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„Mir liegt am Herzen, dass die Jugendlichen angehört werden“

 Paschew Kader, Jugendbeirat in Regensburg, im Interview mit „Demokratie leben!“

An dieser Stelle stellen wir regelmäßig engagierte Mitwirkende aus den geförderten Projekten vor. Zum Auftakt haben wir ein Interview mit Paschew Kader, dem 17-jährigen Vorsitzenden des Jugendbeirats der Stadt Regensburg, geführt. Dank der Mittel der Regensburger Partnerschaft für Demokratie  stehen dem Jugendbeirat jährlich 6.000 Euro zur Umsetzung von Projekten von Jugendlichen für Jugendliche zur Verfügung.

Mit Paschew Kader haben wir über seine Motivation gesprochen, sich vor Ort zu engagieren.


Bitte stellen Sie sich kurz vor und beschreiben Sie Ihre Funktion innerhalb des Jugendbeirats in Regensburg!

Mein Name ist Paschew Kader, ich bin 17 Jahre alt, lebe seit meiner Geburt in Regensburg. Momentan besuche ich die Fachoberschule in Regensburg. Ich wurde in der ersten Sitzung des Jugendbeirats zum Vorsitzenden gewählt. 


Wie kam es dazu, dass Sie sich zur Wahl in den Beirat aufgestellt haben? Haben Sie sich schon vorher in der Stadt engagiert?

Ich habe eines Tages einen Brief von der Stadt bekommen, in dem darüber informiert wurde, dass ein Jugendbeirat gebildet werden soll. Erst konnte ich damit nichts anfangen.

In meiner Schule gab es ein paar Monate später ein Planspiel, in dem die Arbeit im Jugendbeirat anschaulich dargestellt wurde. Einen ganzen Tag lang Politik in der Praxis und das Austauschen von Argumenten hat mir sehr Spaß gemacht. Dadurch wurde mir klar, was auf mich zukommen würde, und so habe ich entschieden, mich für den Jugendbeirat zu bewerben. Bis dahin habe ich mich im Sportverein und beim Arbeitskreis für ausländische Arbeitnehmer e. V. engagiert. Außerdem habe ich bei einem Filmprojekt zum Thema Inklusion an meiner Schule mitgewirkt.

Welche Aufgaben hat der Jugendbeirat in Regensburg? Wie kam es zu dessen Gründung?

Paschew Kader bei der konstituierenden Sitzung des Regensburger Jugendbeirats, Bildnachweis: Peter Ferstl, Stadt Regensburg
Paschew Kader bei der konstituierenden Sitzung des Regensburger Jugendbeirats, Bildnachweis: Peter Ferstl, Stadt Regensburg

Der Jugendbeirat vertritt die Interessen der Jugendlichen in Regensburg. Er berät den Oberbürgermeister und den Stadtrat dabei, die Sichtweise von Kindern und Jugendlichen bei politischen Entscheidungen mehr zu berücksichtigen. Außerdem haben wir ein eigenes Budget, um Projekte durchführen zu können. Die Stadt Regensburg hat als eine der ersten Kommunen deutschlandweit den Titel „Kinderfreundliche Kommune“ erhalten. Außerdem existiert ein Stadtratsbeschluss, in dem konkrete Maßnahmen beschlossen wurden, um Beteiligung von jungen Menschen zu erhöhen. Bisher wurden regelmäßig sogenannte JUPS-Treffen (Jugendpartizipation im Stadtteil) organisiert, bei denen Jugendliche mit dem Oberbürgermeister und Vertreterinnen und Vertretern der Verwaltung zusammentrafen und Probleme ansprechen konnten. Mit dem Jugendbeirat wurde der nächste Schritt gemacht, um dauerhaft die Perspektive von jungen Menschen in den Stadtrat und in die Öffentlichkeit zu tragen.

Wie ist es in Regensburg gelungen, so viele Jugendliche für eine Mitarbeit im Jugendbeirat zu motivieren? Wie schaffen es die Beteiligten, das Engagement kontinuierlich aufrecht zu erhalten?

Die Stadt Regensburg stellte für die Kampagne zur Jugendbeiratswahl ein großes Budget zu Verfügung. Alleine in den 14 politischen Planspielen quer durch alle Schularten wurden 560 Jugendliche angesprochen und konnten sich intensiv mit dem Jugendbeirat auseinandersetzen. Zusätzlich wurden alle Wahlberechtigten (alle 14- bis 17-Jährige mit Hauptwohnsitz in Regensburg) in persönlichen Anschreiben durch den Oberbürgermeister informiert. Durch Pressekonferenzen, professionelle Werbemittel zum Wahlkampf und soziale Netzwerke wurde eine große Öffentlichkeit erreicht. Für die Jugendbeiräte ist es sehr motivierend, dass der Oberbürgermeister, Herr Wolbergs, an allen Plenumssitzungen teilnimmt und dadurch signalisiert, dass ihm die Meinung von Jugendlichen sehr wichtig ist. Den Stellenwert des Jugendbeirats unterstreicht auch die Tatsache, dass die Jugendbeiräte wie Stadträte ein Sitzungsgeld erhalten.

 
Wie nehmen Sie die Politik vor Ort wahr? Wie und wo wollen Sie sich noch einbringen?

Wie ich schon in meinem Wahlslogan erwähnt habe, liegen meine persönlichen Schwerpunkte bei der Zusammenarbeit mit Flüchtlingen, wie z.B. Sportprojekte. Aber auch zu dem Thema Schülertarife im öffentlichen Nahverkehr möchte ich mich einsetzen. Hier sind wir bereits zu einigen Gesprächen gekommen.


Dem Jugendbeirat stehen 6.000 Euro pro Jahr zu Verfügung, unter anderem dank der Förderung durch das Bundesfamilienministerium. Welche Pläne gibt es für das Geld? Was konnte bisher bewegt werden? Was wollen Sie noch bewegen?

In den ersten Monaten war auf jeden Fall viel Organisatorisches zu klären, so musste etwa eine Arbeitsgruppe eine Geschäftsordnung für den Jugendbeirat erarbeiten. Ich wurde zusammen mit meinen Kolleginnen und Kollegen zu verschiedenen Interviews und Terminen eingeladen. Das waren sehr interessante Erfahrungen für uns. In einem Einführungsseminar wurden an 2 Tagen Schwerpunkte für unsere Amtsperiode gesammelt. Auf den Weg gebracht wurde auch ein Umweltprojekt, bei dem wir mit kreativen und witzigen Slogans an Jugendliche herantreten wollen, damit einige öffentliche Plätze weniger zugemüllt werden. Nach der Sommerpause beteiligen wir uns an der Planung einer Podiumsdiskussion, bei der es um Diskriminierung beim Einlass an den Diskotüren geht. Da haben leider auch im Jugendbeirat schon einige Personen schlechte Erfahrungen gemacht. Geplant ist auch, regelmäßig eine Art Zeitung herauszugeben, in der wir als Jugendbeirat die Themen von jungen Regensburgern ansprechen wollen und über interessante Veranstaltungen und Termine berichten wollen.


Was motiviert Sie persönlich an Ihrer Tätigkeit im Jugendbeirat besonders? Was wollen Sie erreichen? Hatten Sie schon besondere Erfolgserlebnisse?

Die persönliche Erfahrung, zum Beispiel auf dem Sitz des Oberbürgermeisters eine Sitzung zu leiten, war und ist schon spannend, aber auch eine Herausforderung. Wir treffen regelmäßig Vertreter der Stadtverwaltung und den Oberbürgermeister. Durch diese Kontakte ist es möglich, auch als Jugendlicher einen Termin z.B. beim Geschäftsführer des ÖPNV zu bekommen und auf Augenhöhe diskutieren zu können. Meine Vorstandskolleginnen und –kollegen Jelka und Ahmet durften die Stadt bei einem Kongress in Litauen vertreten, das sind schon tolle Erfahrungen. Zuletzt haben sich viele Jugendbeiräte an der ersten internationalen Jugendkonferenz in Regensburg beteiligt, wir konnten Leute aus unseren Partnerstädten kennenlernen und haben so viele Ideen und Eindrücke erhalten und Freunde gewonnen. Mir liegt am Herzen, dass die Jugendlichen generell angehört werden, wenn sie Ansprüche haben. Sie sind ja schließlich auch Bürger und sollten eine Stimme haben. Die Stimmung im Jugendbeirat ist sehr gut, es gibt keine politischen Lager, wir ziehen sozusagen an einem Strang.Ich hatte schon oft den Fall, dass mich Leute auf der Straße darauf ansprechen, wie mir die Arbeit gefällt und sie loben mich für mein persönliches Engagement. Allein das ist für mich ein großer Erfolg und eine Motivation weiter zu machen. Außerdem lernen wir jetzt viel über die Abläufe in der Stadt und viele Erfahrungen sind sicher auch für unsere Zukunft wertvoll.


Worin sehen Sie die größte Herausforderung bei Ihrer Tätigkeit?

Zu meiner größten Herausforderung gehört sicherlich die Zeitinvestition. Man muss vor allem als Vorsitzender deutlich mehr Zeit in die Arbeit reinstecken können. Dennoch lohnt sich der ganze Aufwand, denn man wird von allen Seiten unterstützt, wie z.B. in meinem Fall vom Amt für kommunale Jugendarbeit der Stadt Regensburg.


Das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ fördert die Jugendbeteiligung in vielen deutschen Städten und Landkreisen. Welche Tipps würden Sie Jugendlichen, die sich vor Ort engagieren wollen, gern mit auf den Weg geben?

Also auf jeden Fall lohnt es sich immer, sich für seine Ideen einzusetzen. Aber man braucht Durchhaltevermögen und die Politik vor Ort muss die Mitsprache von Jugendlichen wirklich ernst nehmen. Es gibt ja Bundesländer, in denen man schon ab 16 Jahren wählen kann, das wäre auf jeden Fall einen Versuch für ganz Deutschland wert. Viele Jugendliche möchten an den Entscheidungen in ihrer Stadt oder Gemeinde mitwirken, oft wird es ihnen aber nicht zugetraut. Ihr müsst zeigen, dass Ihr gute Argumente habt und Euch ein Netzwerk an Unterstützern aufbauen. Die Planspiele sind auf jeden Fall gut gewesen, um zu zeigen dass Politik anstrengend ist und so kann man rauskriegen, ob das Engagement einem liegt. Ich habe in den ersten Monaten meiner Amtszeit wirklich unheimlich viel über die Abläufe in unserer Stadt gelernt und kann jetzt einige Entscheidungen viel besser nachempfinden, über die man sonst nur in der Zeitung liest.


Weitere Informationen zur Partnerschaft für Demokratie Regensburg