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Radikalisierungsprävention im Strafvollzug Saar

Kontaktdaten

FITT - Institut für Technologietransfer an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes gGmbH
Saaruferstraße 16
66117 Saarbrücken
Tel: 0681 585040
fitt(at)fitt.de


Bundesland

Saarland


Projektziele

Hauptziel des Modellprojekts „Radikalisierungsprävention im Strafvollzug Saar“ ist es, mittels unterschiedlicher präventiver Angebote und Stärkung einer gesunden Gefängnisumgebung einer Radikalisierung von Inhaftierten entgegenzuwirken. Gegebenheiten und Strukturen, welche eine Radikalisierung bedingen bzw. begünstigen können, werden über die gesamte Projektlaufzeit beobachtet. Dabei wird prozessbegleitend gearbeitet, sodass die Strafvollzugsanstalten auch über das Ende der Projektlaufzeit hinaus handlungsfähig sind bzw. bleiben. Die Kompetenzen aller Bediensteten in Bezug auf Vielfalt und Heterogenität sollen gestärkt werden, mit dem Ziel ein besseres Häftling-Mitarbeiter-Verhältnis zu schaffen. Über die gesamte Projektlaufzeit wird ein interdisziplinäres Team von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren ausgewählt und tiefergehend alle 6-8 Wochen geschult. Ziel ist es, die Strafvollzugsanstalten langfristig im Umgang mit möglichen radikalen Tendenzen durch Handlungssicherheit der Akteurinnen und Akteure zu stärken.

Anfang 2018 werden sowohl Bedienstete als auch Inhaftierte zu den Themen Heterogenität, Vielfalt und Demokratie im Rahmen von Gruppendiskussionen aber auch in Einzelinterviews befragt. Die Auswertung der Explorationsstudie wird dem Projektteam zeigen, an welchen Einstellungen und strukturellen Gegebenheiten die Präventionsarbeit anzusetzen ist. Die wissenschaftliche Begleitung wird in der gesamten Projektlaufzeit fortgesetzt, sodass am Ende der Projektlaufzeit mögliche wirkungsvolle Ansätze der Radikalisierungsprävention im Strafvollzug erprobt sind.

Eine Übertragbarkeit der Erkenntnisse könnte für andere Träger gegeben sein, die ebenfalls im Zwangskontext arbeiten, insbesondere in der Auftragsklärung zwischen beteiligten Akteurinnen und Akteuren und der Umsetzbarkeit primärpräventiver Maßnahmen.


Handlungskonzept

Das Modellprojekt soll Gruppenangebote, Trainings und soweit erforderlich Einzelgespräche für jugendliche und erwachsene Inhaftierte, die (noch) nicht radikalisiert sind, anbieten. Über Prozessbegleitung, Coachings, kollegiale Fallberatung und Organisationsentwicklung werden nachhaltige Methoden der Organisationsentwicklung und des angepassten Diversity Managements in die Strukturen des Strafvollzuges implementiert. Mit den Inhaftierten wird in pädagogischen Gruppen- und ggf. Einzelmaßnahmen gearbeitet. Über die Einbindung von Vertreterinnen und Vertretern muslimischer Gemeinden soll den Inhaftierten die Möglichkeit geboten werden, sich in Glaubensfragen auszutauschen und zu orientieren. In Bezug auf die Zielgruppe der Inhaftierten sollen Projektangebote konzipiert werden, die auf einem Mix von Ansätzen aus Sozialarbeit, Empowerment, Antidiskriminierung und Anti-Bias, interkultureller Kompetenz, Demokratiestärkung, Einzel- und Gruppenberatung beruhen.

In Abstimmung mit der Anstaltsleitung soll in Hinblick auf die unterschiedlichen Personengruppen im Strafvollzug, Strategien im kompetenten Umgang mit Vielfalt entwickelt werden.

Durch die Sensibilisierung der Bediensteten für die vorgenannten Themenfelder sollen Radikalisierungsprozesse in der Folgezeit frühzeitig erkannt und unterbrochen werden.

Zusammen mit den Anstaltsleitungen werden konkrete Anforderungen und Maßnahmen für ein diskriminierungsbewusstes Agieren formuliert und diese in die Strukturen und Abläufe der Vollzugsanstalten dauerhaft integriert.

Im Rahmen des Modellprojekts wird mit muslimischen Gemeinden und externen Referentinnen und Referenten zur Umsetzung von Angeboten innerhalb der Vollzugsanstalten zusammengearbeitet. Des Weiteren ist das Landesministerium der Justiz als Kooperationspartner eingebunden.

Grundsätzlich werden Methoden, die sich bisher in der Arbeit mit Zielgruppen aus benachteiligten oder marginalisierten Milieus bewährt haben, zum Einsatz kommen. Hierbei werden die Methoden und Ansätze auf die besonderen Gegebenheiten der Zielgruppe und des Sozialraumes angepasst.

Ein innovativer Ansatz ist in der starken Einbeziehung der Struktur, also Leitung und Bediensteter, zu sehen, die eine nachhaltige Wirkung über die Projektlaufzeit hinaus ermöglichen soll.

Die Modellhaftigkeit liegt darin, dass es bisher im saarländischen Strafvollzug keine vergleichbaren Angebote mit dem Schwerpunkt der Radikalisierungungsprävention im Bereich des religiös begründeten Extremismus gibt. Die Innovationskraft liegt in dem interdisziplinär aufgestellten Projektteam und den erweiterten Ansätzen der Projektarbeit (Vielfalt, Heterogenität, Anti-Bias, Strukturentwicklung).