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Biografien der Vielfalt - Förderung der Anerkennung von Sinti und Roma durch historisch-interkulturelles Lernen.

Kontaktdaten

Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e. V.
Auguststraße 80
10117 Berlin
Tel: 030 283951-84 & -56
weduwen[at]asf-ev.de


Themenfeld

Antiziganismus


Projektziele

Im Zentrum des Modellprojektes von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e. V. steht die zielgruppenorientierte Bildungsarbeit zur Sensibilisierung für aktuellen und historischen Rassismus gegen Romnja und Roma und Sintezze und Sinti. Die Bildungsprogramme richten sich an Multiplikatorinnen aus migrantischen Communities in Stadtbezirken, die sich durch soziale Benachteiligung und Diversität auszeichnen. Das Projekt zielt auf die Förderung des Dialogs und der gegenseitigen Wertschätzung in den heterogenen Minderheitencommunities, der Anerkennung und Partizipation insbesondere zugewanderter Romnja und Roma.

Im historisch-interkulturellen Lernen verknüpft das Projekt die Auseinandersetzung mit der Geschichte mit aktuellen Phänomenen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Die Vermittlung von Wissen über die nationalsozialistische Verfolgung und den Völkermord an Sintezze und Sinti und Romnja und Roma kontextualisiert die Verbrechen und zeigt so historische Bedingungen der NS-Gewaltherrschaft auf. Dabei wird immer auch eine Brücke geschlagen zu Kontinuitäten, Folgen und aktuellen Formen des Rassismus gegen Romnja und Roma und Sintezze und Sinti, aber auch, so sie auftauchen, zu anderen Ungleichheitsideologien. Das Wissen über die Geschichte und Erinnerungsdiskurse der Gegenwart qualifiziert die Multiplikatorinnen zur Partizipation an gesellschaftlichen Debatten. Das Modellprojekt strebt so die Förderung eines vielfältigen und multiperspektivischen Erinnerungsdiskurses und die Stärkung marginalisierter Perspektiven an.


Handlungskonzept

In der fünfjährigen Projektlaufzeit werden Seminarkonzepte entwickelt und erprobt, die auf die Bedürfnisse der Zielgruppen eingehen. Biographisches Arbeiten lässt persönliche Erfahrungen in historisch-politischen Kontexten verorten und Handlungsmöglichkeiten in Geschichte und Gegenwart verstehen. Neben der Erfahrung der Anerkennung, wenn die eigene Geschichte erzählt werden kann, macht die Individualität und Heterogenität der Lebensgeschichten Vielfalt innerhalb vermeintlich homogener Kollektive sichtbar. Die Arbeit mit sensiblen, selbstreflexiven Methoden ermöglicht es, rassistische Bilder in ihrer Entstehung und Wirkungskraft zu begreifen und zu dekonstruieren. Ohne Menschen bloßzustellen, können so eigene ausgrenzende Verhaltensweisen erkannt und nicht-rassistische Handlungsoptionen aufgezeigt werden.

Die Teilnehmerinnen der Seminarreihen sind zugewanderte Familienberaterinnen, sogenannte Stadtteilmütter, und zugewanderte Romnja und Roma. Über diese multiplikatorischen Zielgruppen spricht das Projekt auch Familien und Jugendliche an, die sonst nur schwer erreichbar sind. In einem nächsten Schritt führen moderierte Begegnungsprojekte die Teilnehmerinnen der Seminargruppen zusammen und bieten Raum für einen Dialog unter den Zielgruppen. Die Seminarreihen finden zunächst in den Berliner Bezirken Kreuzberg und Neukölln statt und werden dann auch auf andere Städte in Deutschland ausgeweitet. Neben den Bildungsprogrammen ist auch eine Studienreise in eines der Herkunftsländer der Romnja und Roma und eine Methodensammlung geplant. Projektbegleitend entstehen Publikationen und Veranstaltungen, in denen die Teilnehmerinnen ihre Sichtweisen und Ideen diskutieren. So können die Impulse des Projektes eine breite Öffentlichkeit erreichen und in den aktuellen Diskurs einfließen.