Kinosaal

Demokratie im Kino erleben

Filme lösen Emotionen aus. Das kann helfen, um über Demokratie, Rassismus oder Antisemitismus ins Gespräch zu kommen. Im Bundesprogramm "Demokratie leben!" werden darum Filmvorführungen auch für die lokale Demokratiearbeit eingesetzt.

Pinselstrich

Der Geruch von Popcorn, der schwere Vorhang und die bequemen Sessel – Kino ist ein Erlebnis. Immer wieder wird diese besondere Atmosphäre im Kinosaal im Bundesprogramm "Demokratie leben!" genutzt, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Die Partnerschaften für Demokratie im Kyffhäuserkreis und im Rheingau-Taunus-Kreis haben Formate entwickelt, die Filmvorführungen zur Vermittlung demokratischer Werte einsetzen.

Menschen und ihre Geschichten

"Wir wollten ein Angebot etablieren, mit dem wir Jugendliche und junge Erwachsene besonders gut erreichen", sagt Yasmin Zengerle von der Partnerschaft für Demokratie im Rheingau-Taunus-Kreis. "Dazu eignen sich Filme einerseits ganz besonders, weil sie unterschiedliche Perspektiven nicht nur beschreiben, sondern dazu einladen, die Welt aus unterschiedlichen Perspektiven zu erleben." Durch Filme sei es möglich, sich in die Situation anderer Menschen zu versetzen und deren Sichtweise nachzuempfinden. "Gleichzeitig zeigen aktuelle Jugendumfragen, dass der Kinobesuch nach wie vor zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten unserer Zielgruppe zählt", so Yasmin Zengerle. Deshalb wurde die mehrmonatige Filmreihe "democra-see" ins Leben gerufen. Es war dem Team um die Partnerschaft für Demokratie wichtig, die Filme als Ausgangspunkt für politische Bildungsangebote und einen gemeinsamen Austausch zu betrachten.

Die Vorstellung der Dokumentation "Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen" wurde zum Beispiel durch eine "lebendige Bibliothek" begleitet. Anstelle von Büchern gab es Menschen und ihre Geschichten zu entdecken, wie etwa vom Projekt "Rheingauer Jugend für Afrika" oder den "GemüseheldInnen". Auch geflüchtete Menschen teilten ihre Erfahrungen. "Im Hinblick auf das Begleitprogramm haben wir uns bemüht, möglichst vielfältige Angebote zu konzipieren. Neben klassischen Workshops und der 'lebendigen Bibliothek' haben wir ein Filmgespräch oder ein Pub-Quiz zum Thema Frauenrechte und Gleichberechtigung organisiert."

Kino im Rheingau-Taunus-Kreis

Die Partnerschaft für Demokratie im Rheingau-Taunus-Kreis hat 2022/2023 eine mehrmonatige Filmreihe veranstaltet.

Roter Kinosaal und Menschen, die auf die Leinwand gucken
Filmvorführung, Bild: Partnerschaften für Demokratie Rheingau-Taunus-Kreis

Erinnerungskultur stärken

Die Partnerschaft für Demokratie im thüringischen Kyffhäuserkreis nimmt Gedenktage – wie den 27. Januar, 8. Mai oder 17. Juni – zum Anlass ins örtliche Kino einzuladen. "Wir orientieren uns an geschichtsträchtigen Daten, um die Erinnerungskultur zu stärken. Vielen ist zum Beispiel nicht bewusst, was am 17. Juni 1953 geschehen ist", sagt Sabrina Krause von der örtlichen Koordinierungs- und Fachstelle. Jedes Jahr werden Gedenktage mit einer thematischen Filmvorführung und zusätzlichen Angeboten wie einer Ausstellung zum Volksaufstand in der DDR verbunden. "Es ist uns wichtig, durch das Medium Film über Einzelschicksale ins Gespräch zu kommen. Oftmals sind es wahre Begebenheiten, die erzählt werden und es kommt zu einer emotionalen Bindung an die filmische Figur. Die Filme spielen in der Regel in der NS-Zeit, erzählen Geschichten über Rassismus oder die DDR-Diktatur."

Die Filmauswahl reicht von der Komödie "Freibad" über die "Wannenseekonferenz" bis hin zum Drama "Aus dem Nichts". Das regelmäßige Angebot wird von allen Filmbegeisterten genutzt, unter anderem auch von Schulklassen und Jugendeinrichtungen.

Kino im Kyffhäuserkreis

Die Partnerschaft für Demokratie im Kyffhäuserkreis richtet das Kinoprogramm an Gedenktagen aus.

Erfolgsfaktor Publikum

Welche Filme gezeigt werden, entscheiden die Mitarbeitenden der Partnerschaften für Demokratie. Den Filmverleih organisieren anschließend die Kinobetreibenden. "Die Resonanz auf die gezeigten Filme ist sehr unterschiedlich, besonders gut werden aber aktuellere Filme angenommen", sagt Sabrina Krause. Für die Besuchszahlen spielt auch die Werbung durch das Kino selbst eine Rolle. "Viele erfahren von unseren Filmvorführungen zudem durch Netzwerke und Online-Plattformen und wir informieren die Presse, wie die Online-Zeitung Kyffhäuser Nachrichten." Die Tickets für die Filmvorführungen sind dabei kostenlos – und das kommt gut an. So gab es für den Film "Aus dem Nichts" sogar eine zweite Vorführung, da die erste Vorstellung ausgebucht war.

Die Erfahrung hat auch Yasmin Zengerle aus dem Rheingau-Taunus-Kreis gemacht, auch hier werden die Vorstellungen sehr gut angenommen. Wenn die Besuchszahlen stark variieren, "lässt sich dies aber, unserer Ansicht nach, in den meisten Fällen auf drei Aspekte zurückführen: Filmauswahl, Spielzeiten und höhere Gewalt." So hat es bei drei Vorführungen massiv geschneit, sodass viele der angemeldeten Besucherinnen und Besucher kurzfristig absagen mussten. "Derartige Hindernisse lassen sich im Vorfeld aber natürlich nur schwer planen oder umgehen." Da in den Sommermonaten die Kinos oftmals weniger Besucherinnen und Besucher erwarten, gibt es in dieser Zeit keine Filmvorführungen durch die Partnerschaft für Demokratie. Das Demokratiekino hat jedoch Impulse gesetzt, denn das Jugendforum organisiert ein Open-Air-Kino von Jugendlichen für Jugendliche.


Veröffentlicht im Juli 2023