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Exchange Brandenburg – Mobile Maßnahmen zur Prävention und Deradikalisierung in Strafvollzug und Bewährungshilfe

Kontaktdaten

Violence Prevention Network e. V., Cultures Interactive e. V.
Alt-Moabit 73
10555 Berlin
Tel: (030) 91 70 54 64
post(at)violence-prevention-network.de
http://violence-prevention-network.de


Bundesland

Brandenburg


Projektziele

Hauptziel des Modellprojekts EXchange Brandenburg ist, brandenburgische Justizvollzugsanstalten als Orte und als „Anbieter“ von Radikalisierungsprävention, Fortbildung und Deradikalisierung zu etablieren. Dies beinhaltet unter anderem die Vermeidung von Radikalisierung bei gefährdeten jungen Straftäterinnen und Straftätern, eine allgemeine Sensibilisierung Inhaftierter für gesellschaftspolitische und globale Fragestellungen, die Begleitung beim Ausstieg aus radikalen Szenen sowie die Sensibilisierung und Fortbildung von Fachkräften bzw. Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in Strafvollzug und Bewährungshilfe zum Thema Radikalisierungsprävention.

Dadurch sollen folgende Ergebnisse erzielt werden:

  • Durch die spezifischen Angebote und Trainings werden ideologisierte Denkmuster radikalisierungsgefährdeter bzw. radikalisierter Straftäterinnen und Straftäter hinterfragt, verändert oder abgelegt. Empathiefähigkeit und Toleranz sollen gestärkt werden.
  • Die veränderte Denkweise soll sich auch auf das Handeln der Zielgruppe auswirken: Diskriminierung aufgrund von ethnischer Herkunft, sexueller Orientierung oder religiöser Zugehörigkeit sowie gewalttätiges Handeln im Strafvollzug soll reduziert werden.
  • Durch den Eingriff in den Radikalisierungsprozess und die Unterbrechung der Gewaltkarriere wird die Lebenslage der Zielgruppe ideologisierter Straftäterinnen und Straftäter maßgeblich verbessert.
  • Rückfallquoten der Zielgruppe sollen verringert, die Re-Integration der Straftäterinnen und Straftätern soll gefördert und zukünftige ideologisch motivierte Straf- und Gewalttaten vermieden werden.
  • Bezogen auf die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren soll eine gesteigerte Verhaltenssicherheit im Umgang mit radikalisierungsgefährdeten und radikalisierten Personen bewirkt werden.

Die im Rahmen des Projekts gewonnenen Erkenntnisse sollen der Weiterentwicklung und Verstetigung der Präventions- und Distanzierungsarbeit dienen. Dazu beitragen sollen die Dokumentation und anschließende Präsentation der Projekterkenntnisse und Ergebnisse auf regionaler und auf überregionaler Ebene und in einschlägigen Fachgremien, die Einbindung von (neu) gewonnenen Erkenntnissen in die Fortbildungen/Coachings der Kooperationspartnerinnen und -partner, die Mitwirkung in themenbezogenen Arbeitskreisen und (Bundes-)Arbeitsgemeinschaften im Themenfeld, die Veröffentlichung der Erkenntnisse in Fachpublikationen sowie der Transfer der Ergebnisse aus dem Modellprojekt in schulische sowie klassische Felder der politischen Bildungsarbeit.


Handlungskonzept

Das Modellprojekt EXchange Brandenburg enthält ein umfassendes Maßnahmenpaket, mit dem bedarfsorientiert und zeitnah auf Fälle der Radikalisierungsgefährdung bzw. Radikalisierung im Justizvollzug reagiert werden kann. Zu diesem Zweck stellt EXchange Brandenburg Maßnahmen der

  1. Prävention (Biografie-Werkstätten und jugendkulturell-kreative Identitäts-Workshops für Personen mit Affinität zu extremistischen Ideologien),
  2. phänomenübergreifende Intervention, Deradikalisierung und Ausstiegsarbeit im Gruppen- und Einzelsetting sowie
  3. Fortbildung für Fachkräfte und andere Multiplikatorinnen und Multiplikatoren im Strafvollzug und in der Bewährungshilfe bereit.

Die Formate der „Biografie-Werkstätten“ und „Identitäts-Workshops“ ermöglichen die Aufbereitung von lebensgeschichtlichen sowie sozialpolitischen Themen, sodass Assoziationsbrücken zwischen biografischen und aktuellen politischen Fragestellungen entstehen. Ausgangspunkt sind die Lebenswege der jungen Straftäterinnen und Straftäter.

Gruppen- und Einzeltrainings wenden sich an im Radikalisierungsprozess befindliche und radikalisierte Inhaftierte sowie Klientinnen und Klienten der Bewährungshilfe. Methodisch und inhaltlich ist die Gestaltung des Interventions- bzw. Deradikalisierungsprozesses abhängig vom Grad der Radikalisierung.

Die Fortbildungen befähigen die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, Radikalisierungsprozesse zu erkennen, einen professionellen Umgang mit ideologisierten Straftäterinnen und Straftätern zu finden und bei Bedarf externes, spezifisch geschultes Personal zu Hilfe zu holen.

Das Projekt wird im Trägerverbund von den Vereinen Violence Prevention Network und cultures interactive durchgeführt. Bei der Implementierung und Umsetzung besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem Ministerium der Justiz und für Europa und Verbraucherschutz (MdJEV) Brandenburg. Dieses fungiert als zentraler Ansprechpartner für den Trägerverbund. Die Planung und Organisation der Fortbildungen für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren erfolgt in Abstimmung mit der Dienstleistungsabteilung für den Justizvollzug (DLA) in Brandenburg.