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Glossar

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF)

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF) meint die Abwertung bestimmter, meist schwächerer Gruppen aufgrund zugewiesener oder gewählter Merkmale. Man spricht auch von einem Syndrom GMF, weil die Abwertung über verschiedene Gruppen hinweg nach ähnlichen Mustern und Mechanismen verläuft und auf ähnlichen Einstellungen gegenüber diesen Gruppen basiert.

GMF wird durch eine Ideologie begründet, nach der Menschen unterschiedlicher sozialer, religiöser und ethnischer Herkunft oder verschiedener Lebensstile ungleich und ungleichwertig betrachtet werden. Solche Gruppen werden nicht nur mit feindseligen Einstellungen, sondern auch mit feindseligen Handlungen konfrontiert, sodass zusätzlich ihre Unversehrtheit in Frage gestellt wird.

Neben Fremdenfeindlichkeit und Rassismus umfasst GMF die Abwertung aufgrund einer bestimmten Religionszugehörigkeit (Antisemitismus , Islamophobie), die Herabsetzung sexuellen Andersseins (Homophobie , Sexismus), die Demonstration von Etabliertenvorrechten sowie die Abwertung aufgrund körperlicher Merkmale (bei Behinderten) oder sozialer Kriterien (bei Obdachlosen oder Langzeitarbeitslosen).

GMF richtet sich damit nicht nur gegen Gruppen, die aufgrund ihrer Herkunft als ungleich empfunden werden, sondern auch gegen jene, die gleicher Herkunft sind, sich aber anders oder abweichend verhalten oder zumindest als anders empfunden werden. GMF kann sich unauffällig, z. B. nur in Meinungen, aber auch in Diskriminierung, Ausgrenzung oder sogar Gewalt äußern und wird zudem von gesellschaftlichen Faktoren beeinflusst (z. B. Arbeitslosigkeit, Berichterstattung in den Medien).

Sie tritt verstärkt bei Menschen auf, deren menschliche Grundbedürfnisse nach Sicherheit, Integration und Anerkennung nicht erfüllt sind. Angst vor Arbeitslosigkeit, schlechte soziale Absicherung, instabile emotionale Situationen, negative Zukunftserwartungen oder gefühlte politische Machtlosigkeit bestärken menschenfeindliche Einstellungen und Handlungen.

Literatur:
Heitmeyer, Wilhelm (Hrsg.): Deutsche Zustände, Folge 1-10, Frankfurt a. M. 2003-2011.
Zick, Andreas u. a.: Die Abwertung der anderen. Eine europäische Zustandsbeschreibung zu Intoleranz, Vorurteilen und Diskriminierung, Berlin 2011.
Verfasst von Romy Wöhlert für das Glossar der Bundesprogrammseite von kompetent. für Demokratie.
Durchgesehen von Romy Wöhlert für das Glossar von BIKnetz - Präventionsnetz gegen Rechtsextremismus [Stand Januar 2013].