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Linke Militanz und Antisemitismus in heterogenen Jugendmilieus: Analyse - Zugänge - Maßnahmen

Kontaktdaten

Rhein-Ruhr-Institut für Sozialforschung und Politikberatung e. V. an der Universität Duisburg-Essen
Heinrich-Lersch-Str. 15
47057 Duisburg
Tel: 0203 2808813
peter.krumpholz(at)uni-due.de


Themenfeld

Linke Militanz


Projektziele

Hauptziel des Modellprojekts „Linke Militanz und Antisemitismus in heterogenen Jugendmilieus: Analyse – Zugänge – Maßnahmen“ ist die Entwicklung von zugangserschließenden Ansätzen zum uneinheitlichen Milieu linker und linksextremer Gruppierungen, in denen sich vornehmlich Jugendliche und junge Erwachsene organisieren. Lokale Zugänge zur linken Szene sollen auf der Basis empirischer Befunde und durch Peer Groups eröffnet werden.

Untersucht werden soll, ob ein überlappendes Feindbildspektrum („Querfront“) mit dem Rechtsextremismus vorzufinden ist und ob übereinstimmende Wahrnehmungen gefühlter Ungerechtigkeit vorliegen, die es aus Sicht der betreffenden Personen unter Anwendung von Gewalt auszumerzen gilt. Ferner wird erwartet, dass sich das Unbehagen an den „Verhältnissen“ auch in linksextremen Diskursen konkret in Abwertung von Demokratie, Phantasien von der Abschaffung des „Systems“, Antiliberalismus und Kritik am parlamentarischen System zeigt. Gemeinsam dürfte auch die Verbindung von Kapitalismus – der als wichtiges Feindbild fungiert –  und „jüdischer“ Urheberschaft sein sowie die Verquickung von Globalisierung, Zionismus und amerikanischem Imperialismus.

Perspektivisch sollen die gewonnenen Erkenntnisse und daraus entwickelten und erprobten Maßnahmen in das lokale Community-Education Netzwerk zur Radikalisierungsprävention sowie die Politische Bildungsarbeit, Familienberatung und Schulsozialarbeit übertragen werden.


Handlungskonzept

Durch eine Diskurs- und Feldanalyse wird zunächst das ideologische Gefährdungs- und Radikalisierungspotential erhoben, das von der Anhängerschaft linker Gruppierungen ausgeht. Dabei wird insbesondere nach offenen oder verdeckten antiisraelischen und antijüdischen Tendenzen gefragt.

Um Zugänge zur Szene zu eröffnen, werden im Anschluss an die ideologische Gefährdungs- und Radikalisierungsanalyse Interviews von und mit Studierenden und Repräsentanten linker Parteien und Gruppierungen geführt. Darauf aufbauend werden Maßnahmen zur Radikalisierungsprävention entwickelt. Diese werden gemeinsam mit örtlichen Kooperationspartnern konzipiert und erprobt.

Geplant sind unter anderem:

  • Schulungen für Multipilkatorinnen und Multiplikatoren mit Vertreterinnen und Vertretern aus Duisburger Parteien, Stadt- und Integrationsrat,
  • Peer-to-peer-Coaching für Studierende und
  • Fortbildungsangebote für Schulpsychologinnen und -psychologen, Lehrerinnen und Lehrer sowie Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter.

Methodisch-innovativ ist das Vorhaben, weil erstmals auf der Basis lokaler empirischer Befunde und durch Studierende Zugänge zur linken Szene eröffnet werden. Dass insbesondere Antisemitismus in seinen verschiedenen Erscheinungsformen ein oftmals unterschätztes Phänomen des linksextremen Spektrums ist, ist aus fachlicher Perspektive nicht neu. Das Phänomen stellt in Teilen des linken Spektrums – vor allem im Gewand des Antizionismus oder vermeintlich legitimer „Israelkritik“ – spätestens seit Ende der 1990er Jahre eine entscheidende Konfliktlinie innerhalb der deutschen Linken dar. Sie bricht offen mit der traditionellen antiimperialistischen Linken, problematisiert deren Antizionismus und Antisemitismus und charakterisiert sich durch ihre offen artikulierte Solidarität mit Israel.