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"Einen typischen Arbeitsalltag gibt es nicht"

Im Gespräch mit Cornelia Wenk von der Partnerschaft für Demokratie Wetterau

Pinselstrich

Seit August 2017 ist Cornelia Wenk eine feste Größe in der Partnerschaft für Demokratie Wetterau: Sie war bereits während der Konzipierung beteiligt und hat die Partnerschaft mit aufgebaut. Nun nimmt sie zu jeweils 50 Prozent Aufgaben im federführenden Amt und der Koordinierungs- und Fachstelle wahr: Von der Erstellung von Sachberichten über die Prüfung von Einzelnachweisen bis hin zu der Betreuung des Begleitausschusses und der Projektberatung – ihre Aufgaben sind so vielfältig wie die geförderten Projekte. 

"Demokratie leben!": Frau Wenk, welche thematischen Schwerpunkte bearbeiten Sie mit Ihrer Partnerschaft für Demokratie?
Cornelia Wenk: Der Wetteraukreis ist neben dem Lahn-Dill Kreis hessische Hochburg rechtsextremer und rechter Strömungen, Organisationen und Parteien. Die Stärkung der Zivilgesellschaft und die Bekämpfung dieser Strukturen haben einen hohen strategischen Anteil an unserer Arbeit. Hierbei gehen wir verschiedene Wege in Form von Präventionsangeboten sowie integrativen Aktionen zu den Themen Gender, Vielfalt und Diversität.

Die Partnerschaft für Demokratie Wetterau liegt im zweitgrößten Flächenkreis Hessens. Sie ist zuständig für 17 Kommunen, die teilweise im urbanen "Speckgürtel" um Frankfurt am Main, teilweise in ländlichen Regionen gelegen sind.

Internetauftritt der Partnerschaft für Demokratie

"Eine der Herausforderungen, mit denen ich öfter konfrontiert bin, ist immer wieder strategisch zu überlegen, wie ich alle Kommunen in der vorhandenen Struktur bei über 2000 Vereinen im Wetteraukreis und mit 56 Schulen im Zuständigkeitsbereich in das Förderprogramm einbinden kann, sodass möglichst viele vor Ort partizipieren."

Cornelia Wenk

Aufnahme von Cornelia Wenk: Auf ihrem T-Shirt steht "Kultur on Tour - Wir für Euch".

Gibt es in Bezug auf diese Schwerpunkte und Ihre Arbeit Unterschiede zur ersten Förderperiode von "Demokratie leben!"?
Ja und Nein – die Schwerpunkte inhaltlicher Art haben sich nicht verändert, die Problemlage im Kreis ist nach wie vor die Gleiche und verschärft sich in Zeiten der Pandemie noch.

Die Arbeit an sich hat sich schon verändert – durch immer größere Bekanntheit des Programms steigt die Anzahl der Vernetzungs- und Kooperationspartner und damit die Anzahl der Projektanträge von 11 im Jahr 2017 auf über 40 im Jahr 2020. Zudem wird das Netzwerk immer größer: Von anfangs etwa 40 Teilnehmenden auf unseren Netzwerktreffen sind wir jetzt bei 120 Teilnehmenden. Das betrachte ich als außerordentlich positiv und auch als Erfolg unserer Arbeit.

Neben jährlichen, öffentlichen Vortragsreihen zu Themen wie Rassismus oder Verschwörungsmythen nehmen Maßnahmen zur Demokratiestärkung besonderen Raum in der Projektförderung ein. Können Sie hierfür Beispiele nennen?
Der Bereich Demokratiestärkung umfasst unter anderem Einzelaktionen von Trägern, Bündnissen oder der Koordinierungsstelle selbst. Beispielhaft sei hier die Aktion des Wetterauer Frauenbündnisses zu "100 Jahre Frauenwahlrecht" im Jahr der Landtagswahl in Hessen genannt. Mit einer Straßenaktion und Infoständen verschiedenster Frauenorganisationen wurden unter dem Motto "Frauen wählt – Eure Stimme zählt" frauenpolitische Themen zur Diskussion, Abstimmung, Befragung präsentiert.

Zudem gibt es bildungspolitische Projekte, insbesondere in Schulen. Etwa ein Projekt an einer Gesamtschule zum Thema Rechtsextremismus. Hier wurde ein Aussteiger eingeladen, der im Rahmen von Workshops seine Geschichte und die Gefahren, in diese Gruppierungen hineinzugeraten, mit den Schülerinnen und Schülern aufgearbeitet hat. Diese Aktion war insofern sehr erfolgreich, als dass das Interesse für eine Studienfahrt nach Auschwitz unmittelbar danach angestiegen ist.

Sie sprechen bereits die Zusammenarbeit mit Schulen als großen Erfolgsfaktor an. Welche Resonanzen erhalten Sie von Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern?
Insgesamt sind die Rückmeldungen von Lehrkräften wie Schülerinnen und Schülern durchweg positiv zu bewerten. Im Wetteraukreis liegen 89 Schulen, davon 56 im Zuständigkeitsbereich der Partnerschaft für Demokratie Wetterau. An den Schulen, an denen es gelungen ist, eine Aktion oder ein Projekt zu implementieren, steigt das Interesse an dem Förderprogramm und es folgen in der Regel weitere Projektanträge und Aktionen. Gleichzeitig werden andere Schulen auch über "Mundpropaganda" auf das Förderprogramm aufmerksam und wenden sich an uns.

Letztes Jahr hatten Sie eine große Aktion namens "Kultur on Tour" gestartet: Regionale Künstlerinnen, Künstler und Vereine reisten durch den Landkreis und boten den Menschen trotz Corona-Beschränkungen ein Kulturprogramm unter freiem Himmel. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen und welche Motivation stand dahinter?
Mir war sehr schnell bewusst, dass die soziale Distanz im Lockdown die Menschen mürbe macht und sie immer "anfälliger" für abstruse Verschwörungstheorien, Rechtspopulismus und Verweigerung werden. Dies konnte man sehr gut in den "Sozialen Medien" verfolgen.

Meine Motivation war: Ich wollte der Resignation, dem Abdriften nach rechts und der sozialen Isolation entgegenwirken und deutlich machen: Es geht noch etwas in unserem Land, auch wenn es anders ist, als das, was wir kennen. Das Besondere war zudem, dass wir diese Aktion ausschließlich mit regionalen Kulturschaffenden und lokalen Vereinen durchgeführt haben.

Wie waren die Reaktionen?
Die Resonanz war unbeschreiblich, berührend. Noch heute sprechen die Menschen darüber, weitere ähnlich gelagerte Ideen sind hieraus entstanden. Es hat allen Beteiligten etwas Mut gemacht, in Pandemiezeiten an kreativen Lösungen zu arbeiten.

Nun noch zwei Fragen an Sie persönlich: Wie kann man sich eine typische Arbeitswoche bei Ihnen vorstellen? 
Einen typischen Arbeitsalltag oder Arbeitswoche gibt es nicht. Das ist das Schöne an diesem Programm, das muss man aber auch mögen. Eine 5-Tage-Woche, mit acht Stunden regelmäßig, ist selten der Fall. Vieles ist am Spätnachmittag, am Abend oder am Wochenende. Dies ist auch den Zielgruppen geschuldet, die unterstützt werden wollen. In der Regel sind das Ehrenamtliche, die diesen Job nach ihrem Arbeitsalltag ausführen. Wenn ich sie wirklich schätze und für das Programm gewinnen will, dann richte ich mich weitestgehend nach deren zeitlichen Bedarfen und Möglichkeiten.

Auch wenn ich in einer Verwaltung angesiedelt bin und der Verwaltungsaufwand außerordentlich hoch ist, so ist jeder Tag anders und bestimmt nicht so, wie sich Menschen Verwaltungsarbeit vorstellen. Ein Großteil meiner Arbeit umfasst auch die telefonische Beratung und Unterstützung, ansonsten bin ich viel unterwegs zu Projektträgern und Netzwerkpartnern.

Was treibt Sie an? 
Meine eigene persönliche wie private Motivation und Einstellung verbunden mit dem Glauben, die richtigen Menschen zum richtigen Zeitpunkt auf die richtige Art und Weise zu unterstützen, sie zu respektieren, zu beraten, zu motivieren und mit ihren Bedarfen ernst zu nehmen. Das ist für mich ein Garant für Erfolg. Zudem bewegt mich in Zeiten der Pandemie die Frage: Wie bekomme ich das soziale Gefüge, was total auseinandergebrochen und von Depressionen und Ängsten geprägt ist, wieder zusammen? Das ist eine echte Herausforderung.