Auf dem Foto ist ein Mädchen zu sehen, das vor einem Mikrofon steht. Ein Stückchen weiter, steht ein Laptop. Sie blickt noch leicht skeptisch. Bild: "Ein Funken Herten"

Durch den Funken Herten kommen Kinder zu Wort

Im Podcast "Ein Funken Herten" sprechen Kinder über ihren Alltag, Vielfalt und Demokratie. Sie sammeln die Ideen, recherchieren die Storys und interviewen die Großen und Kleinen in der Stadt.

Pinselstrich

Es ist erst ein Rascheln zu hören, das klingt als ob Papier zusammengeschoben wird und dann sind da plötzlich Kinderstimmen, die ganz laut ins Mikro rufen: "Ein Funken Herten".

"Ein Funken Herten" ist ein Podcast von Kindern für Kinder, der dennoch viel Wissenswertes für die Großen bietet. Die Themen reichen von phantasievollen Orten wie das Universum des Dr. Who bis hin zu thematisch anspruchsvollen Punkten wie dem Umgang mit Corona. Es wird gelesen, es wird gesungen und es werden Interviews geführt, zum Beispiel mit Hertener Bürgerinnen und Bürgern, die sich für Demokratie stark machen. In jeder Produktion stehen die Fragen, Ideen und Wünsche der jungen Redaktionsmitglieder im Vordergrund. Mittlerweile läuft die vierte Folge, in der aktuell Lisa, Ilin, Sabah und Ismael ihre Hörerinnen und Hörer ins Reich der Trolle und Elfen mitnehmen, aber auch ernste Probleme wie Kinderarbeit ansprechen.

Die Idee zum Podcast entstand während der Corona-Pandemie. "Uns war es wichtig, ein Medium zu schaffen, mit welchem Kinder ihren Gedanken und Ideen Gehör verschaffen können. Kinder beschäftigen sich nicht weniger als Erwachsene mit den Dingen, die um sie herum geschehen, sie werden nur viel zu selten danach gefragt", sagt Leonie Prinz. Sie hatte die Idee zu dem Projekt als sie 2020 ein Praktikum im Quartierbüro Herten Süd der Hertener Bürgerstiftung absolvierte. Das Quartierbüro ist im Stadtteil eine Anlaufstelle für Kinder und ihre Familien. Im Rahmen des Programms "Ein Quadratkilometer Bildung Herten" gibt es hier Hausaufgabenbetreuung, Nachhilfe, Freizeit- und Bildungsangebote.

Auf dem Foto sind drei Mädchen zu sehen, die an einem großen Tisch sitzen. Eine steht und beugt sich nach vorn, um ins Mikro zu sprechen. In der linken Bildhälfte ist ein Laptop mit einer Tonspur zu sehen. Bild: "Ein Funken Herten"
Einblicke ins improvisierte Aufnahmestudio, Bild: "Ein Funken Herten"

Von der Idee zum Projekt

Die 22-Jährige wollte ein Projekt realisieren, das das demokratische Verständnis von Kindern fördert und gleichzeitig auf deren Fähigkeiten und Ideen eingeht. Der Podcast solle dabei keine "erwachsene" Radiosendung simulieren, sondern einen Raum schaffen, in dem Kinder von ihrem Erleben und ihren Empfindungen erzählen können, sagt Leonie Prinz. Mit ihrem Bruder Jonas Prinz, der Angewandte Informatik studiert, machte sie sich an die Arbeit und es entstand der Projektantrag "Von wegen Funkstille – Raus mit der Sprache!" für "Demokratie leben!". Sie hatte schon im Vorfeld vergangene Projekte recherchiert und eine genaue Vorstellung davon, was wichtig für den Funken Herten ist. Das Projekt sollte unter anderem die individuelle Entwicklung der Kinder berücksichtigen, zur Meinungsbildung beitragen und auch eine kritische Auseinandersetzung ermöglichen. Mit Hilfe der Finanzierung von "Demokratie leben!" wurden dann Mikrofone angeschafft, die mit den bereits vorhandenen, gespendeten Laptops der Initiative "Süder Leben" kombiniert wurden. Ein zusätzliches Computerprogramm für Audioaufnahmen ergänzt nun "das kleine Aufnahmestudio" im Quartierbüro.

Auf das neue Angebot wurde direkt vor Ort aufmerksam gemacht, aber auch die Süder Grundschule und die Rosa Parks Schule in Herten haben mitgemacht. In einem Gespräch hatte eine Schülerin vom Projekt gehört und sich gleich selbst um einen Platz im Radioteam gekümmert. Die erste Staffel wurde dann Ende 2020 als einwöchiges Projekt in den Herbstferien umgesetzt. Die Redaktionsmitglieder gehen in die Klassen vier bis sechs und sind zwischen neun und zwölf Jahre alt.

Die Zahl der Plätze ist begrenzt, auch damit die Kinder intensiv begleitet werden können. Darüber hinaus kann so das Redaktionssetting flexibel an die Hygiene-Regelungen angepasst werden. Je nach Inzidenzwert können die Kinder einzeln, in Gruppen oder auch ganz digital angeleitet werden.

Mädchen hält ein Mikrofon in die Kamera. Sie lächelt. Bild: "Ein Funken Herten"
Einblicke ins improvisierte Aufnahmestudio, Bild: "Ein Funken Herten"

"Ein Funken Herten" geht weiter

Mittlerweile läuft die zweite Staffel auf www.ein-funken-herten.de und bis zum Dezember 2021 sollen insgesamt vier Folgen unter dem Schwerpunkt kulturelle Vielfalt und Diversität entstehen. "Für jede Folge werden mögliche Themen ausgewählt: Was geschieht aktuell in Herten und in der Welt? Was beschäftigt die Menschen? Welche Feste werden gefeiert?", so Leonie Prinz. Sie und ihr Bruder haben sich zwar aufgrund ihres Studiums etwas zurückgezogen, wirken aber weiterhin an der Produktion mit.

"Die Kinder sind neugierig und lieben Herausforderungen. In den Redaktionssitzungen vermitteltes neues Wissen regt sie zur Auseinandersetzung mit der eigenen Lebenswelt und bisher noch unbekannten Lebensweisen anderer Menschen an", sagt Susanne Schmülling, die für die Planung und Durchführung des Projekts verantwortlich ist. Das erwachsene Redaktionsteam teilt sich inzwischen für die Produktion auf. "Während zwei Mitarbeiterinnen mit den Kindern vor Ort arbeiten, kümmern sich zwei weitere Mitarbeitende um den technischen Aufwand, Ton- und Hintergrundgeräusche sowie den Zusammenschnitt der Aufnahmen", erzählt Melina Tessmann. Sie ist neu im Team und betreut die Aufnahmen.

Die Eltern der Kinder sind stolz und freuen sich über jede Folge, denn innerhalb eines Projekts ergebnisorientiert zu arbeiten, ist schließlich auch für die Großen nicht immer einfach. Die Kinder stärken zudem ihr Selbstbewusstsein und lernen Herten aus verschiedenen Perspektiven kennen.

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