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Interessenbekundungsverfahren für den Programmbereich „Modellprojekte zur Radikalisierungsprävention“

 

Aufruf zur Interessenbekundung

 im Bundesprogramm „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“

 Programmbereich E: „Modellprojekte zur Radikalisierungsprävention“

 

 in den Themenfeldern:

a)    Rechtsextremismus
b)    Islamistische Orientierungen und Handlungen
c)    Linke Militanz

 

    1.    Zielsetzung des Bundesprogramms

    Im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ fördert das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) Vereine und Initiativen, die sich der Förderung von Demokratie und Vielfalt widmen, gegen Rechtsextremismus, Gewalt sowie Phänomene gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit arbeiten und präventiv gegen Radikalisierung wirken. Das Bundesprogramm verfolgt dabei einen jugend- und engagementpolitischen Ansatz und zielt u. a. auf die Einbindung und Förderung von lokalen Akteuren ab, um zivilgesellschaftliche Strukturen und zivilgesellschaftliches Engagement zu stärken.

    2.    Gegenstand der Interessenbekundung

    Mit der Förderung von Modellprojekten zur Radikalisierungsprävention möchte das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) die Entwicklung und Erprobung von weiteren innovativen Ansätzen und Methoden in der Arbeit gegen Rechtsextremismus, islamistische Orientierungen und Handlungen sowie Linke Militanz vorantreiben. Dabei werden spezifische Zielgruppen in den Blick genommen, die (erkennbar) mit demokratiefeindlichen Ideologien sympathisieren bzw. sich direkt in deren (sozialem) Umfeld bewegen. Ziel es, die präventiv-pädagogische Praxis in der Kinder- und Jugendarbeit weiterzuentwickeln. Es ist geplant, wenige, besondere Modellprojekte aus den folgenden Themenfeldern zur Förderung auszuwählen:

    a)    Themenfeld „Rechtsextremismus“:

    Die Förderung von Modellvorhaben im Themenfeld „Rechtsextreme Orientierungen und Handlungen“ hat das Ziel, neue und innovative Zugänge zu jungen Menschen mit Affinitäten zu rechtsextremen Ideologien und/oder Akteurinnen und Akteuren aus entsprechenden Szenen und Organisationen zu erschließen und gezielt Ansätze der pädagogischen Arbeit mit den genannten Jugendlichen und jungen Erwachsenen (weiter-)zu entwickeln. Dabei ist insbesondere aktuellen Formen des Rechtsextremismus sowie dem veränderten Freizeit- und Gruppenverhalten Jugendlicher (z.B. Quantität und Qualität der Mediennutzung, wechselnde Peerzugehörigkeiten) Rechnung zu tragen. Weiterhin sollen Projekte in diesem Themenfeld modellhafte pädagogische Ansätze und Methoden entwickeln und testen, die eine kritische Auseinandersetzung mit demokratiefeindlichen sowie diskriminierenden Einstellungen und Handlungen wirkungsvoll ermöglichen. Damit soll verhindert werden, dass sich diese Einstellungen und Handlungen bei Jugendlichen verfestigen und/oder die Jugendlichen weiter in rechtsextreme Milieus abgleiten.

    Ausgeschriebene Schwerpunkte im Themenfeld Rechtsextremismus:

    1. Zugänge zu Jugendlichen mit Affinitäten zu Diskursen und Gruppen der „Neuen Rechtsextremen“
      Gefördert werden Modellprojekte, die Ansätze und Konzepte hinsichtlich der Erreichung von und der Arbeit mit Jugendlichen mit Affinitäten zu Phänomenen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit entwickeln und erproben. Dabei gilt es insbesondere Jugendliche in den Blick zu nehmen, die weniger (gewalt-)auffällig und/oder strukturell (eher) gut integriert sind und die nicht dem Stereotyp des „desintegrierten und gewalttätigen rechtsextrem orientierten Jugendlichen“ entsprechen. Neue Modellprojekte können zugangserschließende Aktivitäten und Maßnahmen zu solchen Zielgruppen erproben. Im Fokus stehen dabei insbesondere Sympathisantinnen und Sympathisanten bzw. Angehörige der heterogenen neuen jugendkulturellen rechtsextremen Szenen, die bislang kaum von der pädagogischen Präventionsarbeit adressiert wurden.

    2. Pädagogische Arbeit mit Ansätzen zur Online-Offline-Verschränkung
      Gefördert werden Modellprojekte, die die Verschränkung von Online- und Offline-Arbeit mit einstiegsgefährdeten Jugendlichen erproben. Es sollen erfolgversprechende Wege der aufsuchenden online-Ansprache und einer darauf basierenden Arbeitsbeziehung und pädagogischen Arbeit in offline-Kontexten ausgelotet werden. Erste Erfahrungen aus der bisherigen Projektpraxis verdeutlichen wie herausforderungsvoll es ist, derartige online/offline-Angebote zu etablieren. Erwünscht sind insbesondere eine intensivere Erprobung unterschiedlicher Zugangswege im Netz und die Entwicklung entsprechender pädagogischer Vorgehensweisen bzw. medienpädagogischer Ansätze in der Arbeit mit einstiegsgefährdeten Jugendlichen. Von Interesse ist dabei auch die Erprobung von medienpädagogischen Formaten zur Stärkung der Medienkompetenz der Zielgruppe.

    3. Ansätze der Verschränkung von sozialpädagogischen Zugängen mit politischer Bildungsarbeit
      Gefördert werden Modellprojekte, die Angebote und konzeptionelle Ansätze entwickeln, die sozialpädagogische Zugänge und Arbeitssettings mit Zielstellungen und Inhalten politischer Bildungsarbeit fachlich versiert verschränken. Zur Unterstützung ideologischer Distanzierungsprozesse und zur Beförderung der kritisch-reflektierten Auseinandersetzung mit rechtsextremen Angeboten, können insbesondere auch Tandem-Konstruktionen von Sozialer Arbeit und politischer Bildung gefördert werden.

    4. Neue Ansätze der Arbeit mit rechtsextrem gefährdeten bzw. orientierten Jugendlichen in deren selbstgewählten Vergemeinschaftungs- und Freizeitkontexten
      Gefördert werden Modellprojekte, die neue Ansätze entwickeln, um mit rechtsextrem gefährdeten bzw. orientierten Jugendlichen in deren selbst gewählten Vergemeinschaftungs- und Freizeitkontexten zu arbeiten. Infolge eines gewandelten jugendlichen Freizeitverhaltens wie auch anderer Vergemeinschaftungsformen rechtsextrem orientierter Jugendlicher (Stichworte: geringere Präsenz bzw. Sichtbarkeit im öffentlichen Raum, Mischcliquen) sind diese inzwischen über klassische Formen der aufsuchenden Cliquenarbeit mit rechtsextrem orientierten Jugendlichen deutlich schwerer erreichbar. Angesichts der hohen Relevanz von Peer-Group -Kontexten und Gruppendynamiken für Hinwendungs- und Radikalisierungsprozesse Jugendlicher gilt es, neue Wege auszuloten, um gefährdete Jugendliche in ihren selbstgewählten Vergemeinschaftungs- und Freizeitkontexten zu erreichen und mit ihnen zu arbeiten.

    5. Ansätze zur Bearbeitung milieuspezifischer ultranationalistischer Haltungen und Handlungen
      Gefördert werden Modellprojekte, die innovative und geeignete Zugänge erschließen und pädagogische Ansätze entwickeln und erproben, die sich mit milieuspezifisch ausgeprägten ultranationalistischen Haltungen und daraus erwachsenden gewaltorientierten Handlungen unter Jugendlichen auseinandersetzen. Diese Auseinandersetzung ist auch in migrantisch geprägten Kontexten notwendig, in denen mediale und andere Einflüsse aus den Herkunftsländern zu einer Politisierung und Polarisierung unter Jugendlichen mit unterschiedlichen ethnischen Hintergründen führen. Jugendliche sollen dabei in ihrer Identitätsentwicklung und Verwurzelung in Deutschland unterstützt werden, indem ihr Migrationshintergrund als Ressource genutzt wird und sie gegen nationalistische Abgrenzungs- und Abwertungsmuster gestärkt werden. Es gilt geeignete Zugänge zu Milieus mit ausgewiesener Problemlage zu erschließen und modellhaft pädagogische Ansätze zur Bearbeitung solcher Konflikte zu entwickeln und zu erproben.

    6. Erprobungen von Transferstrategien
      Mit Blick auf Ansätze der Radikalisierungsprävention im Themenfeld Rechtsextremismus lässt sich feststellen, dass bereits ein hoher Spezialisierungsgrad vorliegt, der teilweise einen Transfer in die Regelpraxis der Kinder- und Jugendhilfe aufgrund der erforderlichen fachlichen Kenntnisse zumindest erschwert. Um diese voraussetzungsvollen Ansätze dennoch „in die Breite“ zu bringen, werden Konzepte gefördert, die Übertragungsmöglichkeiten in die Regelpraxis der Kinder- und Jugendhilfe erproben und zugleich erforderliche Modifikationsmöglichkeiten ausloten. Gefördert werden auch Transferstrategien, die auf langfristigere Begleitung (Coaching, Tandem, etc.) von Akteuren der lokalen Kinder- und Jugendhilfe durch fachlich etablierte und erfahrene Träger der „Spezialangebote“ abzielen.

    b)    Themenfeld „Islamistische Orientierungen und Handlungen“:

    Die Förderung von Modellvorhaben im Themenfeld „Islamistische Orientierungen und Handlungen“ fokussiert auf die Zugangserschließung zu jungen Menschen mit Affinitäten zu islamistischen Ideologien und/oder szeneinternen Akteurinnen und Akteuren. Angestrebt wird die Entwicklung und Erprobung von modellhaften pädagogischen Angeboten zur Auseinandersetzung mit religiös begründeter Demokratiefeindlichkeit, Abwertung von Andersgläubigen und religiös begründeter Gewaltakzeptanz/(ideologisierter) Gewalt bei jungen Musliminnen und Muslimen. Die pädagogische Praxis in diesem Themenfeld steht vor der Herausforderung, das Verhältnis zwischen legitimer Religionsausübung und religiös begründeter Radikalisierung sensibel auszuloten. Allerdings können Äußerungen religiös begründeter Demokratiefeindlichkeit und Abwertung von Andersgläubigen auch Protestverhalten ausdrücken und gezielte Provokation (z.B. in Reaktion auf wahrgenommene Zuschreibungen durch mehrheitsgesellschaftliche Akteurinnen und Akteure) darstellen. Die diversen Motivlagen und andere fachliche Herausforderungen im Themenfeld sollten in der präventiv-pädagogischen Arbeit von Modellprojekten angemessen berücksichtigt werden, um Stigmatisierungen zu vermeiden. 

    Ausgeschriebene Schwerpunkte im Themenfeld Islamistische Orientierungen und Handlungen:

    1. Zugänge zu Jugendkulturen mit Affinität zu demokratiefeindlichen, gewaltorientierten islamistischen Ideologien
      Gefördert werden Modellprojekte, die Zugänge zu Jugendkulturen und jugendliche Subkulturen mit Affinität zu islamistischen Ideologien schaffen und bearbeiten. Es gilt Jugendliche zu erreichen, deren Affinität zu Inhalten und Akteuren des demokratiefeindlichen und/oder gewaltorientierten Islamismus nicht primär von religiösen Überzeugungen getragen wird. Die Affinitäten und Hinwendungsprozesse in diesen Milieus sind eher von gesellschaftsbezogenen oder innerfamiliären Abgrenzungen und Provokationen geprägt. Diese Jugendlichen werden durch religiös konnotierte Ansätze der präventiv-pädagogischen Arbeit kaum erreicht. Daher soll die Erprobung spezifischer Zugänge in diese jugendlichen Sympathiemilieus gefördert werden. Wünschenswert ist in diesem Themenschwerpunkt auch die Umsetzung von genderreflektierenden Ansätzen in der Arbeit mit Jugendlichen mit Affinität zu islamistischen Ideologien.

    2. Zugänge in der Distanzierungsarbeit über innovative Kooperationsmodelle
      Gefördert werden Modellprojekte zur Distanzierungsarbeit mit radikalisierungsgefährdeten und demokratiefeindlich-islamistisch orientierten Jugendlichen aus muslimischen Familien. In der bisher etablierten Distanzierungsarbeit erfolgt die Zugangserschließung vor allem über Familiensysteme. Erreicht werden damit jedoch überdurchschnittlich viele konvertierte Personen bzw. deren Bezugspersonen. Vor diesem Hintergrund besteht einerseits besonderer Entwicklungsbedarf darin, insbesondere Zugänge zu radikalisierungsgefährdeten und demokratiefeindlich-islamistisch orientierten Jugendlichen aus muslimisch geprägten Familien und Kontexten zu erschließen. Förderungswürdig sind zudem zugangserschließende Kooperationen mit Akteuren aus unterschiedlichen Institutionen, in denen diese Jugendliche auffällig werden können (Polizei, Schule, Jugendgerichtshilfe, Jugendamt, muslimische Gemeinden, etc.). Wünschenswert ist in diesem Themenschwerpunkt auch die Umsetzung von genderreflektierenden Ansätzen in der Arbeit mit demokratiefeindlich-islamistisch orientierten Jugendlichen.

    3. Unterstützung muslimischer Milieus und Gemeinden im Umgang mit demokratiefeindlicher islamistischer Radikalisierung
      Gefördert werden Modellprojekte, die mit Beratungsangeboten muslimische Milieus besser als bisher erreichen, indem sie bestehende Zugangsschwellen und Vertrauensdefizite abzubauen vermögen. Die Erprobung adäquater Zugangswege und die Unterstützung von muslimischen Milieus im Umgang mit demokratiefeindlicher islamistischer Radikalisierung können insbesondere auch in Tandemprojekten erfolgen. Gefördert werden Kooperationen zwischen Akteuren aus muslimischen Milieus und professionellen Akteuren der Beratung und Distanzierungsarbeit mit Akteuren aus muslimischen Milieusggf. in Partnerschaft mit der lokalen Polizei,, die im Tandem Zugänge zu muslimischen Gemeinschaften und Gruppen erschließen und diese in ihrer Handlungskompetenz stärken und empowern.

    4. Pädagogische Arbeit mit Ansätzen zur Online-Offline-Verschränkung
      Auch in diesem Themenfeld spielt das Internet eine Rolle bei Hinwendungs- und Radikalisierungsprozessen. Daher werden auch in diesem Themenfeld Modellprojekte gefördert, welche die Verschränkung von Online- und Offline-Arbeit mit einstiegsgefährdeten Jugendlichen erproben. Möglichkeiten der erfolgreichen aufsuchenden online-Ansprache und einer darauf basierenden realen Arbeitsbeziehung und pädagogischen Arbeit in offline-Kontexten sollten hierbei ausgelotet werden, da eine reine Onlinearbeit fachlichen Einschätzungen zufolge den realen Kontakt in dieser Arbeit nicht ersetzen kann. Erste Erfahrungen aus der bisherigen Projektpraxis verdeutlichen wie herausforderungsvoll es ist, derartige (online/offline) Angebote zu etablieren. Erwünscht ist insbesondere eine intensivere Erprobung unterschiedlicher Zugangswege im Netz zu leisten sowie entsprechende pädagogische Methoden bzw. medienpädagogische Ansätze zu entwickeln.
      Von fachlichem Interesse ist ebenso die Erprobung und Modifikation etablierter universalpräventiver medienpädagogischer Formate als eine Facette in der Arbeit mit einstiegsgefährdeten Jugendlichen zur Stärkung ihrer Medienkompetenz. Ein besonderer Fokus liegt hierbei auch auf Konzepten, welche die Einbindung von Internet-Aktivistinnen und Aktivisten vorsehen, die bereits über Erfahrung im Arbeitsfeld und eine hohe Authentizität bei Jugendlichen verfügen.

    5. Peer-Group -Ansätze
      Gefördert werden Modellprojekte, die Ansätze entwickeln und erproben, die Zugänge zu demokratiefeindlich-islamistisch orientierten Jugendlichen primär über Peer-Groups erschließen. Die Arbeit in der indizierten Prävention erfordert besondere pädagogische Kompetenzen. Hier gilt es eine Überforderung der jugendlichen Peer (mit potentiell negativen Folgen sowohl für die Jugendlichen als auch für die Präventionsarbeit) zu vermeiden. Die eigentliche pädagogische Arbeit jenseits der Zugangserschließung muss daher durch professionelle Fachkräfte erfolgen und nicht durch (ehrenamtliche) Peer (allein) verantwortet werden.

    c)    Themenfeld „Linke Militanz“:

    Die Förderung von Modellvorhaben im Themenfeld „Linke Militanz“ fokussiert auf die Erprobung unterschiedlicher Wege der Zugangserschließung zu linken, militanzaffinen jungen Menschen und zu jungen Menschen in entsprechenden Risikokontexten sowie auf die Entwicklung jeweils jugend- und zielgruppenadäquater, modellhafter pädagogischer Angebote. Formen linker Militanz existieren in unterschiedlichen Bereichen ( u. a. mit Bezug zu Antifaschismus, Antikapitalismus) oder als jugendkulturelle Ausdrucksformen. Die Ursachen von Militanz können dabei ein Ausdruck von radikaler Systemopposition und Demokratiefeindschaft, die Folge eskalierender Konflikte zwischen politischen Gruppen, die Folge eines situativ eskalierenden Protestgeschehen auf Demonstrationen, oder auch – losgelöst von politischen Zielen – ein Attraktivitätsmoment für die Teilnahme an Protestereignissen sein. Diese heterogenen Ausprägungen und Ursachen können wichtige Anknüpfungspunkte für die präventive Arbeit von Modellprojekten bilden.

    Ausgeschriebene Schwerpunkte im Themenfeld Linke Militanz:

    1. Qualifizierungsformate für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren mit nachgewiesenen Szenezugängen
      Gefördert werden Modellprojekte, die Konzepte zur Qualifizierung und Fortbildung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren entwickeln und erproben, die insbesondere szenenahe Multiplikatorengruppen in den Blick nehmen (z.B. Jugend- und Sozialarbeit, Sportvereine mit nachgewiesenen Szenezugängen). Dabei gilt es, den für dieses Themenfeld typischen Zugangsschwierigkeiten zu begegnen.
      Diese liegen zum einen bei Akzeptanzproblemen auf Seiten der potentiellen Träger und zum anderen in der erschwerten Erreichbarkeit relevanter Zielgruppen. Wünschenswert sind in diesem Themenschwerpunkt auch Ansätze zur kritischen Auseinandersetzung mit Verschwörungsideologemen.

    2. Ansätze der Konfliktmediation
      Gefördert werden Modellprojekte, die Ansätze der Konfliktmediation erarbeiten, die an konkreten lokalen Konflikt-Konstellationen wie beispielsweise bei ausgewiesenen Rechts-Links-Konflikten ansetzen und lokal eingebettete Strategien der Konfliktbearbeitung weiterentwickeln. Dabei gilt es zu erproben, unter welchen Rahmenbedingungen und Voraussetzungen solche Formate umgesetzt werden können.

    3. Peer-Group -Ansätze
      Gefördert werden Modellprojekte, die Ansätze entwickeln und erproben, die Zugänge zu demokratiefeindlich-gewaltbereiten links-militanten Jugendlichen primär über Peer-Groups erschließen. In der Präventionsarbeit ist gerade das Themenfeld Linke Militanz mit erheblichen Zugangsschwierigkeiten konfrontiert, da es sich oftmals um „geschlossene“ politisierte Jugendgruppen handelt. Die Erprobung innovativer Peer-Ansätze erscheint daher besonders lohnenswert.
      Die Arbeit in der indizierten Prävention erfordert besondere pädagogische Kompetenzen. Hier gilt es eine Überforderung der jugendlichen Peer (mit potentiell negativen Folgen sowohl für die Jugendlichen als auch für die Präventionsarbeit) zu vermeiden. Die eigentliche pädagogische Arbeit jenseits der Zugangserschließung muss daher durch professionelle Fachkräfte erfolgen und nicht durch (ehrenamtliche) Peer (allein) verantwortet werden.
      Wünschenswert sind in diesem Themenschwerpunkt auch Ansätze zur kritischen Auseinandersetzung mit Verschwörungsideologemen.

    4. Bearbeitung von ausgewählten Themen innerhalb linksmilitanter Diskurse und Gruppen
      Gefördert werden Modellprojekte, die Ansätze und Konzepte hinsichtlich der Erreichung von linksmilitanten Jugendszenen zur Auseinandersetzung u. a. mit Antisemitismus und Islamfeindlichkeit entwickeln und erproben. Im Fokus stehen dabei auch Angehörige heterogener jugendkultureller Szenen, die sich gegen eine bestimmte soziale Gruppe wenden. Neue Modellprojekte können zugangserschließende Ansätze und Maßnahmen zu relevanten Zielgruppen mit ausgewiesenen Problemlagen zur Bearbeitung dieser Themen erproben. Wünschenswert sind in diesem Themenschwerpunkt zudem Ansätze und Methoden zur Auseinandersetzung mit dem Verhältnis zur Gewalt und zu Rechtsstaatlichkeit in den beschriebenen Zielgruppen.

    Mögliche Zielgruppen eines Modellprojektes können sein:

    • Kinder und Jugendliche, insbesondere junge Menschen, die dabei sind, sich zu radikalisieren oder Merkmale demokratiefeindlicher Haltungen zu entwickeln, die Mitglieder bzw. Sympathisantinnen und Sympathisanten entsprechend radikalisierter Cliquen, Gruppen oder Szenen sind oder gewaltbereites Verhalten zeigen;
    • Eltern und Familienangehörige, sowie weitere Bezugspersonen;
    • Ehren-, neben- und hauptamtlich in der Jugendhilfe Tätige, die mit entsprechend orientierten jungen Menschen konfrontiert sind;
    • Multiplikatorinnen und Multiplikatoren;
    • staatliche und zivilgesellschaftliche Akteurinnen und Akteure.

    In der Interessenbekundung sind das gewählte Themenfeld, der gewählte Themenschwerpunkt sowie die Hauptzielgruppe des Projekts zu benennen.
    Die weiteren Fördergrundsätze und -voraussetzungen sind der Förderleitlinie für Modellprojekte zur Radikalisierungsprävention (Programmbereich E) zu entnehmen, die Sie hier finden.

    3.    Verlauf Interessenbekundungs- und -bewertungsverfahren

    Ab dem 2. Februar 2017 steht das zu verwendende Formular für die Interessenbekundung auf der Programm-Internetseite www.demokratie-leben.de zur Verfügung.
    Die Teilnahmefrist endet am 17. März 2017.

    Die Interessenbekundung ist online auszufüllen und elektronisch zu übersenden.
    Weiterhin ist die Interessenbekundung in Papierform und rechtsverbindlich unterschrieben mit den erforderlichen Anlagen einzureichen. Es gilt der der Posteingang bis zum 17. März 2017.

    Folgende Anlagen sind der rechtsverbindlich unterschriebenen Interessenbekundung beizufügen:

    • Fachliches Votum durch Bund / Land / Kommune / Gemeinde mit Absichtserklärung zur Finanzierung
    • Absichtserklärung zur Zusammenarbeit (Projektbeteiligte)
    • Nachweis der Erfüllung der Förderbedingungen (entsprechend Nr. 4.1 der Leitlinie zum Programmbereich "Modellprojekte zur Radikalisierungsprävention"):

      • Satzung/ Gesellschaftervertrag
      • Nachweis der Eintragung ins Vereins-/ Handelsregister
      • Verzeichnis der Vorstandsmitglieder - Nachweis der Gemeinnützigkeit
      • Kontoverfügungsberechtigung für das Fördermittelkonto

    Eine erste Bewertung und Prüfung der Erfüllung formeller Kriterien erfolgt durch die Regiestelle. Eine fachliche Bewertung der Interessenbekundungen wird durch ein unabhängiges Sachverständigengremium vorgenommen. Das Gremium setzt sich aus externen Fachleuten zusammen, die sowohl über wissenschaftliche Expertise als auch Erfahrung über die Praxis verfügen. Neben der fachlich-inhaltlichen Prüfung erfolgt eine Bewertung entlang der Förderkriterien, die in der Förderleitlinie für den Programmbereich E aufgeführt sind. Nach einem punktebasierten Auswahlverfahren und der finalen Entscheidung werden die Teilnehmenden, deren Interessenbekundung zur Förderung ausgewählt wurde, zeitnah zur Stellung eines Förderantrages aufgefordert. Teilnehmende, deren Projektvorschlag keine Berücksichtigung finden konnte, werden zeitnah informiert.

    Für Fragen und Beratung zur Interessenbekundung steht Ihnen die Regiestelle des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ wie folgt zur Verfügung:

    Sprechzeiten: Mo. – Fr., 09:00 Uhr bis 16:00 Uhr
    E-Mail:            ibk-dl(at)bafza.bund.de
    Tel:                  035773 7399-150

    Die Unterlagen zur Interessenbekundung sind einzureichen bei:
    Regiestelle „Demokratie leben!“
    Spremberger Str. 31
    02959 Schleife