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Verschwörungsideologien: Randphänomen oder Gefahr für die Demokratie?

Der Umgang mit Verschwörungserzählungen, unter anderem im Rahmen der Corona-Pandemie, stand im Mittelpunkt des digitalen Fachaustauschs der Partnerschaften für Demokratie am 13. April 2021.

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Im Fachaustausch zum Umgang mit Verschwörungsideologien sind die Engagierten im Bundesprogramm "Demokratie leben!" der Frage nachgegangen: Randphänomen oder Gefahr für die Demokratie? Sie nutzten dabei die Chance, mit Expertinnen und Experten ins Gespräch zu gehen und von ihren beruflichen Erfahrungen im Umgang mit Verschwörungsdenken zu berichten.

Im Rahmen einer moderierten Diskussion ordneten anfangs die Publizistin Katharina Nocun und der Experte Daniel Poensgen die unterschiedlichen Begrifflichkeiten im Bereich Verschwörungsideologien ein. Die Politik- und Wirtschaftswissenschaftlerin Katharina Nocun setzt sich unter anderem intensiv mit Verschwörungserzählungen auch im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie auseinander. Daniel Poensgen ist als Referent beim Bundesverband RIAS e. V. tätig, hier werden mit Hilfe des Meldeportals www.report-antisemitism.de bundesweit antisemitische Vorfälle erfasst und dokumentiert.

Attraktivität von Verschwörungserzählungen

Menschen werden aus unterschiedlichen Gründen von Verschwörungserzählungen angezogen. "Man darf nicht vergessen, wir alle sind anfällig für Verschwörungserzählungen", sagte Katharina Nocun. Ausgangspunkt seien oft persönliche Krisen, die schließlich alle einmal betreffen könnten. Damit gingen dann auch Kontrollverlust, Ängste und Ohnmachtsgefühle einher. Verschwörungserzählungen machen die Welt ein Stück weit wieder verstehbar, bieten eine abstrakte Form der Sicherheit und lassen ein neues Sozialgefüge entstehen. "Es wird eine Illusion von einer Gemeinschaft erzeugt", ergänzte Daniel Poensgen.

Medienverhalten und Verschwörungserzählungen

Medien spielen in der Verbreitung von Verschwörungsideologien eine große Rolle. Das Internet bietet ein schier unerschöpfliches Portfolio verschiedener Mythen, die Kommentarfelder sind voll von abstrusen Annahmen. In Interviews werde sie manchmal nach den lustigsten Verschwörungsideologien gefragt, sagt Katharina Nocun. Was auf den ersten Blick lustig erscheinen mag, ist jedoch purer Ernst für diejenigen, die daran glauben. "Für mich ist da nichts lustig dran", sagt die Publizistin deutlich. Die Vermutung, dass vor allem junge Menschen durch einen höheren Medienkonsum mit Verschwörungserzählungen in Verbindung kommen, kann sie nicht bestätigen. Corona-Protestbewegungen ziehen in der Mehrzahl kein junges Publikum an, gibt Daniel Poensgen zu bedenken. "Oft rufen Kinder in den Betroffenenberatungen an, da sie sich um ihre Eltern sorgen, weil die letzten Besuche irgendwie merkwürdig verliefen", fügt Katharina Nocun weiter hinzu. Die Medienkompetenz stärken, das sei eben auch ein direktes Thema für Ältere.

"Sie sind nicht allein, holen Sie sich Unterstützung, zum Beispiel über Opfer- und Betroffenenberatungen. Melden Sie sich auch bei RIAS, denn wir können bei antisemitischen Vorfällen weiterhelfen."

Daniel Poensgen ist als wissenschaftlicher Referent beim Bundesverband RIAS e. V. tätig. Der Bundesverband erfasst und dokumentiert mit Hilfe des Meldeportals www.report-antisemitism.de bundesweit antisemitische Vorfälle.

Das Bild zeigt eine Portraitaufnahme von Daniel Poensgen Bild: privat

Umgang mit Verschwörungserzählungen

Im Laufe der Veranstaltung wurde immer wieder auf die Frage eingegangen: Wie können wir grundsätzlich mit Verschwörungserzählungen umgehen? "Sie sind nicht allein, holen Sie sich Unterstützung", rät Poensgen. Es gäbe Opfer- und Betroffenenberatungen oder die Mobilen Beratungen, die unterstützen, und auch RIAS könne weiterhelfen. Die persönliche Bindung könne zudem dazu beitragen, gemeinsam Fakten zu checken und so Informationsdefizite aufzuarbeiten. "Es ist wichtig, früh zu intervenieren und nicht einfach über Äußerungen hinwegzusehen", fügt Katharina Nocun hinzu. "Dabei kann niemand davon ausgehen, dass eine Person gleich umgestimmt wird. Wenn es aber im Gespräch zu einer Grenzüberschreitung kommt, dann sollte dies auch angesprochen werden."

Schwerpunkte in einzelnen Workshops

In acht Workshops konnten die Teilnehmenden des Fachaustauschs die Diskussion weiter vertiefen und eigene Erfahrungen teilen. Die Bandbreite an thematischen Schwerpunkten war dabei umfangreich, so ging es unter anderem um den Zusammenhang von antisemitischer Gewalt und Verschwörungsideologien, Fake News, Verschwörungsideologien im Rahmen von Corona-Protesten oder den Umgang mit Verschwörungserzählungen in der pädagogischen Praxis.

Der Best-Practice-Austausch stand im Vordergrund und so erzählten die Teilnehmenden von Projekten, Aktionen und Ausstellungskonzepten, machten dabei immer wieder deutlich, dass es neben dem kritischen Umgang mit Verschwörungserzählungen auch wichtig ist, die eigenen Grenzen zu kennen. Denn in allen Verschwörungserzählungen auf dem neuesten Stand zu sein, ist kein leichtes Unterfangen und auch nicht erforderlich. Wie kann dann aber ein konstruktiver Meinungsaustausch mit einzelnen Personen, aber auch größeren Gruppen regional stattfinden? Das war letztlich nur eine von vielen Fragen, die an diesem Tag gestellt wurden.

Im Fachaustausch ist schließlich eines sichtbar geworden: das vielfältige und motivierende Engagement im Bundesprogramm. Die Resonanz war mit rund 150 Beteiligten aus den verschiedenen Handlungsfeldern groß und zeigte, dass Verschwörungserzählungen längst nicht mehr nur ein Thema beim nachmittäglichen Kaffeeklatsch sind, sondern einer kompetenten Antwort in der beruflichen Praxis bedürfen.