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„SHEROES“ - gemeinsam mit Betroffenen gegen Gewalt im Namen der Ehre

Kontaktdaten

Türkisch-Deutscher Frauenverein e. V.
Postfach 410266
12112 Berlin
Tel: 030 610266
info(at)papatya.org


Themenfeld

Empowerment zur demokratischen Teilhabe


Projektziele

Das Modellprojekt „Sheroes – Gemeinsam mit Betroffenen gegen Gewalt im Namen der Ehre“ entwickelt Empowermentstrategien für Betroffene von ehrbezogener Gewalt. Fälle von Verschleppung werden systematisch erfasst und ausgewertet, um Kenntnisse über deren Ausmaß zu erhalten und Präventionsmöglichkeiten zu verbreiten.
Die Unterstützung von jungen Menschen, die sich von unterdrückenden Traditionen befreien wollen, ist ein wichtiger Beitrag für das Empowerment dieser Personen, die aufgrund ihrer   familiären oder eigenerlebten Migrationsbezüge von Diskriminierung betroffen sind.

Junge Geflüchtete kommen zum Teil bereits in einer Zwangsehe in Deutschland an oder müssen befürchten, hier schnellstmöglich von ihren Eltern verheiratet zu werden.

Im traditionellen Ehrkontext nicht akzeptiert sind gleichgeschlechtliche Liebesbeziehungen. Aber auch heterosexuelle Paare, deren Beziehung von der Familie nicht toleriert wird, müssen mit erheblichen Sanktionen rechnen.

Sheroes bietet für diese jungen Menschen spezialisierte Beratung und Schutz vor Gewalt im Namen der sogenannten Familienehre. Das Team der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verfügt über langjährige Erfahrung in diesem Bereich, ist multikulturell zusammengesetzt und kann in verschiedenen Sprachen Beratung anbieten. In sensibler Beratung werden individuelle Lösungen für den Einzelfall gesucht.

In Kooperation mit Botschaften, Polizei und Jugendämtern wird in Fällen von Verschleppung ins Herkunftsland die Rückkehrmöglichkeit nach Deutschland ausgelotet und Handlungsstränge erprobt. Das Modellprojekt arbeitet bundesweit und ist über eine Online-Beratung auch vom Ausland erreichbar. Sheroes kooperiert mit Frauenrechtsorganisationen innerhalb und außerhalb Europas, um Betroffenen Schutz und Hilfe zu bieten.


Handlungskonzept

Das Modellprojekt hat drei Handlungsstränge:

  1. Spezialisierte Beratung für Betroffene von Gewalt im Namen der Ehre:Dabei werden insbesondere gezielt Paare, LGBTI* und neu zugewanderte Mädchen und junge Frauen angesprochen, die von Gewalt, Zwangsverheiratung und Verschleppung bedroht sind und bisher kaum Zugang zum Hilfesystem finden. Durch Nutzung neuer Techniken, wie smartphonefähige Websites, die über viele Wege und von vielen Orten rund um die Uhr zugänglich sind, werden anonyme und sichere Informations- und Beratungsmöglichkeiten angeboten.
  2. Empowermentstrategien und Peer-to-peer-Unterstützung für ein selbstbestimmtes Leben: Gemeinsam mit den Mädchen und jungen Frauen in der Kriseneinrichtung Papatya werden die Erfahrungen und die Entwicklung neuer Handlungsperspektiven reflektiert und anderen Betroffenen zur Ermutigung vermittelt.
  3. In Zusammenarbeit mit den Gleichstellungsbeauftragten von Berlin-Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg erhebt das Projekt erstmalig Zahlen und Fallbeschreibungen, die das Ausmaß von Zwangsverheiratung und Verschleppung verdeutlichen. Mit dem Ergebnis werden bezirklichen, kommunalen und gesamtstaatlichen politischen Entscheidungsträgern Handlungsvorschläge unterbreitet.

Auf einer Konferenz sollen die Ergebnisse der Befragung und Handlungsempfehlungen bei Gewalt im Namen der Ehre und Prävention vor Verschleppung und Zwangsverheiratung der Fachöffentlichkeit vorgestellt und mittels einer Broschüre einer breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.

Fortbildungen für Teams von Sozialarbeiterinnen und -arbeitern, Stadtteilmüttern und Lehrenden erhöhen die Sensibilität professioneller Helfer für die Probleme junger Menschen, die von ehrbezogener Gewalt betroffen sind, und ermöglichen präventives Vorgehen. Datenmaterial zu Verschleppung und Zwangsverheiratung sollen politische Entscheidungsträgerinnen und -träger auf die Problematik aufmerksam machen mit dem Ziel, nachhaltige spezialisierte Beratungs- und Schutzangebote bereitzustellen.