivieren. Alle, die sich zurücklehnen, machen es sich zu einfach. Wir alle müssen mehr Gesicht zeigen!

Gesicht Zeigen! gibt es schon seit fast 17 Jahren. Wie hat sich innerhalb dieses langen Zeitraumes die Arbeit gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus und rechtsextreme Gewalt verändert? Haben sich die Schwerpunkte verschoben, gibt es neue Herausforderungen?

Als wir anfingen, sahen viele den aufkommenden Rechtsextremismus als temporäres Problem an, das vorwiegend in den neuen Bundesländern auftrat. Vieles wurde totgeschwiegen, toleriert und nicht so ernst genommen. Heute wissen wir, es ist ein Dauerbrenner in allen Teilen Deutschlands und allen Teilen der Gesellschaft.

 

Und wir alle müssen unsere Demokratie verteidigen. Vieles, was jahrelang selbstverständlich schien - Europa, Respekt vor politisch Andersdenkenden, zivilisierter Dialog zu den gesellschaftlichen Fragen - scheint einer sehr lauten Minderheit gar nichts zu bedeuten. Der Ton hat sich dramatisch verschärft, das erschreckt mich sehr, aber es weckt auch meinem Kampfgeist!

Gesicht Zeigen! wird seit dem Start von „Demokratie leben!“ in seiner Strukturentwicklung zum bundeszentralen Träger gefördert und war auch am Vorgängerprogramm TOLERANZ FÖRDERN - KOMPETENZ STÄRKEN beteiligt. Wenn Sie aus Ihren Erfahrungen schöpfen – welche Tipps würden Sie anderen Initiativen für deren Arbeit mit auf den Weg geben?

Niemals entmutigen lassen!