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Antisemitismus an Schulen: Studie und Lernmaterial

Eine Studie beschäftigt sich damit, wie Lehrkräfte mit Antisemitismus an Schulen umgehen, und gibt Anregungen zur Verbesserung der Situation.

Pinselstrich

Antisemitische Einstellungen sind in unserer Gesellschaft tief verankert. Dies äußert sich nicht nur in offener Feindschaft gegenüber Jüdinnen und Juden, sondern insbesondere auch in diffusen Ressentiments und Vorbehalten. Auch an Schulen kommt es immer wieder zu Vorfällen mit antisemitischem Hintergrund.

Studie "Antisemitismus im Kontext Schule"

Wie Lehrkräfte und Schulleitungen mit Antisemitismus im schulischen Kontext umgehen, ist bislang wenig erforscht. Einen Beitrag dazu, diese Leerstelle zu füllen, leistet eine 2020 veröffentlichte Studie des Kompetenzzentrums für Prävention und Empowerment der Zentralwohlfahrtstelle der Juden in Deutschland. Sie befasst sich damit, wie Antisemitismus an Schulen von Lehrerinnen und Lehrern sowie den Schulleitungen wahrgenommen, eingeordnet und bearbeitet wird.

Im Rahmen von Einzelinterviews und Gruppendiskussionen hat die Studie Erkenntnisse zu folgenden Forschungsfragen gewonnen:

  • Welchen Umgang mit antisemitischen Phänomenen praktizieren Lehrkräfte?

  • Welches Verständnis von Antisemitismus liegt ihrem jeweiligen Handeln zugrunde?

  • Welche Bedarfe formulieren Lehrkräfte explizit, welche lassen sich aus ihren Darstellungen ableiten?

  • Welche Praktiken und Interventionsansätze sind an Schulen etabliert und welche möglichen Ansatzpunkte zur Verbesserung der Situation werden deutlich?

Wissen vorhanden

Die Studienautorinnen Marina Chernivsky und Friederike Lorenz stellen unter anderem fest, dass die befragten Lehrerinnen und Lehrer zwar überwiegend einen guten Wissensstand zum abstrakten Konzept des Antisemitismus haben, es vielen aber schwerfalle, dieses Wissen auf den Schulalltag zu übertragen und konkreten Antisemitismus als solchen einzuordnen. Dies rühre unter anderem daher, dass sie selbst oftmals durch die Beschäftigung mit der Shoa und dem historischen Antisemitismus an das Thema herangeführt worden seien und deshalb nur abstrakte und unpersönliche Berührungspunkte mit dem Thema hätten. Der historische und der gegenwärtige Antisemitismus würden oftmals nicht in Beziehung gesetzt.

Stärkere Thematisierung der Auswirkungen

Die Perspektive der von antisemitischer Diskriminierung oder Gewalt betroffenen Schülerinnen und Schüler spiele bei der schulischen Bearbeitung derartiger Übergriffe insgesamt nur eine untergeordnete Rolle. Pädagogische Interventionen richteten sich vorwiegend an die gewaltausübenden Schülerinnen und Schüler und erfolgten auf moralisch-appellativer Ebene. Es sei, so die Studienautorinnen, jedoch notwendig, stärker die Auswirkungen antisemitischer Äußerungen auf Betroffene zu thematisieren. Auch die strukturelle Dimension des Antisemitismus in unserer Gesellschaft müsse mehr in den Blick genommen werden. Viele Lehrkräfte nähmen an, Antisemitismus sei vorrangig unter Jugendlichen zu finden.

Vielfach mangele es Lehrkräften zudem an Orientierung und Handlungssicherheit im Umgang mit Antisemitismus in der Schule, obwohl dieser - so ein weiterer Befund der Studie - in vielen Schulen zum Schulalltag gehöre.

Aus den Befunden der Studie leiten die Autorinnen eine Reihe von Anregungen ab, die beispielsweise die Weiterentwicklung schulischer Konzepte, die Entwicklung von Fort- und Weiterbildungsangeboten oder die Einbindung von Bildungsangeboten zu Antisemitismus in das Lehramtsstudium beinhalten.

Studie

"Antisemitismus im Kontext Schule - Deutungen und Umgangsweisen von Lehrer*innen an Berliner Schulen"

Schriftgrafik: Antisemitismus im Kontext Schule
Titelbild der Studie "Antisemitismus im Kontext Schule". Bild: Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment

Lernmaterial zur Beschäftigung mit Antisemitismus an Schulen - ein Beispiel

Obwohl der Fokus der Präventionsarbeit in der Regel auf Schülerinnen und Schülern an Sekundar­schulen liegt, wirken antisemitische Vorurteile und Diskriminierungen bereits auf Kinder im Grundschulalter. Bleiben diese unwidersprochen, verstetigen sie sich und werden zu festen Weltbildern.

Zur Bearbeitung des Themas Antisemitismus in der Grundschule hat das Anne Frank Zentrum gemeinsam mit der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie eine Handreichung entwickelt, die sich dem Thema altersangemessen nähert. Lehrkräfte finden hier Hintergrund­informationen, praktische Tipps, Argumentationshilfen, methodische Anregungen und Hinweise auf weiterführende Materialien. Unter anderem ist auch ein Leitfaden für den Umgang mit antisemitischen Vorfällen an der eigenen Schule enthalten.

Die Handreichung "Umgang mit Antisemitismus in der Grundschule" wurde in Berlin kostenlos an Lehrkräfte und Schulen verteilt und kann darüber hinaus beim Anne Frank Zentrum kostenlos heruntergeladen oder gegen eine Schutzgebühr in gedruckter Form bestellt werden.

Das Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment der Zentralwohlfahrtstelle der Juden in Deutschland und das Anne Frank Zentrum sind Mitglieder des Kompetenznetzwerks Antisemitismus im Bundesprogramm "Demokratie leben!". Weiteres Lernmaterial, Verweise zu Beratungsangeboten sowie Studien und Analysen stellt das Kompetenznetzwerk auf seinem Internetauftritt bereit.

Internetseite des Kompetenznetzwerks Antisemitismus

Handreichung und Methodensammlung

"Umgang mit Antisemitismus in der Grundschule"

Zeichnungen einer Menora, eines Bilderrahmens und eines Feuerlöschers über der Schriftgrafik: Umgang mit Antisemitismus in der Grundschule
Titelbild der Broschüre "Umgang mit Antisemitismus in der Grundschule". Bild: Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie