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Hass im Netz: Trends und Muster

Der Trendreport der Bundesarbeitsgemeinschaft gegen Hass im Netz wertet Millionen von Nachrichten antidemokratischer Akteure aus und gelangt so zu neuartigen Erkenntnissen über deren Vorgehen.

Pinselstrich

Hass im Netz richtet sich nicht nur gegen einzelne Personen, sondern ist auch eine Bedrohung für die Demokratie. Antidemokratische Akteure nutzen soziale Medien, Videoportale und Messengerdienste, um sich zu vernetzen, Anhänger und Anhängerinnen zu gewinnen und den gesellschaftlichen Diskurs in ihrem Sinne zu beeinflussen. Sowohl engagierte Laien als auch Profis der Demokratiearbeit können bei der Vielzahl der Akteure und Äußerungen rasch den Überblick verlieren.

Trendreport der Bundesarbeitsgemeinschaft gegen Hass im Netz

Hier kommt der Trendreport der Bundesarbeitsgemeinschaft gegen Hass im Netz ins Spiel. Vierteljährlich präsentiert er wissenschaftliche Erkenntnisse zu aktuellen Trends und langfristigen Mustern im Themenkomplex Hass im Netz. Unter dem Titel "Machine against the Rage" wird er von einem Redaktionsteam mit Unterstützung eines wissenschaftlichen Beirats erarbeitet und als digitales Magazin präsentiert.

Die Grundlage dafür bildet eine breit angelegte Erfassung demokratiefeindlicher Äußerungen und Verbindungen der Akteure, die sie verbreiten. Untersucht werden dabei bisher der Kurznachrichtendienst X, ehemals Twitter, und der Messengerdienst Telegram. Dieser bietet seit Jahren öffentliche, aber unmoderierte Kanäle an, in denen Hass verbreitet werden kann. Durch die computerbasierte Sammlung und Auswertung tausender Konten und Kanäle sowie Millionen von Nachrichten werden Zusammenhänge sichtbar, die andernfalls verborgen blieben.

Jede Ausgabe des Trendreports umfasst vier Rubriken: Fokus und Blitzlicht widmen sich jeweils einem aktuellen Aspekt, während Radar und Rundschau einen Blick auf die langfristigen Entwicklungen werfen. Die Analysen werden dabei mit interaktiven Infografiken angereichert, welche die Zusammenhänge und Entwicklungen demokratiefeindlicher Äußerungen in den sozialen Medien und Messengerdiensten bildlich darstellen.

Erkenntnisse im Fokus

Die Rubrik Fokus konzentriert sich auf die Datenanalyse. Die neueste Ausgabe zum Thema "Das Management der digitalen Empörung" untersucht, wie rechtsextreme und verschwörungsideologische Akteure ihre Aktivitäten im Internet monetarisieren. Dies kann zunächst ganz schlicht über Spendenaufrufe in den veröffentlichten Nachrichten geschehen, für die eine IBAN oder ein Paypal-Konto angegeben ist. Möglich sind außerdem sogenannte Affiliate-Links, bei denen der Kanal eine Provision durch die Verlinkung in einen Online-Shop erhält.

Eine der Infografiken im Report zeigt diese potenziellen Geldquellen geordnet danach, wie häufig sie in entsprechenden Telegram-Nachrichten auftauchen. Hier zeigt sich, dass am häufigsten auf den Kopp-Verlag verlinkt wird, gefolgt von der Angabe einer IBAN auf Platz 2 und eines Paypal-Kontos auf Platz 3. Klickt man auf eine der Quellen, so sieht man, welche Kanäle sie wie oft erwähnt haben.

Blitzlichter analysieren mit Experten

Im Blitzlicht kommen Expertinnen und Experten unterschiedlicher Themengebiete zu Wort. In der aktuellen Ausgabe werden die Mechanismen betrachtet, die hinter Empörungswellen in den sozialen Medien stecken, bei denen aus nichtig scheinenden Anlässen ein Shitstorm entsteht: Eine Aussage, beispielsweise eines Politikers, wird durch eine "böswillige" Lesart zum Anlass für Empörung. Anschließend schaukelt sich ein Konflikt zwischen zwei gleichermaßen empörten Positionen hoch.

Dieser Mechanismus greift auch unabhängig von der ideologischen Ausrichtung der Beteiligten: "Menschen haben nämlich den Wunsch nach Anerkennung, und in den sozialen Medien erhalten vor allem Äußerungen Aufmerksamkeit, die moralisch aufgeladen sind, was oft zu einem emotionalen Wettrüsten mit immer höheren Empörungsstandards führt", erläutert der Philosoph Philipp Huebl diese Dynamik.

Andere Ausgaben des Trendreports widmen sich in den verschiedenen Rubriken zum Beispiel der Debatte über den Krieg in der Ukraine oder der Frage, was die Übernahme von Twitter durch Elon Musk für die Entwicklung von Hass im Netz bedeutet.

Den Überblick behalten durch Radar und Rundschau

Im Radar wird unter anderem fortlaufend analysiert, welche demokratiefeindlichen Akteure auf Telegram besonders erfolgreich sind: Dafür wird geschaut, welche Nachrichten aus welchen Kanälen von Nutzern und Nutzerinnen aus bestimmten Milieus besonders häufig weitergeleitet werden. Zudem wird beobachtet, wie präsent bestimmte Themen in demokratiefeindlichen Kanälen im Zeitverlauf sind. So verliert das Thema "Corona" seit Beginn der Messungen im Februar 2022 mit leichten Schwankungen kontinuierlich an Bedeutung, während es beim Thema "Ukraine-Russland" zwar ein Auf und Ab gibt, aber keine generelle deutliche Abnahme.

Verschiedenfarbige Kurven auf einer Zeitachse, Erklärung der relevanten Kurven im Text
Entwicklung der Themenpräsenz in demokratiefeindlichen Telegram-Kanälen, Bild: BAG "Gegen Hass im Netz"

Die Rundschau stellt schließlich die neuesten Entwicklungen beim Vorgehen gegen Hass im Netz dar. Dazu gehören erfolgreiche Klagen ebenso wie Änderungen der Geschäftsbedingungen von Diensten wie YouTube, die Eröffnung von Meldestellen und neue Studien zum Themenfeld.

Durch die fortlaufend aktualisierten Erkenntnisse des Trendreports steht Engagierten nun weitere Unterstützung zur Verfügung, um Hass im Netz zielgerichtet entgegentreten zu können.


Veröffentlicht im Oktober 2022