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Präfix R - Radikalisierungspräventionsprogramm für Kinder inhaftierter Eltern

Kontaktdaten

ifgg - Institut für Genderreflektierte Gewaltprävention gGmbH Privatinstitut
Osloer Straße 12 - Aufgang A
13395 Berlin
Tel: 030 74773117
mail(at)ifgg-berlin.de

http://www.ifgg-berlin.de/praefix-r.htm


Themenbereich

Rechtsextreme Orientierung und Handlungen


Projektziele

Ein zentraler Impuls, das Modellprojektvorhaben Präfix R zu konzipieren, war die Erkenntnis, dass es nicht nur für inhaftierte Eltern kaum Angebote gibt, sondern dass auch ihre Kinder zu einer vernachlässigten, kaum beachteten Zielgruppe zählen. Die Kinder inhaftierter Eltern - so zeigen die Studienergebnisse – fühlen sich oftmals unter Druck, den Aufenthaltsort des Vaters oder der Mutter geheim zu halten, neigen dazu, sich zu isolieren und sind möglicherweise Mobbing ausgesetzt. Als Reaktion darauf zeigen sie wiederum auffälliges Verhalten und sind gefährdet, radikalisierte Gruppierungen aufzusuchen.

Präfix R richtet sich an Eltern, die

a) selbst radikalisierten rechtsextremen Gruppen angehören und bei denen davon auszugehen ist, dass sie ihre Überzeugungen an ihre Kinder weitergeben,

b) humanistische Grundwerte als Leitlinie ihrer Erziehungsprinzipien formulieren, jedoch beobachten, dass sich ihre Kinder radikalisierten Gruppen zuwenden.

Das Modellprojekt Präfix R hat es sich zum Ziel gesetzt, über die Arbeit mit den Eltern die Kinder inhaftierter Mütter und Väter in ihrer Erziehungskompetenz zu stärken und sie davor zu schützen, dass sie sich radikalisierten rechtsextremen Gruppen anschließen. Damit rückt Präfix R eine Zielgruppe in den Fokus, die einem besonderen Risiko ausgesetzt ist und gleichzeitig oft übersehen wird: die Kinder inhaftierter Eltern.


Handlungskonzept

Das Projekt Präfix R wird im ersten Förderungsjahr zunächst in drei Haftanstalten in Brandenburg umgesetzt. In den Folgejahren werden weitere Haftanstalten in anderen Bundesländern folgen. Die Teilnahme der Mütter und Väter ist freiwillig. Hauptziel ist es, durch die direkte Arbeit mit inhaftierten Eltern, radikalisierungspräventiv auf die Kinder zu wirken. Dies wird umgesetzt, indem die Teilnehmenden in den Coachings Raum bekommen, ihre Einstellungen und Werte zu reflektieren, die ihrem Erziehungsstil zugrunde liegen und die Eltern-Kind-Beziehung prägen. Indem sie professionell dabei begleitet werden, selbst erlebte Traumatisierungen wie Vernachlässigung oder Gewalt zu bearbeiten, kann verhindert werden, dass sich diese schmerzlichen Erfahrungen von einer Generation zur nächsten negativ auf ihre Kinder auswirken.

Ein bedeutendes Thema ist außerdem, wie sie als Eltern – auch jetzt während der Zeit ihrer Inhaftierung – für ihre Kinder verlässliche Bezugspersonen sein können, unabhängig davon, ob sie selbst für ihre Betreuung sorgen können oder nicht. Eine Einbeziehung der Regionalen Soziale Diensten und Jugend- und Familienhilfeträger ist vorgesehen, um Unterstützungsangebote zu installieren. Ganz wesentlich ist auch, dass das Bezugssystem (Partnerin/Partner, Eltern) in den Coachingprozess einbezogen wird, wenn dies möglich und sinnvoll ist.

Am Ende des Projektzeitraums möchte Präfix R mit Hilfe der begleitenden Evaluation erste Aussagen zu den Fragen treffen, ob und wie durch die Arbeit mit inhaftierten Eltern radikalisierungspräventiv auf die Kinder eingewirkt werden kann und die Kinder in der Entwicklung einer stabilen Persönlichkeit gestärkt werden, ob die Eltern ungünstige Erziehungshaltungen und menschenfeindliche Werte kritisch reflektieren und ob es gelingt, das engere und weitere Bezugssystem einzubeziehen, bzw. inwieweit dies die Veränderungsprozesse unterstützt und absichert.

Präfix R wird im Verbund mit den Kooperationspartner und -partnerinnen VPN Violence Prevention Network e. V. und Camino gGmbH umgesetzt.