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Kinder früh mitentscheiden lassen

Im Rahmen des Modellprojekts "Demokratie und Vielfalt in der Kindertagesbetreuung" hat der Paritätische Gesamtverband eine Broschüre veröffentlicht, die anhand vieler Beispiele Wege aufzeigt, Kinder zwischen null und drei Jahren frühzeitig eigene Entscheidungen treffen zu lassen.

Pinselstrich

"Wie Beteiligung von Kindern zwischen null und drei Jahren gelingen kann. Ein praktisches Arbeitsbuch für Fachkräfte und Eltern" – bereits im Titel wird das Ziel klar formuliert. Denn die Partizipation ganz junger Kinder stellt im Alltag sowohl für pädagogische Fachkräfte als auch für Eltern oft eine Herausforderung dar. Schließlich mag sich der oder die Einzelne fragen: Können denn Kinder, die selbst noch nicht richtig sprechen können, bereits eigene Entscheidungen fällen und kommunizieren?

Genau hier setzt die Publikation an: Bereits die Vorworte zur Broschüre verweisen darauf, dass die ersten drei Lebensjahre eines Menschen entscheidend dafür sind, wie die Person später einmal mit der Gesellschaft interagieren wird. Denn Beteiligung, so die einführenden Hinweise, bedeute nicht nur, eigene Bedürfnisse klar zu artikulieren. Sie sei auch entscheidend für die Entwicklung der Fähigkeit, auf andere Menschen einzugehen.

Konkrete Beteiligungsmöglichkeiten

Den Autorinnen und Autoren ist es ein Anliegen, die Beispiele zur stärkeren Partizipation anhand der alltäglichen Lebenswelt des Kindes aufzuzeigen und mit vielen praktischen Übungen zu verknüpfen. Das gilt insbesondere für die Lebensbereiche Essen, Schlafen und Spielen. Während beim Punkt Essen als Anregung zu lesen ist, dem Kind die Möglichkeit zu geben, Löffel und Fläschchen allein zu halten, findet sich beim Punkt Spielen der Vorschlag, das Spielzeug in offenen Regalen zu verwahren, sodass die Kinder jederzeit die Möglichkeit haben, das Spielmaterial zu sehen, selbst zu wählen und auch zu holen.

"Beteiligung von Kindern bedeutet nicht, dass sich der 'Spieß' nun umdreht und Erwachsene Kindern unterlegen sind. Beteiligung von Kindern eröffnet eine völlig neue Sicht auf Begegnung: Da gibt es kein 'Entweder-du-oder-ich' mehr, da gibt es ein 'Sowohl-als-auch' – eine Beziehung zueinander, die auf Wertschätzung der Belange beider beruht."

Auszug aus der Broschüre

Früh übt sich – Beispiele für demokratisches Aushandeln von Konflikten

Kinder sollten früh an demokratische Werte herangeführt und in Beteiligung geübt werden. Hierbei sind als Vorschläge zu lesen:

  • Sich als Erwachsener nicht zu voreilig in Konflikte einzumischen. Zunächst sollte den Kindern die Möglichkeit gegeben werden, eigene Lösungen zu finden. Dabei können die Kinder lernen, die eigenen Bedürfnisse in Abgrenzung zum Gegenüber wahrzunehmen und zu kommunizieren.
  • Wenn das Kind zu verstehen gibt, dass es Unterstützung braucht, sollten die Erwachsenen vermitteln und nicht beurteilen. Es gehe nicht darum, "Schuldige" zu identifizieren, sondern zwischen den beteiligten Kindern zu vermitteln und die unterschiedlichen Gefühle und Interessen transparent aufzuzeigen.

Kritische Selbstreflexion

Ein wichtiger Punkt für die spätere gelingende Interaktion mit den Anderen ist die Art und Weise, wie Regeln aufgestellt und verhandelt werden. Übungen zur Selbstreflexion könnten hierfür sein: Wurde ich in meiner Kindheit in das Finden von Regelungen einbezogen? Wie fühlte ich mich damit? Wie fühlte ich mich, wenn ich Regeln einhalten musste, die ich nicht verstand oder auch einschränkend erlebte?

Als eine mögliche Maxime wird angeregt, dass aufgestellte Regeln regelmäßig hinterfragt und möglichst mit den Kindern gemeinsam besprochen werden. Als Leitgedanke kann hierfür unter anderem folgende Frage dienen: Welchen Sinn verfolgt die Regel – ist sie beispielsweise im persönlichen Werte- und Normenbereich begründet oder dient sie der Arbeitserleichterung? Wichtig ist hierbei, dass auch die Ansichten einer möglichen Minderheit in der Gruppe gehört und diskutiert werden.

Mehr Informationen

... und Arbeitshilfen zu den Themen Partizipation von Kindern, Demokratiebildung, Kinderrechte, Vielfaltgestaltung und zum Projekt: www.kita.paritaet.org

Eine kleine grüne Person mit weißer Windel hat die Arme ausgestreckt und eine Sprechblase mit Punkten und Strichen über dem Kopf. Eine größere lila Person hat die Arme ausgestreckt und eine Sprechblase mit Pfeilen links und rechts.
Illustration: Paritätischer Gesamtverband

"Demokratie braucht Menschen, die sich unter Beachtung beteiligungsorientierter Handlungsweisen aktiv in einer demokratischen Gesellschaft engagieren. Kinder müssen die Chance haben, dies vom Beginn ihres Lebens an zu erfahren und zu lernen. Kinder, die in partizipativen Strukturen aufwachsen, wachsen mit einem von Achtung und Wertschätzung geprägten Menschenbild auf."

Auszug aus der Broschüre

Die Beispiele verdeutlichen: In welcher Position man sich auch immer wiederfinden mag – sei es als Elternteil oder als pädagogische Fachkraft –, Beteiligung und Teilhabe ist keine Frage des Alters, sondern des Prinzips.