Die Grafik zeigt eine Tafel, darauf ist ein großer Kreidepfeil auf den viele kleine Pfeile zufliegen.

Für Vielfalt – Gegen Antifeminismus

Das Projekt "Antifeminismus begegnen – Demokratie stärken" sensibilisiert und entwickelt Handlungsoptionen, um Anfeindungen und antifeministischem Verhalten entgegenzuwirken.

Pinselstrich

Antifeminismus hat viele Gesichter und zeigt sich manchmal in einem schlechten Witz oder ganz offen mit verbaler und auch körperlicher Gewalt. Antifeminismus trägt dazu bei, dass vielfaltsfeindliche Einstellungen sich in den Alltag einschleichen und dabei häufig gar nicht (mehr) wahrgenommen werden. Das Begleitprojekt "Antifeminismus begegnen – Demokratie stärken" will daran etwas ändern und richtet sich an Programmpartnerinnen und -partner von "Demokratie leben!" sowie an Fachkräfte in gleichstellungspolitischen Feldern und an die von antifeministischen Angriffen Betroffenen. Im Gespräch berichtet Projektleiter Henning von Bargen über die Projektziele und den Zusammenhang von Antifeminismus und Rechtsextremismus. 

Was ist Antifeminismus?
Seit Frauen sich gegen ihre Unterdrückung wehren, gibt es immer wieder Bestrebungen, ihre Emanzipation zu verhindern. So versuchten beispielsweise vor mehr als 100 Jahren Antifeministen, das Wahlrecht für Frauen zu torpedieren. Bei der Gründung der Bundesrepublik war es ein harter Kampf, die Gleichberechtigung von Frau und Mann im Grundgesetz zu verankern. Trotzdem konnte ein Mann zum Beispiel noch bis 1976 per Gesetz seiner Ehefrau verbieten, berufstätig zu sein.

Antifeminismus bedeutet, feministische Anliegen und Positionen pauschal, aktiv und oft organisiert zu bekämpfen oder zurückzuweisen, sei es als Individuum in Internet-Diskussionen, sei es in Parteien oder anderen Gruppierungen.

Aktuell zeigt sich Antifeminismus in einem neuen Gewand als Anti-Gender-Mobilisierung. Diese richtet sich nicht nur gegen Feminismus und Gleichstellung, sondern auch dagegen, die Vielfalt sexueller, geschlechtlicher, amouröser und familiärer Lebensweisen und Identitäten als gleichwertig zu akzeptieren. Ebenso wird gegen die Gender Studies und Geschlechterforschung als angebliche "Gender-Ideologie" mobilisiert. Es wird ein antimodernes, heteronormatives, rechts-konservatives bis extrem rechtes Weltbild geteilt. Dieses ist eng mit anderen Ungleichwertigkeitsvorstellungen wie Rassismus oder Antisemitismus verbunden.

Wie und wo äußert sich eine antifeministische Haltung?
Spätestens seit dem Erstarken neu-rechter Parteien in Europa haben antifeministische Haltungen und Ressentiments Parlamente, Talkshows, soziale Medien, das eigene Arbeitsumfeld und die Straße erreicht. Feindbilder werden konstruiert, wie zum Beispiel die Behauptung, Feminismus sei eine einheitliche und übermächtige Bewegung, die Männer unterdrücken wolle und ein gemeinschaftliches Miteinander verhindere. Anfeindungen und Hasskommentare richten sich gegen Menschen, die als "anders" wahrgenommen und deshalb ausgegrenzt werden, zum Beispiel Schwarze, Frauen, Lesben, Schwule, trans*, nicht- binäre und inter* Personen.

Zum Projekt

Das Begleitprojekt wird im Verbund aus dem Gunda-Werner-Institut der Heinrich-Böll-Stiftung, der Amadeu-Antonio-Stiftung und Dissens – Institut für Bildung und Forschung e. V. realisiert und ist mitten im Aufbau.

Neben Bildungs- und Informationsangeboten werden verschiedene Online- und Präsenzformate entwickelt, die Austausch, Vernetzung und (Weiter-)Bildung rund um das Themenfeld Antifeminismus ermöglichen.

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Das Logo zeigt einen bunten Mosaikkasten, in dem ein roter Splitter aus dem Quadrat ragt.

Welche demokratiegefährdenden Auswirkungen können antifeministische Denkweisen und Handlungen haben?
Antifeminismus legitimiert die Diskriminierung von Menschengruppen, was eindeutig antidemokratisch ist. Es handelt sich, in der organisierten Form, um bewusste Angriffe auf Menschenrechte, Chancengleichheit, Gleichstellung sowie die Teilhabe am öffentlichen Leben. So wird gegen das Recht auf sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung von Frauen, trans* und inter* Personen mobilisiert. Damit einher geht auch die Verschwörungserzählung des vermeintlich "großen Austauschs". Gemeint ist die angebliche Schuld der Feminist*innen an dem Geburtenrückgang der weißen Bevölkerung. Zugleich wird der angebliche Kinderreichtum von migrantischen Familien rassistisch kritisiert. Vom großen Austausch sind neben Rechtsextremen zum Beispiel auch Mitglieder der INCEL-Bewegung überzeugt, wie sich bei der Aufklärung der vergangenen Attentate in Halle, Christchurch, Toronto und Hanau herausstellte. Dies zeigt, wozu rechtsextremistische, antimuslimische, antisemitische und antifeministische Denkweisen führen können.

Wie sind Antifeminismus und Rechtsextremismus miteinander verknüpft?
Antifeministische Diskurse können ein Einfallstor in extremistisches Denken sein, verbinden sich mit Rassismus, Antisemitismus, klassischem Sexismus und anderen Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und verstärken diese. Ebenso bildet die Ablehnung von Gender eine Brücke in die Mitte der Gesellschaft, in das konservative Milieu hinein und unterstützt damit die schleichende Erosion feministischer und gleichstellungspolitischer Werte und Errungenschaften.

Welche Strategien gibt es, um einer antifeministischen Haltung entgegenzutreten?
Antifeminismus findet sich sowohl in individuellen Verhaltens- und Denkweisen als auch in institutionellen Strukturen. Gegenstrategien setzen daher auf unterschiedlichen Ebenen an. Allgemein gilt es, Gleichstellungs- und Anti-Diskriminierungspolitiken zu stärken und die Forschung zum Zusammenhang von Antifeminismus und Rechtspopulismus/Rechtsextremismus gerade in der Online-Welt zu fördern. Angriffe und Hate-Speech müssen online konsequent verfolgt, Verschwörungserzählungen konsequent aufgedeckt werden.

Auf antifeministische Aussagen kann unterschiedlich reagiert werden. Es hängt davon ab, wer, wann, in welcher Situation betroffen ist. Dabei obliegt die Deutung der Situation, ob sie antifeministisch ist oder nicht, der betroffenen Person. Handlungsoptionen entwickeln heißt Haltung zeigen. Sowohl Einzelperson als auch Organisationen können sich Wissen aneignen, ihre eigene Haltung reflektieren und stärken.

Im Begleitprojekt setzen Sie sich mit Antifeminismus als demokratiefeindlichem Phänomen auseinander. Welche Ziele hat das Projekt?
Die Auseinandersetzung mit Antifeminismus als demokratiefeindlichem Phänomen wurde bislang zu wenig wahrgenommen. Das Projekt will diese Lücke schließen. Es sensibilisiert durch öffentlichkeitswirksame Maßnahmen für die Auswirkungen von Antifeminismus, stärkt und qualifiziert durch Informations-, Fortbildungs- und Vernetzungsangebote für die Auseinandersetzung und den Umgang damit. Das Projekt unterstützt so proaktive Demokratieförderung und nachhaltige Präventionsarbeit. Es unterstützt mit seinen Maßnahmen und Projekten die Aktivitäten im Bundesprogramm, setzt antidemokratischen Entwicklungen etwas entgegen und stärkt die Resilienz der Zivilgesellschaft gegen Antifeminismus.


Veröffentlicht im April 2022

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