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Von Hausbesetzung zu Blockupy - (Dis)Kontinuitäten antisemitischer Deutungsmuster in der deutschen Linken

Kontaktdaten

Bildungsstätte Anne Frank (BAF)
Hansaallee 150
60320 Frankfurt am Main
Tel: 069 5600020
mmendel(at)bs-anne-frank.de
www.bs-anne-frank.de/projekte/antisemitismus-in-der-linken


Themenfeld

Linke Militanz


Projektziele

Antisemitismus in der bundesdeutschen Linken ist ein vielfach unterbeleuchtetes Thema mit großem Konfliktpotential. Obgleich es vielen gar nicht als Thema gilt, da es üblicherweise zum linken Selbstbild gehört, nicht antisemitisch zu sein, finden sich auch hier – und nicht nur in der sogenannten gesellschaftlichen  Mitte oder im rechten Milieu – diverse antisemitische Ressentiments, so etwa in der verkürzten Kritik am Kapitalismus, die wirtschaftliche Krisen auf eine vermeintliche ‚Gier‘ der Banken zurückführt, oder am Umgang mit dem Staat Israel, der beispielsweise  als ‚Brückenkopf des US-Imperialismus‘ im Nahen Osten denunziert wird. Zudem zeigt mancher linke Diskurs große Anschlussfähigkeit an Verschwörungstheorien.

So ist es wichtig, auch unter denjenigen eine kritische Selbstreflexion anzuregen, die sich selbst zunächst gar nicht als Teil des Problems wahrnehmen. Das erfordert die Erstellung spezifischer Bildungsmaterialien, die es ermöglichen sollen, aus einer innerlinken Perspektive an den eigenen Argumentations- und Affektstrukturen anzusetzen. Da es an solchen Materialien bisher mangelt, hat das Projekt Modellcharakter.


Handlungskonzept

Herzstück des Modellprojekts ist die Konzeption einer Wanderausstellung zum Thema Antisemitismus in der deutschen Linken.
Antisemitismuskritische Bildungsarbeit muss, will sie wirksam werden, eine Bewusstwerdung der eigenen Ressentiments anstoßen.

Der partizipative Ansatz des Modellprojekts „Von Hausbesetzungen zu Blockupy“ verfolgt die innovative Strategie, nicht über die radikale Linke zu sprechen, sondern innerhalb dieser Szene einen Prozess anzustoßen. Diesem Anspruch nach erfolgt die Konzeption der didaktischen Materialien entlang der Selbstbilder und Argumentationsmuster, welche aus der radikalen und militanten Linken selbst kommen und unter Einbeziehung von betroffenen Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die sich in diesem Milieu bewegen. Die Einbeziehung der Zielgruppe bei der Konzeption erfolgt über verschiedene Formate wie Gesprächsrunden, Interviews, öffentliche Veranstaltungen. Ein Meilenstein ist die Organisation einer Tagung im Mai 2018 zu Antisemitismus in der bundesdeutschen Linken seit 1968.

Der Fokus auf geschichtliche Kontinuitäten ist ein innovatives Moment des Projekts: Die Rückschau auf frühere Antisemitismen erfolgt nicht zwecks einer bloßen Geschichtsrekonstruktion, sondern immer vor dem Hintergrund ihrer Bedeutung für die radikale Linke heute: Es wird danach gefragt, welche Gefühlserbschaften und Argumentationen sich  tradiert haben. Die Geschichtlichkeit zeitgenössischer linker Antisemitismen aufzuzeigen, auch in Berücksichtigung ihres Entstehungskontextes, hilft dabei, sie zu dekonstruieren und letztlich abzulegen.

Die Ausstellung soll historisch informiert zu einer kritischen Reflexion linker Selbsterzählungen beitragen. Dabei wird ein Fokus auf der lokalgeschichtlichen Auseinandersetzung liegen, da Frankfurt am Main bis in die Gegenwart hinein Schauplatz verschiedener in dieser Hinsicht bedeutsamer Auseinandersetzungen war, wie etwa des Häuserkampfs oder der antikapitalistischen Blockupy-Bewegung.